Monika Metternich über die Proteste bei der Einheitsfeier in Dresden

Die Grenze des Diskurses

Aktualisiert am 05.10.2016  –  Lesedauer: 
Standpunkt

Bonn ‐ Monika Metternich über die Proteste bei der Einheitsfeier in Dresden

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Hätte es sich jemand boshaft ausgedacht, das "Florenz des Nordens",  die wunderschöne sächsische Barockstadt Dresden, innerhalb weniger Stunden international zur no-go-area zu machen, er hätte es nicht geschickter anfangen können als dies bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit geschah: Zahlreiche mit Trillerpfeifen ausgerüstete Hasskappen, die vor den Kameras der Welt mit  kehligem Gebrüll ihre eigene Regierungschefin, den Bundes- und den Bundestagspräsident sowie Repräsentanten aus Politik und Gesellschaft  mit nachgerade unaussprechlichen Schimpfworten beschimpfen, während die Polizei ihnen dazu Erfolg wünschte – solche "Reklame" dürfte durchschlagende nationale und internationale Wirkung  zumal auf den Tourismus haben.

Nun wird niemand behaupten, hier habe sich repräsentativ die Bevölkerung von Dresden der Welt vorgestellt. Es handelte sich um etwa 2.000 rechtsradikale Protagonisten, derer ein paar sogar extra nach Dresden angereist waren, um zum Fest der deutschen Einheit der Welt mal zu zeigen, was eine patriotische Harke ist. Wenn sich nun besorgte Stimmen erheben, man müsse jetzt gemeinsam "über Demokratie reden", dann ist das sicher gut gemeint. Aber wer glaubt, irgendwas mit Leuten reden zu können, die "Merkel nach Sibirien, Putin nach Berlin" skandieren, müsste als Angebot zur Güte auch bereit sein, über Glühweinbuden als unveräußerliches Erbe des christlichen Abendlandes zu diskutieren.

"Abendlandsverteidigern", die Schwarze auf dem Weg zur Kirche beleidigen, könnten wohl selbst Engelszungen nicht nahebringen, wo ihr peinlicher Trugschluss liegt. Natürlich kann, darf, soll und manchmal muss man in einer Demokratie unterschiedlicher Meinung über politische Entscheidungen sein und dies auch artikulieren und ausdiskutieren. Dass es dabei oft nicht zimperlich zugeht, konnten alle bisherigen Bundeskanzler erleben. Es gibt aber Grenzen. Und diese Grenzen sind da erreicht, wo Beschimpfungen so unflätig sind, dass man sie selbst berichtend ungern in den Mund nehmen möchte. Zur Verdeutlichung sei hier einmal klar ausgesprochen, um welche Dimension es sich handelt: Leuten, die den politischen, demokratischen – oder irgendeinen! – Diskurs durch die Anrede "Fotze!", "Stinktier!", "Volksverräter",  mit  Affengeräuschen und -gesten sowie der Empfehlung "Hau ab!" eröffnen, ist nicht durch "über Demokratie reden" zu helfen. Wahlweise empfähle sich stattdessen ein Arzt - oder eine Anzeige.

Von Monika Metternich

Die Autorin

Monika Metternich ist Religionspädagogin, Schriftstellerin und Journalistin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.