Ein neues Kinder- und Familienbuch über das Wahrzeichen Kölns

Wie der Dom nach Köln kam

Aktualisiert am 28.10.2016  –  Lesedauer: 
Die Türme des Kölner Doms
Bild: © KNA
Literatur

Köln ‐ Passt das einst höchste Gebäude der Welt auch in ein Querformat? Die Antwort darauf gibt Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner - mit ihrem neuen Kinder- und Familienbuch über den Kölner Dom.

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Wie stellt man den Kölner Dom, eine der bedeutendsten Kirchen der Welt und meistbesuchte Sehenswürdigkeit Deutschlands, angemessen vor? Am besten steigt man ihm aufs Dach, um das Abenteuer seiner jahrhundertelangen Erbauung ein Stück mitzuerleben. So dachten wohl die Autoren und der Kölner Greven-Verlag, als in dieser Woche im Dachstuhl des Doms das allerjüngste Buch über das Wahrzeichen der rheinischen Metropole vorgestellt wurde. "Wie der Dom nach Köln kam", so lautet der Titel.

Kinder haben immer mit am Zeichentisch gesessen

Die frühere Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, Zeichner Christoph Baum und der Journalist Johannes Schröer vom Kölner domradio haben ein Familienbuch für Kinder wie Erwachsene konzipiert. Ochsenkarren, römische Babys mit nacktem Popo, ein verhafteter Erzbischof und eine Friedensdemo: Allerhand buntes Treiben herrschte zu allen Zeiten rund um die Baustelle Dom. Voller Detailfreude macht Illustrator Baum, der als Art Director unter anderem das Aussehen von Zeichentrickfilmen wie Käpt'n Blaubär und Pippi Langstrumpf gestaltete, die Entstehung des Doms lebendig.

Und dabei entschuldigte er sich bei der Buchpräsentation sogar noch: "Lieber Dom", so begann er seine Ansprache, "bitte entschuldige, dass ich nicht immer alle Details untergebracht habe." Dabei wimmelt es doch schon kräftig in den großformatigen Schlüsselszenen des Kathedralbaus, die schon vor der Grundsteinlegung zu Zeiten der römischen Kolonie beginnen und bis in die Gegenwart reichen. Die Kinder, die das Buch künftig lesen und entdecken sollen, hätten immer mit am Zeichentisch gesessen, berichtet Baum - auch die erwachsenen Kinder.

Bild: ©KNA

Barbara Schock-Werner (*1947) war von 1999 bis 2012 Dombaumeisterin des Kölner Doms.

Der Unterschied zum klassischen Wimmelbuch: Nach jeder Doppelseite Bild erzählen Schock-Werner und Schröer in anschaulichen Texten doppelseitig davon, "wie der Dom nach Köln kam". Die Dombaumeisterin der Jahre 1999 bis 2012 wollte schon lange die Geschichte der Kathedrale populär erzählen. Zur Fertigstellung des Kinder- und Familienbuchs traf es sich gut, dass die 69-Jährige kürzlich zum ersten Mal Großmutter geworden ist. Dank ihrer außergewöhnlichen Fachkenntnis ist das Wimmelbuch zum Geschichtsbuch geworden; mit akkuraten Fakten, wie Verlagsleiter Damian van Melis betonte.

Über zwei Jahre lang haben die Autoren das Gewimmel der Jahrhunderte geordnet. Schock-Werner und Schröer erläutern die Abbildungen und erzählen von der schweißtreibenden Arbeit der Handwerker auf der Dombaustelle; von Geheimgängen, durch die Erzbischof Anno II. (1056-1075) einst vor aufgebrachten Bürgern fliehen musste; von einer schräg klingenden Kaiserglocke; von den Plänen, an den Domtürmen eine Haltestelle für Zeppeline einzurichten, und davon, wie der Dom nach der Zerstörung Kölns im Zweiten Weltkrieg zum Symbol der wiedererstehenden Stadt wurde.

Der Dom ist der Star

Als Herausgeber des Buches fungiert der Zentral-Dombau-Verein; nicht ohne Hintergedanken, wie dessen Präsident Michael Hoffmann erläuterte. Der Verein, der seit 1842 maßgeblich zu Weiterbau und Fertigstellung und seitdem zum Unterhalt der Kölner Kathedrale beiträgt, feiert im kommenden Jahr seinen 175. Geburtstag. Da erschien ein kundiges und ansprechendes Buch als schönes Geschenk an alle Vereinsmitglieder - und an solche, die es werden wollen. In einer Auflage von 17.500 - also noch mit Luft für Neuzugänge - ließ der Dombau-Verein dafür ein etwas kleineres Format drucken.

A propos Format - warum kann ein Bildband über das einst höchste Gebäude der Welt im Querformat erscheinen? Das verrät die Neu-Großmutter Schock-Werner: Damit man es besser zu zweit betrachten kann. Außerdem spielt sich ja das Leben der Kölner eh zumeist auf dem Boden ab. Ein weiteres Argument: Die Domtürme sind ohnehin erst seit 1880 fertiggestellt. Trotz der abgesägten Spitzen und all des Gewimmels rund um ihn herum steht eines doch nie in Frage, für Kölner nicht und auch nicht in diesem Buch: Der Dom ist der Star.

Von Alexander Brüggemann (KNA)