Claudio Hummes über Rohstoffausbeutung und indigene Völker

Kardinal geißelt Erdölförderung im Amazonasgebiet

Aktualisiert am 01.11.2016  –  Lesedauer: 
Umwelt

Puyo ‐ Die Erdölförderung zu reduzieren sei einer der Kämpfe der Kirche, sagt Kardinal Claudio Hummes. Der Papstvertraute verrät auch, wo sich die Leitlinien für diesen Kampf finden lassen.

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Mit scharfer Kritik hat einer der engsten Vertrauten von Papst Franziskus die Erdölförderung und die Zunahme der Goldminen im Amazonasgebiet angeprangert. Das sorge für "schreckliche Zerstörungen der Umwelt", sagte der brasilianische Kardinal Claudio Hummes der Deutschen Presse-Agentur am Rande eines Kirchentreffens in der ecuadorianischen Stadt Puyo. An dem Interview nahmen auch einige andere deutsche Medien teil. "Die Erdölförderung muss reduziert werden", sagte er. Die Konzerne müssten umsteuern.

Alle Länder der Region ständen unter massivem internationalen Druck, ständig wachsen zu müssen. Daher werde auch die Rohstoffausbeutung vorangetrieben. "Das ist ein destruktives Modell, das keine Zukunft hat", sagte der Kardinal. Hummes ist Vorsitzender des Panamazonischen Kirchennetzwerks (REPAM), das sich als Anwalt der von Vertreibung bedrohten indigenen Völker sieht. In Ecuador sorgt vor allem die Förderung im Yasuní-Nationalpark für massive Kritik, da es eines der sensibelsten Ökosysteme ist.

Die Nutzung des Erdöls zu verringern sei auch einer der Kämpfe der Kirche, so der Kardinal. Es dürfe nicht sein, dass indigene Gemeinschaften im Amazonasgebiet nicht konsultiert werden. Die Kirche müsse an ihrer Seite stehen, um den Druck auf die Regierungen zu erhöhen. Ihr Land, ihre Rechte seien fundamental für sie, sagte Hummes.

Leitlinie von REPAM sei die Umweltenzyklika "Laudato Si" von Papst Franziskus. "Er führt uns in diesen Herausforderungen." Hummes sagte, er habe in den letzten Monaten 36 Diözesen im Amazonasgebiet besucht. Es gebe enorme Umweltprobleme, auch durch die Abholzung. Das werde durch den Sojaanbau verschärft. Die Kirche dürfe keine Angst haben, Missstände anzuprangern. Fortschritt dürfe nicht auf Kosten irreparabler Umweltzerstörungen gehen. (bod/dpa)