Jedes Jahr nehmen Kinder mit Laternen am Martinsumzug teil.
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Reaktionen auf angebliche Umbenennung der Sankt-Martin-Feier

"Eine Schnapsidee"

Sankt Martin - Posse oder Politikum? Eine Kindertagesstätte in Bad Homburg habe die Sankt-Martins-Feier zugunsten eines "Sonne-Mond-und-Sterne-Festes" abgeschafft, schrieb die "Taunus-Zeitung" vergangene Woche. Die angebliche Begründung: Diskriminierung von nicht-christlichen Kindern. Auch der Landessprecher der Linken in Nordrhein-Westfalen, Rüdiger Sagel, stellt ähnliche Forderungen. Jetzt wird Kritik daran laut – nicht nur von Seiten der katholischen Kirche.

Bonn - 06.11.2013

Von einer "Schnapsidee" sprach der kulturpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Thomas Sternberg, in der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Sankt Martin sei eine "große historische Gestalt mit sehr wichtigen Impulsen für die Sozialgeschichte Europas". Seiner zu gedenken, habe nichts mit Ausgrenzung anderer Religionen zu tun.

Der Name "Sonne-Mond-und Sterne-Fest" sei nur vermeintlich verbindend und komplett inhaltsleer, sagte ein Sprecher des Erzbistums Köln. Der interreligiöse Dialog sei wichtig, der eigene Glaube dürfe aber nicht verleugnet werden. Die Figur des Heiligen könne auch muslimischen Kindern den Gedanken des Teilens näherbringen.

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst geht sogar einen Schritt weiter. Er will den Heiligen stark aufgewertet sehen. Für ihn sei Martin einer der bedeutendsten europäischen Glaubenszeugen und eine Orientierungsfigur, sagte er auf einem internationaler Kongress , der eigens dem Heiligen gewidmet war. Fürst hatte dort nicht nur die innerkirchliche Perspektive im Blick: Ein Europa, nur durch eine Währung zusammengehalten, sei wenig tragfähig. Martin, davon zeigt sich Fürst überzeugt, könne dazu beitragen, dass Europa eine Seele bekomme.

Bischof Fürst spricht zu den Teilnehmern.

Bischof Gebhard Fürst spricht am 23.02.2013 in Biberach an der Riß (Baden-Württemberg) beim ersten Regionalforum zum Dialog- und Erneuerungsprozess.

Nicht nur Katholiken sind verwundert

Doch gab es nicht nur von katholischer Seite Unterstützung. Der religionspolitische Sprecher der Piraten im Landtag, Michele Marsching, nannte gegenüber der "Rheinischen Post" die Verbannung des Heiligen übertrieben. Kitas sollten lieber auch muslimische Feste in die Betreuung integrieren.

Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek, hat kein Problem mit dem heiligen Martin. Dass Sankt Martin ein katholischer Heiliger sei, stelle für Muslime keinen Hinderungsgrund dar, an den Umzügen teilzunehmen. "Das Leben des heiligen Martin ist doch geradezu vorbildlich, auch für Muslime."

Comedian Dieter Nuhr nahm die Nachricht von den Forderungen der Linken auf seine eigene Art aufs Korn. Er twitterte: "St. Martin abschaffen wegen unserer Muslime. Wird Weihnachten jetzt Tag der Arbeit? Jesus war Handwerker!"

Der Landessprecher der NRW-Linken, Rüdiger Sagel, hatte in der "Rheinischen Post" mit Blick auf einen hohen Anteil an Muslimen in Kitas verlangt, auf die christliche Figur des Sankt Martin zu verzichten. Den Mantel mit den Armen zu teilen sei eine überkonfessionelle Botschaft. Deshalb solle man ein "Sonne-Mond-und Sterne-Fest" feiern.

Kita-Mitarbeiter erhalten Drohungen

Derweil werden in dem städtischen Kindergarten in Bad Homburg, der das Sankt-Martins-Fest umbenannt hatte, Kita-Mitarbeiter in E-Mails mit Gewalt bedroht. Die Kommune stelle nun Strafanzeige gegen die Verfasser, sagte ein Sprecher am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Die Drohungen richteten sich gegen die Kita-Leitung und Mitarbeiter; die Absender stammten aus dem Bundesgebiet. Auslöser sei offenbar ein Bericht in einem rechtsorientierten Blog. Am Donnerstag werde der Laternenumzug Kindertagesstätte von Beamten der Stadt- und Landespolizei begleitet, meldet fr-online . Die Polizisten sollen die Sicherheit der Kinder gewährleisten.

Der Kindergarten, den rund 100 Jungen und Mädchen besuchen, hatte das Sankt Martin als Sonne-Mond-und-Sterne-Fest angekündigt. Eine Abkehr vom christlichen Ursprung sei damit nicht verbunden, betonte der Stadt-Sprecher. Werte wie Teilen und Barmherzigkeit vermittle man weiterhin. Auch Martinsfeuer und Laternenumzug seien beibehalten worden.

Eine offizielle Umbenennung habe gar nicht stattgefunden. "Der Name des traditionellen Festes ist niemals offiziell geändert worden, auch wenn von Eltern und Beschäftigten umgangssprachlich ein anderer Name verwendet wird", hieß es in einer Stellungnahme. Der neue Name hat sich nach Darstellung der Kommune intern eingebürgert, nachdem bereits beim Martinsfest 1998 eine Suppe mit Sonne-Mond-und-Sterne-Nudeln als Einlage gereicht worden sei: "Das hat sich verselbstständigt."

Die "Taunus-Zeitung" berichtete hingegen, einigen Eltern sei gesagt worden, das Fest sei bewusst umbenannt worden, um niemanden zu diskriminieren. (mit Material von KNA und dpa)

Von Björn Odendahl und Agathe Lukassek