Der Wunschzettel des "Josepherl"
Bild: © KNA
Was sich Benedikt XVI. als Kind zu Weihnachten wünschte

Der Wunschzettel des "Josepherl"

Fast hätte man ahnen können, was aus dem siebenjährigen Joseph Ratzinger einmal werden würde. Sein Wunschzettel sprach jedenfalls Bände. In der Rückschau muss das der emeritierte Papst selbst zugeben.

Bonn - 09.12.2016

Dass aus Joseph Ratzinger (im Bild ganz links) später einmal Papst Benedikt XVI. werden würde, konnte bei einem Siebenjährigen wohl niemand vorhersagen. Dennoch war der Weihnachtswunschzettel, den das kleine "Josepherl" vor 82 Jahren schrieb, bereits ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Im Interview-Buch "Letzte Gespräche" bekannte der emeritierte Papst erst vor wenigen Monaten, dass die Wünsche, die er damals an das Christkind gerichtet hatte, durchaus ungewöhnlich gewesen seien. Unter dem Baum sollten nach seinem Willen ein Volks-Schott (Messbuch), ein grünes Messkleid und ein "Herz Jesu" liegen. "Aber für uns war die Teilnahme an der Liturgie wirklich von Anfang an konstitutiv", so Benedikt im Gespräch mit Peter Seewald. Es sei ein großes Erlebnis und eine geheimnisvolle Welt gewesen, in die man weiter eindringen wollte.

Joseph und Georg spielen Gottesdienst

Weniger ungewöhnlich war laut Benedikt dagegen das "Pfarrerspielen". Er nennt es ein "schönes Spiel", das damals auch noch weit verbreitet gewesen sei (dafür auch das grüne Messkleid, Anm. d. Red.). Auch seine sechs Jahre ältere Schwester Maria (†1991) erinnerte sich daran, ihre beiden Brüder Joseph und Georg "als Buben am liebsten den sonntäglichen Gottesdienst nachspielten".

Übrigens: Dass seine Familie ihn "Josepherl" nannte, wusste der spätere Papst schon früh zu unterbinden. Mit etwa acht Jahren habe er seiner Familie gesagt, dass das so nicht weitergehe, da er sonst ein Leben lang ein "Josepherl" bleibe. "Ich heiße von jetzt an Joseph", wiederholt Benedikt seine Worte von damals. "Diese Weisung ist dann auch beachtet und eingehalten worden." Auch seinen Wunschzettel unterschrieb er bereits mit "Joseph". (bod)

Der Wunschzettel des späteren Papstes:

Die "Übersetzung" der Sütterlinschrift:

"Liebes Christkind!

Du schwebst bald auf die Erde hernieder.
Du willst den Kindern Freude bereiten.
Auch mir willst Du Freude bereiten.
Ich wünsche mir den Volks-Schott,
ein grünes Messkleid und ein Herz Jesu.
Ich will immer brav sein.

Schönen Gruß von Joseph Ratzinger."