Eine rote Flagge mit einem weißen Kreuz.,
John Critien folgt auf entlassenen Albrecht von Boeselager

Nach Rauswurf: Malteserorden hat neuen Großkanzler

Malteserorden - John Critien aus Malta folgt auf den Deutschen Albrecht von Boeselager. Dem wurde der Posten kürzlich überraschend entzogen. Doch das letzte Wort in dem Streit scheint noch nicht gesprochen.

Rom - 15.12.2016

Der Malteserorden hat nach der Amtsenthebung Albrecht von Boeselagers (67) einen neuen Großkanzler: Der aus Malta stammende John Critien (67) tritt die Nachfolge des deutschen Adeligen an, wie der Orden am Mittwoch auf seiner Internetseite bekanntgab.

"Schwerwiegende Probleme" mit Boeselager

In der vergangenen Woche hatte der Orden überraschend mitgeteilt, dass das regulär bis 2019 laufende "Mandat des Großkanzlers zu Ende" sei. Die Hintergründe blieben unklar. Der Großmeister Matthew Festing begründete die Entlassung Boeselagers am Dienstag mit "schwerwiegenden Problemen", die während Boeselagers Zeit als Hospitalier des Ordens aufgetreten seien, die dieser aber verschwiegen habe. Das gehe aus einem Bericht aus dem Jahr 2015 hervor. Angaben zum Gegenstand des Konflikts machte Festing nicht. Als Hospitalier war Boeselager von 1989 bis 2014 für die Koordination der humanitären Hilfe des Ordens verantwortlich.

Boeselager selbst will offenbar gegen seine Entlassung vorgehen. Ein Vertrauter sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Samstag, der Vorgang sei für Boeselager noch nicht abgeschlossen; es gebe viele Fragezeichen hinter der Entscheidung des Großmeisters.

Die katholische Wochenzeitung "The Tablet" zitierte von Boeselager mit den Worten, seine Entlassung stelle eine Verletzung der Ordensverfassung dar. In einer E-Mail an Freunde hatte Boeselager laut "The Tablet" erklärt, man werfe ihm vor, zu liberal zu sein und die kirchliche Lehre nicht anzuerkennen; dies sei "unwahr und ungerecht". Großmeister Festing sagte der Zeitung, die Personalie sei nun eine Angelegenheit zwischen dem Orden und dem Vatikan.

Die "FAZ" berichtete an diesem Mittwoch unter Berufung auf "zuverlässige Quellen im Vatikan", dort werde Boeselagers Arbeit wertgeschätzt, der Vatikan habe seine Amtsenthebung nicht gefordert.

Ein Mann trägt die Uniform der Malteser.
Bild: © KNA

Das größte Werk des Ordens ist der deutsche Malteser Hilfsdienst.

Boeselager weigerte sich nach Darstellung der Ordenszentrale bei einem Treffen in Rom am 6. Dezember sein Amt niederzulegen. Daraufhin habe der Großkomtur des Ordens, Ludwig Hoffmann von Rumerstein, wegen Ungehorsams ein Disziplinarverfahren gegen Boeselager eröffnet und ihn aus dem Orden ausgeschlossen. Damit habe von Boeselager automatisch seinen Posten verloren. Dies sei mit Zustimmung des Großmeisters, des Souveränen Rats des Malteserordens und "den meisten Mitgliedern des Ordens" erfolgt. Anwesend bei dem Treffen war demnach auch der Kardinalpatron des Ordens gewesen, Kardinal Raymond Leo Burke.

Der Malteserorden leistet mit mehr als 80.000 Helfern in 120 Ländern humanitäre Hilfe. Er hat weltweit 13.500 Mitglieder. Das größte Werk des Ordens ist der deutsche Malteser Hilfsdienst, in dessen Präsidium Boeselager Mitglied ist. Der Orden hat den Status eines Völkerrechtssubjekts und unterhält daher wie Staaten diplomatische Beziehungen, derzeit zu 104 Ländern. Kardinalpatron ist seit 2014 der US-Kardinal Raymond Leo Burke (68).

Die Malteser blicken auf eine lange, schillernde Geschichte zurück: italienische Kaufleute gründeten 1048 in Jerusalem eine Hospitalbruderschaft, um Pilgern und Kreuzrittern Schutz und Hilfe zu geben. Daraus entwickelte sich im Laufe eines halben Jahrhunderts bis 1099 ein geistlicher Orden. 1113 verlieh Papst Paschalis II. der "Bruderschaft vom Hl. Johannes dem Täufer" Privilegien - und legte so den Grundstein für ein Imperium.

Nach dem Fall Jerusalems verschanzten sich die Ordensritter im 14. Jahrhundert zunächst auf Rhodos, ehe auch diese christliche Bastion 1522 an die Osmanen fiel. 1530 bot der deutsche Kaiser Karl V. den Kreuzrittern Malta als Lehen an - daher die Bezeichnung Malteserorden. Von hier aus verteidigten sie das Christentum gegen das expandierende Osmanische Reich. Ende des 18. Jahrhundert wurde die Herrschaft des Ordens abrupt beendet: Napoleon nahm die Insel 1798 ein.

Seit der Herrschaft über Rhodos und Malta fühlt sich der Orden freilich autonom wie ein Staat und wird heute von rund 80 Ländern als Subjekt des internationalen Rechts anerkannt. Zu seinem Gebiet gehören rund 6.000 Quadratmeter exterritorialen Gebietes auf dem römischen Aventin – und ähnelt auch sonst einem Staat: mit eigenem Autokennzeichen (SMOM), Briefmarken und Beobachterstatus bei der UNO, im Europarat und der EU-Kommission.

Großkanzler ist die Nummer drei des Ordens

Der Großkanzler ist die Nummer drei in der Hierarchie des Malteserordens. Er ist Minister für die auswärtigen Angelegenheiten und für die diplomatischen Vertretungen des Ordens zuständig. Gleichzeitig ist er auch Innenminister und als solcher für die Beziehungen zu den weltweit 47 Assoziationen des Ordens zuständig.  (gho/KNA)

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