Ein Priester verlässt eine Kirche, die komplett aus Eisblocks und Schnee gebaut ist.
Zehn Aktionen, zu denen der Winter Katholiken inspirierte

Glaube auf Eis

Was haben Schnee und Eis mit dem Glauben zu tun? Eine ganze Menge: Altäre, Kapellen, ja sogar Kirchen haben Katholiken aus dem kalten Baumaterial errichtet – oder wenigstens danach benannt.

Von Johanna Heckeley |  Bonn - 03.01.2017

1. Schneekirche

Eine katholische Kirche ganz aus Schnee und Eis? Das gab es tatsächlich, und sogar mit historischen Vorbild: Die bayerische Gemeinde Mitterfirmiansreut baute 2011 ein 26 Meter langes und 14 Meter breites Gotteshaus aus Schnee. Der Anlass dazu war ein historischer: 1910 protestierten die Einwohner mit der Schneekirche für den Bau eines eigenen Gotteshauses. Wer damals in einen Gottesdienst besuchen wollte, musste – meist zu Fuß – in die acht Kilometer entfernte Kirche der Gemeinde Mauth, was im Winter unmöglich sein konnte. Der Protest war übrigens erfolgreich: Mitterfirmiansreut bekam sein eigenes Gotteshaus.

2. Eiskapelle

Sie ist die am weitesten südlich gelegene Kapelle und besteht aus Eis, genauer gesagt aus ewigem Eis: Die katholische Kapelle der argentinischen Belgrano II-Forschungsbasis in der Antarktis. Sie wurde von gläubigen Mitarbeitern tunnelförmig ins Eis gehauen, und es gibt Stühle, einen Kreuzweg und sogar elektrische Beleuchtung.

3. Eiskirche

Einen künstlerischen Anspruch hat diese Kirche in den rumänischen Karpaten. Sie sieht jedes Jahr anders aus – denn sie wird jedes Jahr wieder neu gebaut. Dazu wird gesegnetes Wasser aus dem Gletschersee Balea Lac sowie dessen Eis verwendet: In Blöcke geschnitten, wird das Eis aufeinandergeschichtet und mit Wasser und Schnee verbunden. Das Besondere an der ökumenischen Kirche ist, dass dort Vertreter der orthodoxen, katholischen und evangelischen Kirche Gottesdienst feiern, oft auch gemeinsam. So sollen die Differenzen unter den Konfessionen hintangestellt werden, berichtete ein teilnehmender Priester.



4. Schneealtar

Nicht so professionell, aber dafür mit viel Herzblut wurde dieser Schneealtar gebaut: Katholische Schüler einer Highschool blieben letztes Jahr mit ihrem Bus in Turnpike im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania stecken. Es hatte so stark geschneit, dass kein Fortkommen war. Weil es keine Kirche oder Kapelle in der Nähe gab, bauten sie sich einfach einen Freiluftaltar aus dem, was gerade in Massen herumlag: Schnee. Und obwohl es weiter schneite, feierten sie gemeinsam eine Messe.



5. Schneekapelle

Aus einer viel weniger misslichen Lage heraus, aber aus dem gleichen Material bauten Studenten der Technischen Universität in Houston im amerikanischen Staat Michigan ebenfalls einen Altar – und eine ganze Kapelle drum herum, zumindest deren Mauern. Diese wurden mit Nischen für Statuen und Licht sowie ein Altarkreuz ausgestattet. Außerhalb bauten sie dazu eine Art Grotte mit Marienfigur – beides aus Schnee. Die Studenten feierten mehrere Freiluftgottesdienste in der Kapelle. Die Kapelle nannten sie übrigens – wenig überraschend – "Our Lady of the Snows"



6. Antarktiskapelle

Die Kapelle "Chapel of the Snows" ist zwar nicht aus Schnee erbaut, dafür steht sie aber in der Antarktis, genauer: in der amerikanischen Forschungsstation McMurdo. Sie ist überkonfessionell und wird auch von Gruppen anderer Religionen genutzt. Bis 2015 gab es dort katholische Gottesdienste, die Priester aus dem neuseeländischen Bistum Christchurch leiteten. Sie wurden wegen der gesunkenen Anzahl von Katholiken eingestellt. Die "Chapel of the Snow" ist die zweitsüdlichste Kapelle – nach der Eiskapelle der Belgrano II-Forschungsbasis (siehe Punkt vier).



7. Iglukirche

Gleich zwei Kirchen gibt es, die den Spitznamen "Iglukirche" tragen: Die katholische Kirche "Our Lady of Victory" in Inuvik im Nordwesten Kanadas und die anglikanische "St. Jude's Cathedral" in Iqaluit im ebenfalls kanadischen Nunavut. Sie beide sind zwar in Iglu-Form gebaut, aber bestehen nicht aus Schnee. Dennoch sind die Gotteshäuser in Breitengraden errichtet, in denen die meiste Zeit eisige Kälte herrscht. Das erklärt auch Besonderheiten ihrer Bauweise: Die Kuppelform wurde unter anderem gewählt, um die Auswirkungen von Bodenhebungen bei Frost abzumildern.

8. Maria im Schnee

Sie ist Europas höchstgelegene Kapelle und nicht leicht zu erreichen: Einen Fußweg von mindestens sechs Stunden muss auf sich nehmen, wer das Schutzhaus auf dem Becher, einem Felsgipfel inmitten der Stubaier Alpen, erreichen will. Dort wurde 1911 die Kapelle "Maria im Schnee" eingerichtet und mit einem kleinen Hochaltar mit schlichtem Marienbild und sechs mit rotem Samt überzogene Kniebänken versehen. In der Saison im Sommer werden hier in 1.800 Höhenmetern über dem Tal auch Gottesdienste gefeiert – je nachdem, ob sich ein bergtauglicher Priester findet.

Blick auf ein Schneefeld in den Bergen mit einem Felsen, auf dem ein Haus gebaut ist
Bild: © KNA

1.800 Höhenmeter über dem Tal thront "Maria im Schnee", Europas höchstgelegene Kapelle.

9. Schneeballschlacht

Der seltene Schneefall in Jerusalem hat diese Franziskaner nicht zu einem sakralen Bauwerk inspiriert, sondern zu etwas viel Profanerem. Amüsant anzusehen ist es trotzdem – oder gerade deshalb.



10. Schlittenfahrt

Ähnlich bei diesen Ordensfrauen im amerikanischen Bundesstaat New Jersey: Sie nutzten den Schnee für eine gemeinsame Schlittenfahrt und anderen Winterspaß. Die Freude, die die Dominikanerinnen dabei haben, ist richtig ansteckend.



Von Johanna Heckeley