Priesterkleidung: Black is beautiful
Warum tragen Kleriker eigentlich Schwarz?

Priesterkleidung: Black is beautiful

Die Farbe Schwarz ist allgemein negativ konnotiert und wird mit Tod und Trauer in Verbindung gebracht. Weshalb tragen sie dann ausgerechnet Priester als Verkünder der frohen Botschaft im Alltag?

Von Tobias Glenz |  Bonn - 01.06.2017

Der Schwarze Mann, das schwarze Schaf, der Schwarze Tod: Mit der dunkelsten aller Farben werden nicht unbedingt die glücklichen Ereignisse im Leben oder die guten Eigenschaften eines Menschen in Verbindung gebracht. Schwarz ist zudem die Farbe, die mit Unrecht, dem Verbotenen assoziiert wird – man denke an den Schwarzmarkt oder das Schwarzfahren. Entsprechend ihrer Verknüpfung mit dem "Düsteren" im Leben, hat sich die Farbe auch in der Kleidung niedergeschlagen: Als Zeichen der Faszination für die Themen Tod und Vergänglichkeit ist Schwarz etwa die Leitfarbe der sogenannten Gothic-Kultur, zuweilen als "Grufti"-Bewegung bezeichnet. Dementsprechend muss es schon ein wenig verwundern, dass gerade katholische Priester – die Überbringer einer lebensbejahenden, frohen Botschaft – im Alltag Schwarz tragen.

"Die Kleriker haben gemäß den von der Bischofskonferenz erlassenen Normen und den rechtmäßigen örtlichen Gewohnheiten eine geziemende kirchliche Kleidung zu tragen." Das und nur das formuliert das Kirchenrecht zur priesterlichen Kleidung (CIC, Can. 284). Von einer Farbe keine Rede. Woher kommt also das Schwarz? In den ersten Jahrhunderten trugen Priester tatsächlich keine Kleidung, die sie von den Laien unterschieden hätte. Auch damals gab es im Gottesdienst liturgische Gewänder, die sie als Kleriker kenntlich machten. Aber im Alltag trugen die Priester zunächst die allgemein übliche Kleidung. Nur: Der Klerus ging nicht mit der Mode. Während sich die Alltagskleidung der Menschen im Laufe der Jahrhunderte wandelte, verblieben die Geistlichen bei Gewändern aus dem Römischen Reich, die Namen wie Tunika oder Toga trugen.

Andere Kleider, andere Sitten

Ab dem zwölften Jahrhundert begannen die Priester bewusst damit, einheitlich ein römisches, knöchellanges Obergewand zu tragen, um sich von den Laien optisch abzugrenzen. Dazu gab es kurze Zeit später auch erste kirchliche Vorschriften, die eine entsprechende Gewandung verlangten. Diese Form des Talars war der Vorläufer der heute bekannten Soutane und unterschied sich noch ein wenig von ihr: Es handelte sich um ein umhangähnliches Kleidungsstück, das auf Hüfthöhe mit einer Schärpe zusammengebunden wurde; ein Kollar – den weißen Priesterkragen – gab es zu der Zeit auch noch nicht. Und Schwarz? Die Farbe wurde von der Kirche nicht festgelegt. Vielmehr war sie damals am günstigsten herzustellen und wurde deshalb als passend für einen einfachen Gemeindepriester angesehen. Höhere Kleriker trugen andere Farben; der Papst begann etwa ab Mitte des 16. Jahrhunderts vornehmlich die Farbe Weiß zu verwenden (mehr zu den unterschiedlichen Farben in der Textbox unten).

Papst Franziskus und der emeritierte Papst Benedikt XVI. schütteln sich die Hände
Bild: © KNA

Während gewöhnliche Priester seit Jahrhunderten schwarz gekleidet sind, tragen die Päpste weiße Soutanen.

Die schwarze Soutane in ihrer heutigen Form wird im 17. Jahrhundert zur Regel und bis in die Gegenwart von zahlreichen Priestern getragen. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein war sie fast flächendeckend das einheitliche Kleidungsstück des Klerus. Heute kommen durch Bestimmungen der einzelnen Bischofskonferenzen auch andere Formen der Bekleidung vor. Hierzulande sieht man Kleriker häufig mit schwarzem Jackett, dunklem Hemd – inklusive eines weißen Priesterkragens –, schwarzer Hose und schwarzen Schuhen bekleidet. Die Deutsche Bischofskonferenz formuliert in Anlehnung an Canon 284 des Kirchenrechts: "Als kirchliche Kleidung gelten Oratorianerkragen (Anm. d. Red.: weißer, gespaltener Hemdkragen) oder römisches Kollar, in begründeten Ausnahmefällen dunkler Anzug mit Kreuz." Und grundsätzlich: "Der Geistliche muss in der Öffentlichkeit durch seine Kleidung eindeutig als solcher erkennbar sein."

In diesem letzten Satz steckt der tiefere Sinn einer – mehr oder weniger – einheitlichen Kleidung für Priester: Sie macht ihn für alle Menschen als Priester erkennbar und ist somit auch Ausdruck seines Glaubens und Hirtendienstes, seiner Zugehörigkeit zu Gott und der Kirche. Kleidung als Credo gewissermaßen. Schwarz – allgemein negativ konnotiert – kann dabei auch positiv gewertet werden: Es ist Zeichen der Einfachheit und der Demut – Tugenden, die der Priester im Leben nachahmen soll. Doch auch das Düstere der Farbe hat Symbolwert: Die Priester sollen tot sein für die Sünde, jeden Tag ihr Kreuz auf sich nehmen und sich aufopfern für die ihnen anvertrauten Gläubigen. Insofern war, ist und bleibt die Farbe eine durchaus passende. Oder um im Bild zu bleiben: Die Kirche hat damit ins Schwarze getroffen.

Von Tobias Glenz

Soutane

Der Begriff Soutane leitet sich vom französischen "sous" ("unter") ab. Somit handelt es sich ursprünglich um ein Untergewand, das aber zum typischen Obergewand von Geistlichen verschiedener Konfessionen (auch Kopten und Anglikaner) wurde. Im Gegensatz zum Talar ist die Soutane auf Taille gearbeitet und vorne mit 33 Knöpfen zugeknöpft – entsprechend den 33 Lebensjahren Jesu Christi; zusammengehalten wird sie mit einem Zingulum (Gürtel). Die Farbe entspricht dem Rang des Klerikers: Gewöhnliche Priester tragen – wie auch zum Teil Priesteramtskandidaten und Diakone – eine schwarze Soutane; in heißeren Regionen der Erde kann sie weiß sein. Der Papst trägt immer Weiß, Kardinäle tragen Rot, Bischöfe Violett; wobei die beiden letztgenannten häufig mit schwarzer Soutane und einem Zingulum in den entsprechenden Farben bekleidet sind. Darüber hinaus tragen manche Ordensleute, auch die nicht Priester sind, ebenfalls eine Soutane. (tmg)