Der Traum vom europäischen Katholikentag
Bild: © Manfred Weber
EU-Politiker Manfred Weber im Interview zu Europa und Kirche

Der Traum vom europäischen Katholikentag

Europa - Manfred Weber ist Politiker und Katholik. Der Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten im Europäischen Parlament erklärt im Interview, wie er das Engagement der europäischen Katholiken bündeln will.

Von Franziska Broich (KNA) |  Brüssel - 07.07.2017

Seit 2014 leitet der CDU-Abgeordnete Manfred Weber (44) die größte Fraktion im EU-Parlament, die Europäische Volkspartei. Im November wurde der in Bayern aufgewachsene Katholik ins Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gewählt. Im Interview spricht er über seine Rolle im ZdK und christliche Werte in der Europapolitik.

Frage: Seit November 2016 sind sie Mitglied im ZdK. Welche Rolle haben Sie dort?

Weber: Zunächst hat es mich sehr gefreut, dass ich diesen Auftrag übertragen bekommen habe. Meine Rolle ist klar: Ich versuche, dort die europäische Perspektive einzubringen. In der ersten Sitzung haben wir darüber geredet, wie wir Demokratie weiterbringen können. Mir ist wichtig, dass die europäische Demokratie endlich lebendig wird.

Frage: Warum ist Ihnen die Arbeit im ZdK wichtig?

Weber: Ich bin Verfechter eines selbstbewussten Laientums in der katholischen Kirche. Das war für unsere Gesellschaft in der Vergangenheit immer wegweisend. Viele Debatten und Strukturen, die unserer Gesellschaft Orientierung gegeben haben, kamen aus dem Laientum. Das ZdK spielt nicht nur eine gesellschaftliche Rolle, sondern wirkt auch mächtig in die Kirche hinein. Geistliche, spirituelle und theologischen Fragen bewegen mich als gläubigen Menschen. Den Austausch darüber finde ich spannend.

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Manfred Weber MdEP, Vorsitzender der Fraktion der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, stellt sich bei seinem Besuch in der Katholischen Akademie Bayern aktuellen Problemfeldern europäischer Politik.

Frage: Welche Rolle spielt ihr Glaube bei Ihrer Arbeit als Fraktionsvorsitzender im EU-Parlament?

Weber: Für jemanden, der als Christ Politik macht, ist diese Orientierung fundamental. Christliche Werte berühren viele Bereiche, etwa Migration. Wie gehen wir mit Menschen in Not um? Das ist ein urchristliches Thema. In der Wirtschaft stellt sich die Frage, wie man eine soziale Balance hinbekommt.

Frage: Sind die Kirchen aktiv genug in der Europapolitik?

Weber: Die Kirchen als Institutionen lernen, dass Europa in den vergangenen Jahren deutlich an Gestaltungsmöglichkeiten gewonnen hat, und sie sind präsenter in den Themen. Aber mir ist das noch zu wenig. Es wäre schön, wenn die Kirchen länderübergreifend öfter gemeinsam Positionen entwickeln. Dabei geht es dann nicht nur um das Papier selbst - wichtiger ist der Weg dorthin. Ich lege in der Fraktion viel Wert darauf, dass wir auch strittige Fragen offen und transparent diskutieren. Das Wichtigste ist das gegenseitige Zuhören und Verstehen. Nur dann kann man zu einer gemeinsamen Position kommen, die man am Ende auch ehrlich vertritt. Ein entscheidender Beitrag sind auch die gemeinsamen Treffen der Bischöfe, gerade über Ländergrenzen hinaus.

Frage: Wie können sich Christen aktiver in Europa einbringen?

Weber: Ich könnte mir vorstellen, dass die christlichen Kirchen in ganz Europa viel öfter die Bürgerinitiative in Anspruch nehmen. Mit einem Fingerschnips könnten die Kirchen an einem Wochenende in Europa die benötigte Million Unterschriften sammeln und Themen auf die EU-Agenda setzen. Ein ganz praktisches Thema wäre etwa der Sonntagsschutz. Europa sollte als eine Gestaltungsebene wahrgenommen werden, die Lust darauf macht, als Christ aktiv zu sein. Und man sollte sich auch nicht entmutigen lassen, wenn man scheitert, sondern wiederkommen.

Mein Traum für die Zukunft ist ein europäischer Katholikentag.

Zitat: Manfred Weber

Frage: Haben Sie eine Vision, wie sich Christen in Europa künftig verbünden sollten?

Weber: Mein Traum für die Zukunft ist ein europäischer Katholikentag, um die Gestaltungskraft der katholischen Christen in Europa zu bündeln. Europa wird lebendig, wenn wir nicht übereinander, sondern miteinander reden. Das sollten Christen in Europa machen.

Frage: Früher sind Sie oft eine Woche im Jahr ins Kloster gegangen. Was hat Ihnen daran besonders gefallen?

Weber: Mich faszinieren der Lebensrhythmus in Klöstern und die Orte, wo sie gebaut wurden. Das sind Orte, wo viel nachgedacht und gebetet wird. Das spürt man auch. Ich bin immer ins Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch gegangen. Das war für mich bewegend und motivierend zugleich. Es war einfach eine Woche, wo man zum Nachdenken gekommen ist. Egal ob Politiker oder ein anderer Beruf - wir schaffen das heute im Alltag ja kaum mehr. Dabei sind die Räume, wo man sich zurücknehmen kann, wirklich wertvoll. Und ich vermisse das auch.

Von Franziska Broich (KNA)