Anton Losinger, Weihbischof von Augsburg.
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Stellungnahme dreier Katholiken der Bayerischen Bioethik-Kommission

Bayerische Bioethiker kritisieren "Ehe für alle"

Gesellschaft - Augsburgs Weihbischof Anton Losinger und zwei weitere Katholiken der Bayerischen Bioethik-Kommission kritisieren die "Ehe für alle". Für sie stellen sich auch aufgrund neuer Forschungen einige Fragen.

München - 21.07.2017

Mit kritischen Einwänden zur "Ehe für alle" haben sich am Freitag drei katholische Mitglieder der Bayerischen Bioethik-Kommission zu Wort gemeldet. Der Jenaer Ethik-Professor Nikolaus Knoepffler, der frühere SPD-Politiker Robert Antretter und der Augsburger Weihbischof Anton Losinger halten es für "wünschenswert", durch das Bundesverfassungsgericht klären zu lassen, ob die Bundestagsentscheidung vom 30. Juni mit Artikel 6 des Grundgesetzes vereinbar ist. Dieser stellt Ehe und Familie unter den besonderen Schutz des Staates und reklamiert die Pflege sowie Erziehung der Kinder als "natürliches Recht der Eltern".

In einer in München veröffentlichten Stellungnahme erklärten die drei, sie fänden es "bedrückend", dass das Parlament eine Position für seine Verhältnisse "blitzschnell geräumt" habe, die "für weite Teile der Bevölkerung immer noch einen hohen Wert bedeutet, nämlich dass die Ehe die Verbindung von einem Mann mit einer Frau ist". Sie äußerten zugleich ihr Bedauern darüber, "dass im Bundestag so wenig darüber debattiert wurde, was im Blick auf die verfassungsrechtlichen und religiösen Fundamente unserer Gesellschaft auf dem Spiel steht".

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Das Bündnis "Demo für alle" will, dass die bayerische Staatsregierung gegen die "Ehe für alle" vor das Bundesverfassungsgericht zieht. Sprecherin von Beverfoerde wirft auch der Kirche Versäumnisse vor.

Ursprünglich habe "Ehe" die Verbindung von einem Mann und einer Frau auf Lebenszeit bedeutet, heißt es in dem Text. Wer aus empirischen Gründen von diesem Verständnis immer mehr abrücke, gerate in Schwierigkeiten, künftig Grenzen zu definieren, argumentieren die Autoren. Faktisch könnten Homosexuelle miteinander derzeit keine eigenen Nachkommen haben. Neue Forschungen zur künstlichen Befruchtung eröffneten aber künftig weitere Möglichkeiten. Es stelle sich die Frage, ob diese Entwicklungen durch den Staat befördert werden sollten.

Fraglich sei außerdem das Festhalten an der Zweizahl als dem letzten verbliebenen Wesenselement der ursprünglichen Vorstellung von Ehe, heißt es mit Blick auf Millionen Muslime in Deutschland. Schließlich erlaube der Koran ausdrücklich, dass ein Mann bis zu vier Frauen heiraten könne.

Vor zwei Wochen sprach sich beim Jahresempfang der Erzdiözese München und Freising auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, für eine weitere Erörterung der "Ehe für alle" am Bundesverfassungsgericht aus. Unterdessen unterzeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterzeichnete am Donnerstagabend das Gesetz zur Einführung der zivilrechtlichen "Ehe für alle". Sie soll drei Monate nach der Verkündung in Kraft treten. (luk/KNA)