Herbstliche Weinberge
Würzburger Generalvikar Hillenbrand gibt Entwarnung für Messweinlieferanten

Was wird aus den Weinbauern?

Kultur - Die Messweinlieferanten im Bistum Würzburg können aufatmen. "Wir werden niemandem den Titel 'Messweinlieferant' entziehen, nur weil die Messweinverordnung durch die Deutsche Bischofskonferenz aufgehoben worden ist", sagte Generalvikar Karl Hillenbrand am Freitag. Auf diese Regelung habe sich das Bistum nach Rücksprache mit dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn geeinigt.

Bonn/Würzburg - 23.08.2014

Zuvor hatte unter den Winzern der Region Unsicherheit geherrscht, nachdem die 35 Jahre alte Messweinverordnung der deutschen Bischöfe aufgehoben worden war. Die Lieferanten hatten Kontakt mit dem Bischöflichen Ordinariat aufgenommen und um eine Klärung des Sachverhalts gebeten. "Rein weinbautechnisch kann ich diese Entscheidung nachvollziehen", sagte Hillenbrand noch am Donnerstag. Dennoch bedauere er den Schritt der Bischöfe. Schließlich kenne er viele der Messweinlieferanten des Bistums persönlich. "Und denen hat dieser Status durchaus etwas bedeutet."

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Die Messweinverordnung stand auch symbolisch für das enge Verhältnis der Winzer zur Kirche. So waren im vergangenen Jahr Vertreter der 32 diözesanen Lieferanten zur Segnung der ersten Trauben in die Kirche des Würzburger Bürgerspitals gekommen.

Viele dieser Weinbauern legten Wert auf die nach außen sichtbare kirchliche Bindung, sagt Hillenbrand. Ein Wegfall des Status 'Messweinlieferant' hätte der Generalvikar sehr bedauert. "Schließlich tragen die Winzer mit ihrer Tätigkeit wesentlich zum Kern kirchlichen Lebens bei", begründete er.

Geteilte Reaktionen

Die Reaktionen der betroffenen Winzer im Bistum Würzburg fielen nach der Bekanntgabe der Aufhebung zunächst unterschiedlich aus. Bio-Winzer Edgar Wallrapp aus Theilheim sieht die Entscheidung der Bischofskonferenz gelassen. "Bislang hat mir der Status des Messweinlieferanten keinen zusätzlichen Umsatz beschert", sagt er. Mit großem Bedauern reagierte dagegen Heike Hench aus Bürgstadt: "Wir haben gerne Messwein geliefert, wenn auch der Umsatz nicht besonders groß war." Mit der Bezeichnung "Messweinlieferant" sei man aber nicht in der Werbung aufgetreten. "Dennoch wäre es sehr schade, wenn es in Zukunft nicht mehr möglich wäre, speziellen Messwein zu liefern."

Für Winzermeister Ludwig Keller aus Eußenheim ist mit dem Siegel "Messwein" auch eine besondere Qualität verbunden. "Auf gesetzlich erlaubte Zusätze wie Gummiarabikum und andere Zusätze, um den Wein zu schönen oder schneller trinkfertig zu machen, verzichte ich bewusst", erklärt er. Das erfordere schon im Weinbau mehr Sorgfalt, und komme letztlich dem Produkt zugute. Der Kirche fühle sich Kellers Familie eng verbunden. Seine Kinder zum Beispiel seien als Ministranten engagiert.

Karl Hillenbrand im Porträt
Bild: © KNA

Karl Hillenbrand war Generalvikar im Bistum Würzburg.

Winzer stehen zu öffentlichem Bekenntnis

Die mehrheitlich enge Kirchenbindung der Lieferanten des Weins für die Heilige Messe besteht zum Teil seit Generationen. Vom früheren Trierer Regens Anton Arens weiß Generalvikar Hillenbrand von katholischen Moselwinzern, die durch Nationalsozialisten gedrängt wurden, keinen Messwein mehr zu liefern. Eine große Zahl der Weinbauern habe aber lieber Repressalien und Nachteile in Kauf genommen, als diese öffentliche Form des Bekenntnisses aufzugeben.

"Da ich mir sicher bin, dass Ähnliches für die fränkischen Messweinlieferanten gilt, wünsche ich mir, dass eine Form der sichtbaren kirchlichen Bindung erhalten werden kann", wünschte sich Hillenbrand. Jetzt hat das Bistum Würzburg eine Lösung für das Problem gefunden: Auch ohen Messweinverordnung behalten die Lieferanten ihren Titel.

In der vergangenen Woche hatten die deutschen Bischöfe bekanntgegeben, die aus dem Jahr 1976 stammende Messweinverordnung aufzuheben. Zur Begründung hieß es, das deutsche Recht sorge mittlerweile für eine gute Qualität des Weins und verbiete weitegehend die Beimischung von Fremdstoffen. Eine besondere Zulassung spezieller Messweinlieferanten sei künftig nicht mehr notwendig.

Von Björn Odendahl