Dass die deutschen Bischöfe ausgerechnet heute, einen Tag nach der Bundestagswahl, in Fulda zu ihrer jährlichen Herbstvollversammlung zusammenkommen, dürfte Zufall sein. Auf der offiziellen Tagesordnung steht das Thema nicht, zumindest am Rande dürfe der Wahlausgang aber sehr wohl Gesprächsstoff sein, vor allem der Umgang mit der AfD.
Die Themen-Agenda der Vollversammlung kommt nicht aus Berlin, sondern diesmal vor allem aus Rom: Die 67 Mitglieder der Bischofskonferenz, Bistumsleiter und Weihbischöfe, beschäftigen sich mit der Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus aus dem Jahr 2015, dem ersten päpstlichen Schreiben dieser Art, dass Ökologie, Umwelt- und Klimaschutz in den Mittelpunkt stellt. Den zweiten Schwerpunkt bildet die Weltbischofssynode zum Thema Jugend, die im Oktober 2018 im Vatikan stattfindet. Weitere Themen sind die Gefahren des internationalen Terrorismus und der aktuelle Stand der Flüchtlingsarbeit.
Linktipp: So funktioniert die deutsche Bischofskonferenz
Seit 150 Jahren treffen sich die deutschen Bischöfe zur Vollversammlung in Fulda. Aber wie ist die Bischofskonferenz entstanden? Und welche Aufgaben hat sie? Katholisch.de gibt Antworten.
Zum ArtikelÜber die "Bewahrung der Schöpfung" haben die deutschen Bischöfe in den vergangenen drei Jahrzehnten wiederholt gesprochen. Doch beim Studientag der Bischöfe soll es diesmal um Energiesparlampen, Windräder und Wärmedämmung gehen, um die praktische Seite der Ökologie also, nicht um die theologisch-programmatische Dimension. Was können die deutschen Bistümer zum Klimaschutz tun? Was haben sie bereits unternommen? Das Bistum Freiburg, das auf diesem Feld als Vorreiter gilt, wird dazu sein Öko-Konzept vorstellen. Außerdem haben die Bischöfe Hans Joachim Schellnhuber eingeladen, den Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, einen der weltweit renommiertesten Fachleute.
Innerkirchlich geht es in Fulda vor allem um die Frage, wie jugendliche Katholiken ticken, und was sie von der Kirche erwarten. Die Bischöfe sprechen über das Ergebnis der vatikanischen Umfrage unter kirchlichen Jugendverbänden und –Einrichtungen, die zur Vorbereitung der Synode durchgeführt wurde. Das Sekretariat der Bischofskonferenz hat die eingegangenen Rückmeldungen bereits ausgewertet und in einem Papier zusammengefasst. Die Bischöfe dürften nun ihrerseits noch eine Einschätzung der Situation geben und sich überlegen, welche Schwerpunkte sie aus deutscher Sicht für die Synode setzen wollen. Die Erfahrung der vergangenen beiden Weltbischofssynoden über Ehe und Familie hat gezeigt, dass die Position der deutschsprachigen Bischöfe mit ihrer theologischen Expertise weltweit Beachtung finden und den Synodenverlauf maßgeblich beeinflussen kann.
Es wird einen neuen Stellvertreter geben
Schließlich werden die Bischöfe auf eine erste Bilanz des ökumenischen Reformationsgedenkens ziehen, das am 16. September mit einem evangelisch-katholischen Fest in Bochum zu Ende ging. Hierbei dürften sie auch darüber sprechen, wie es nun im ökumenischen Alltag weitergehen soll. Ob hierbei auch konkret über eine weitere theologische Sondierung mit Blick auf einen gemeinsamen Kommunionempfang von gemischtkonfessionellen Paaren gesprochen wird, ist offen. Unterschiedliche Wortmeldungen mehrerer Bischöfe zu diesem Thema hatten in den vergangenen Monaten gezeigt, dass sich die Bischofskonferenz hier noch keine abschließende Meinung gebildet hat.
Sein persönlichen Eindrücke von dem Flüchtlings-Hotspot im sizilianischen Pozzallo wird der Flüchtlingsbeauftragte der Bischofskonferenz, Hamburgs Erzbischof Stefan Heße, den übrigen Bischöfen schildern. Heße reiste Anfang September nach Sizilien, um sich ein Bild von der doritgen Situation der Flüchtlinge zu machen.
Auch in Fulda wird schließlich gewählt. Nach dem altersbedingten Ausscheiden des Hildesheimer Bischofs Norbert Trelle ist der Posten des stellvertretenden Vorsitzenden der Bischofskonferenz neu zu besetzen. Dieses Amt ist in Deutschen Bischofskonferenz traditionell auf protokollarische Aufgaben beschränkt. Anders als etwa in der Französischen oder Polnischen Bischofskonferenz ist damit nicht die Verantwortung für einen Teilbereich verbunden. Wer Nachfolger Trelles werden könnte, lässt sich nicht vorhersagen. Favoriten sind nicht bekannt.
Themenseite: Vollversammlungen
Zweimal im Jahr trifft sich die Deutsche Bischofskonferenz zu Vollversammlungen. Die teilnehmenden Bischöfe beraten und entscheiden dort über wichtige kirchliche Themen und Ereignisse. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zu den Versammlungen.
Zur ThemenseiteEbenso müssen die Bischöfe einen neuen Vorsitzenden für die Liturgiekommission wählen. Der bisherige Amtsinhaber, der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann, ist mit Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren ebenfalls in den Ruhestand getreten. Auch hier ist die Nachfolge offen. Fest steht nur: Sein Nachfolger wird sich gleich in der nächsten Sitzung der Liturgiekommission mit einem ziemlich schwierigen Thema beschäftigen müssen: Einer deutschen Neuübersetzung des lateinischen Messbuchs. Das Projekt war 2013 gescheitert, weil man sich nicht auf einen gemeinsamen Text einigen konnte, der den strengen vatikanischen Anforderungen einer wörtlichen Übersetzung entsprach. Franziskus war jedoch jüngst von dieser Linie seiner beiden Vorgänger abgewichen und hatte den Bischofskonferenzen in einem Erlass mehr Eigenverantwortung bei Übersetzungen liturgischer Texte übertragen. Damit stehen die deutschen Bischöfe vor der Frage, ob sie das Projekt einer Neuübersetzung unter diesen veränderten Vorzeichen noch einmal angehen wollen, oder ob sie möglicherweise bei der alten Übersetzung von 1975 bleiben. Das Thema dürfte auch bereits in Fulda zumindest kurz zur Sprache kommen.
Insgesamt fünf neue Gesichter gibt es diesmal in Fulda. Der neue Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sowie vier Weihbischöfe nehmen erstmals an einer Vollversammlung teil.
Zum Abschluss der Versammlung dürfen sie gemeinsam mit den alteingesessenen Mitgliedern feiern. Mit einem Festakt gedenken die Bischöfe der Gründung ihrer Bischofskonferenz als dauerhafter Einrichtung vor 150 Jahren. Den Festvortrag hält bemerkenswerterweise kein Kirchenhistoriker, sondern mit Hermann Josef Pottmeyer einer der renommiertesten deutschen Fundamentaltheologen. Der Titel seines Festvortrags klingt denn auch weniger nach einem geschichtlichen Rückblick, als nach einer theologischen Standortbestimmung im Pontifikat von Franziskus: "Die Bischofskonferenz in der synodalen Kirche".