Jugendsynode: Bischöfe zeigen sich selbstkritisch
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Ergebnisse der Umfrage in den Diözesen veröffentlicht

Jugendsynode: Bischöfe zeigen sich selbstkritisch

Jugendsynode - Vor welchen Herausforderungen stehen junge Menschen heute? Und wie steht es um ihre Bindung zur Kirche? Die Ergebnisse der Umfrage in den 27 deutschen Diözesen liegen vor - und sie sind vielschichtig.

Bonn - 03.11.2017

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat ihre Antworten des Fragebogens zur Jugendsynode 2018 in Rom veröffentlicht. "Die Antworten machen deutlich, was viele Jugendliche von der Kirche erwarten: Wertevorstellungen und Sinnangebote, Authentizität und Lebensrelevanz", heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung der DBK. Die breitgefächerten Angebote der kirchlichen Jugendpastoral würden zwar vielen jungen Menschen eine Heimat bieten und auch nicht-gläubige Jugendliche erreichen. Gleichzeitig zeigen sich die Bischöfe aber selbstkritisch: "Wir müssen uns aber auch eingestehen, dass wir den von Papst Franziskus geforderten missionarischen Aufbruch intensiver umsetzen können", sagte Jugendbischof Stefan Oster.

Die Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe hatte im Oktober über die aus allen 27 deutschen Diözesen eingegangenen Antworten auf den Fragebogen des Vatikans zur Vorbereitung der Jugendsynode beraten. Diese wird im Oktober 2018 zum Thema "Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung" im Vatikan stattfinden. Die Bistümer waren gebeten worden, ihre Antworten bis zum 1. Mai 2017 an die Bischofskonferenz zu senden; die für die Jugendpastoral Verantwortlichen der Diözesen sowie die Jugendverbände hatten die Fragen beantwortet. Bis Anfang August wurden im Sekretariat der Bischofskonferenz die mehrere hundert Seiten umfassenden Rückmeldungen ausgewertet und für die nun vorliegenden Antworten aufbereitet.

Das Dokument arbeitet unter anderem das Zueinander von Jugend- und Berufungspastoral heraus. Demnach thematisiere kirchliche Jugendpastoral eher selten konkrete Fragen der Berufung, heißt es kritisch. Die Antworten zeigten, dass zwar viele Menschen im kirchlichen Dienst bereits in der geistlichen Begleitung von Jugendlichen tätig seien, bilanzierte Bischof Felix Genn, Vorsitzender der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste. "Wir müssen aber auch selbstkritisch fragen, wo wir noch mehr Personen einsetzen können, die für die Begleitung zur Verfügung stehen", so Genn.

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Felix Genn ist seit 2009 Bischof von Münster und in der Deutschen Bischofskonferenz für die Geistlichen Berufe und Kirchlichen Dienste zuständig.

Junge Menschen, so belegen die Rückmeldungen der Bistümer, stehen heute vor großen Möglichkeiten einerseits und schwierigen Herausforderungen andererseits. Vielfältige Optionen in Berufs- und Studienwahl stehen einem hohen Leistungsdruck gegenüber. Daher wünschen Jugendliche sich Begleitung auf der Suche nach ihrem eigenen Lebensplan. Die Jugendsynode könne nun ein Anstoß sein, "die Berufung zum Christsein jedes jungen Menschen als Grundlage jugendpastoraler Angebote zu entdecken, um von dort aus die Frage der eigenen Lebensberufung ins Gespräch zu bringen", so die deutschen Bischöfe in ihrer Mitteilung.

Zur kirchlichen Bindung der Jugendlichen heben die Bischöfe hervor, dass es auf der einen Seite ein großes Engagement bei Ministranten, katholischen Jugendverbänden und geistlichen Gemeinschaften gebe. Zugleich sei aber eine nachlassende kirchliche Bindung und auch Misstrauen gegenüber der Kirche festzustellen. Gerade auch beim Thema Ehe und Familie zeige sich eine "deutliche Distanz zu kirchlichen Aussagen", so die Bischöfe.

Neben dem Fragebogen bietet der Vatikan auch eine Online-Umfrage an, die sich direkt an junge Menschen richtet. Noch bis zum 30. November haben sie auf der Internetseite youth.synod2018.va die Möglichkeit, sich selbst am synodalen Prozess zu beteiligen. (tmg)

Die Antwort der deutschen Bischöfe im Wortlaut

Die an das Synodensekretariat in Rom versandte Gesamtantwort der Deutschen Bischofskonferenz zur Jugendsynode 2018 finden Sie unten als pdf-Datei zum Herunterladen.