Umfrage: Vertrauen in kirchliche Entwicklungshilfe
Mehrheit der Deutschen findet Hilfe grundsätzlich sinnvoll

Umfrage: Vertrauen in kirchliche Entwicklungshilfe

Die Mehrheit der Deutschen findet Entwicklungshilfe grundsätzlich sinnvoll. Gleichzeitig glaubt sie aber, dass Gelder nicht immer dort ankommen, wo sie sollten. Der Kirche vertraut man noch am meisten.

Berlin - 29.11.2017

Die Mehrheit der Deutschen findet einer Umfrage zufolge Entwicklungshilfe grundsätzlich sinnvoll. Etwa die Hälfte ist demnach eher und knapp ein Viertel sehr dafür, dass Deutschland Entwicklungshilfe leistet. 59 Prozent denken, dass die Bundesrepublik davon profitiert, wie aus einer repräsentativen Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Global Perspectives Initiative hervorgeht, die am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde.

Die Hälfte der Befragten traut dabei vor allem den Kirchen und ihren Hilfswerken eine wirksame Entwicklungshilfe zu. Damit stehen die Kirchen an erster Stelle der Vertrauensskala vor den Vereinten Nationen und privaten Initiativen mit je 46 Prozent, staatlichen Einrichtungen mit 44 und Nichtregierungsorganisationen mit 31 Prozent.

Korruption und hohe Verwaltungskosten befürchtet

Zugleich fürchten etwa drei Viertel der Befragten, dass infolge von Korruption und hohen Verwaltungskosten nur ein gewisser Teil oder sehr wenig der Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Die Mehrheit (61 Prozent) hält die aktuelle deutsche Entwicklungshilfe für weniger oder gar nicht erfolgreich bei der nachhaltigen Verbesserung der Lebensumstände in den betroffenen Ländern. Ein Drittel dieser Gruppe zeigt sich aber überzeugt, dass die Entwicklungshilfe erfolgreicher sein könnte.

Aus Sicht der Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, Renate Köcher, wächst aber mit dem Bewusstsein für die Flucht- und Migrationsbewegung seit 2015 die Aufmerksamkeit für Entwicklungshilfe. Ein Fünftel der Befragten ist demnach für eine Aufstockung der Mittel. Dieser Anteil vergrößert sich auf knapp ein Drittel der Befragten, wenn mit der Hilfe auch die Fluchtursachen verringert werden. 23 Prozent denken, dass man mit Entwicklungshilfe die Zahl der Flüchtlinge deutlich verringern kann; 42 Prozent gehen von etwas weniger Flüchtlingen aus.

Eine Frau sitzt auf der Erde und tröstet ein kleines Kind
Bild: © KNA

Seit dem Anstieg der Migration 2015 schenken die Deutschen dem Thema Entwicklungshilfe verstärkt Aufmerksamkeit.

Dabei befürwortet mit ebenfalls 61 Prozent die Mehrheit Entwicklungshilfe auch aus dem eigenen Interesse heraus, Probleme wie Fluchtursachen zu lösen, die früher oder später Deutschland einholen würden. 27 Prozent meinen, dass Entwicklungshilfe rein aus Solidarität und Mitgefühl geleistet werden sollte.

Das beinhaltet die Entwicklungshilfe laut der Befragten

Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit werden synonymhaft genutzt und von den Befragten vor allem mit Hunger, der Bekämpfung von Krankheiten, der Verbesserung von Bildung, Katastrophen und Hilfe zur Selbsthilfe assoziiert. Die Entwicklungsländer leiden aus Sicht der Befragten vor allem unter Bürgerkriegen, Korruption, mangelhafter Bildung und ärztlicher Versorgung.

Besonders notwendig erscheint der großen Mehrheit die Hilfe in Zentralafrika, etwa Uganda oder Sambia und westafrikanischen Ländern wie Nigeria und Mali. "Das Bild von Afrika ist von Problemen geprägt", sagte Köcher. Die weite Mehrheit denke bei Afrika an Hunger, Krankheiten, Flucht und Korruption. Für 68 Prozent überwiegen demnach die Probleme Afrikas. Als Chancen-Kontinent werde Afrika kaum wahrgenommen.

Für die repräsentative Erhebung wurden zwischen dem 2. und 15. November 1.422 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren befragt. (bod/KNA)