Screenshot einer Website des Vatikan.
katholisch.de hat die neue Vatikan-Nachrichtenseite getestet

"Vatikan News": So klicken Sie sich durch zum Papst

Radio Vatikan ist Geschichte. Dafür gibt es seit wenigen Tagen eine neue Nachrichten-Seite. Was kann sie und wie kommt man auf ihr zurecht? Katholisch.de hat sich für Sie durch "Vatican News" geklickt.

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 20.12.2017

Ist mit "Vatican News" nun alles neu bei der Selbstpräsentation des Vatikan im Internet? Zuerst klicke ich mich in vatican.va rein und stelle fest: Nicht ganz. An der alten Website, die ohne viel Schnickschnack die Dokumente der Päpste zur Verfügung stellt, hat sich (fast) nichts verändert. Nur oben steht nun "Vatican News" und wenn man auf "Informationsangebote" klickt, fehlen zwei Medienmarken: Aus dem traditionsreichen "Radio Vatikan" und der Seite "News.va" ist das neue "Vatican News" geworden; das Presseamt, der Osservatore Romano und sein Foto-Service werden weiterhin als Informationsquellen aufgeführt. Während ich News.va nicht vermissen werde – die lieblose Zusammenstellung von Material der Zeitung, des Radios, des Presseamtes und des Missionspressedienstes Fides gab es ohnehin nicht auf Deutsch –, würde mir das Audio-Angebot von Radio Vatikan fehlen.

Nun zum neuen vaticannews.va, das ich zunächst mit meinem Smartphone aufrufe: Als erstes sehe ich Rot – denn ich werde gleich doppelt mit dem neuen Logo begrüßt und ein Pop-Up-Fenster fragt, ob ich Deutsch als aktuelle Sprache behalten oder ändern möchte. Ein kräftiges Rot ist also die Farbe der Nachrichten aus dem Vatikan, ein weißes Wappen der Vatikanstadt und der Schriftzug VATICAN NEWS – mit der Betonung auf News – komplettiert das Logo. Heraldikern wird auffallen, dass die Tiara und die beiden gekreuzten Schlüssel im Wappen nun etwas schlichter dargestellt werden und nicht mehr in einem Pseudo-3D, das an das Klötzchenspiel Minecraft erinnerte. Mir gefällt der aufgeräumte Eindruck, den die Seite hinterlässt.

Die Inhalte erscheinen auf der Startseite als große Fotos mit einer Überschrift und ohne Stichwort; ein kleines Icon links weist darauf hin, ob es sich um einen Text oder um ein Video handelt. Rechts steht das Datum des Inhalts, was die Seite für die User transparenter macht und hilfreich ist, da nicht immer der neueste Inhalt ganz oben erscheint. Die Startseite lässt sich nicht unendlich weit nach unten scrollen, es gibt aktuelle 17 Texte oder Videos, die einmal unterbrochen werden von Links zum Presseamt des Heiligen Stuhls und zu den Radio- und Podcast-Inhalten – dazu später mehr. Unten bilden Links zum Tagesevangelium und Tagesheiligen, wobei man da außer einem Namen nichts über die Person erfährt, und eine Vorschau auf den Twitter- und den Instagram-Kanal des Papstes den Abschluss der Seite.

Auf einem PC stellt sich die Seite nur leicht anders da: Rechts gibt es eine Spalte mit den Terminen des Papstes. Dort gelangt man zum Live-Stream der jeweiligen Veranstaltung auf YouTube. Hat man den Termin live verpasst, gibt es im Nachhinein ein Video davon. Leider ist Papst Franziskus etwa beim Angelus-Gebet vom Sonntag nur im italienischen Original zu hören, es gibt (bislang?) weder eine Untertitelung des Videos noch eine deutsche Stimme, die den Papst direkt übersetzt – das gab es früher, wenn man sich den Angelus live ansah. Besonders frustrierend aus Usersicht ist, dass es den deutschen Live-Kommentar auf dem YouTube-Kanal von Vatican News durchaus gibt – nur führt der Link von "Termine des Papstes" leider nicht zu dem Kanal sondern zu einer "Original Sound"-Version des Videos.

Gut auf Social Media teilbar - aber auch für Asiaten?

Direkt von der Startseite aus können einzelne Artikel via Facebook, Twitter, Google+ und WhatsApp geteilt werden – auf dem Smartphone geht das erst im Artikel selbst. Die Funktionen teilen, drucken oder per Mail senden funktionieren von allen Endgeräten aus. Was auffällt: Bislang wirkten die Internet-Auftritte der rund 40 Sprachversionen von Radio Vatikan sehr viel mehr nach Weltkirche, da sie auch das direkte Teilen der Inhalte über den chinesischen Mikroblogging-Dienst Weibo und den in Asien verbreiteten Messenger Tencent QQ unterstützten. "Vatican News", das es zunächst in sechs westeuropäischen Sprachen und mit Konzentrierung auf Social-Media-Dienste aus den USA gibt, wirkt zum Start etwas weniger weltoffen.

Nun zur Navigation: Auf den ersten Blick gibt es auf "Vatican News" erfreulich wenige Rubriken. Im Menü oben kann man zwischen Papst, Vatikan, Kirche und Welt unterscheiden. Allerdings erscheinen etwa unter "Papst" derzeit nur neun Artikel, die eine Woche zurück reichen. Ob man künftig über das Menü auch ältere Papstaussagen finden kann, wird sich wohl erst zeigen. Etwas unklar erscheint die Unterscheidung der Menüpunkte Kirche und Welt. Erst im "Über uns" am Ende der Startseite findet sich die Erklärung, dass es um die Bereiche Lokalkirche bei Kirche und Weltkirche beim Menüpunkt Welt geht. Mit Lokalkirche sind offenbar Nachrichten über Kirche und Kultur im deutschsprachigen Raum gemeint.

Immer noch auf der Suche nach mehr Papst-Inhalten teste ich die Suchfunktion: Ob Angelus oder Generalaudienz, die Suche spuckt mir genug Ergebnisse heraus, die ich mir sinnvoll filtern kann, etwa nach Relevanz oder indem ich einen Zeitraum angebe. Auf dem Laptop oder am PC ist es über die Spalte rechts zudem möglich, sich nur Videos oder nur Artikel herauszufiltern. Diese Option fehlt zwar auf mobilen Geräten, aber die Aktivitäten des Papstes sind auch so leicht zu finden unter dem gleichnamigen Punkt in der Fußzeile der Webseite. Die Eingabe von "Amoris laetitia" führt auch zu zwei Monate alten Artikeln über die Debatte; wenn ich allerdings das gesamte kontroverse Papstschreiben aus dem Frühjahr 2016 nachlesen will, muss ich auf vatican.va danach suchen.

Die Podcasts sind noch ausbaufähig

Dann bliebe noch der Punkt Audio: Auf der alten Seite von Radio Vatikan konnte man einen großen Teil der Beiträge wahlweise lesen oder sich die fast wortgleichen Audio-Beiträge anhören. Die Inhalte auf "Vatican News" schienen in den ersten Tagen entweder nur Video oder Text mit Bild zu sein. Inzwischen tauchen aber auch innerhalb der Artikel hin und wieder Audio-Dateien auf. Allerdings scheint das Radio und Podcast-Programm etwas versteckt zu sein, wohl auch, weil es die Marke "Radio Vatikan" nur noch als italienischen Sender geben soll.

Dennoch gibt es den Reiter "Radio", in dem je nach Uhrzeit Rumänische, Chinesische, Arabische oder Portugiesische Sendungen laufen. Unter "Alles anzeigen" kommt man derzeit (20.12., 10 Uhr) nicht etwa auf eine Programmübersicht, wann die deutsche Sendung live kommt, sondern auf eine italienischsprachige Seite von Radio Vatikan. Ich fand auf "Vatican News" selbst keine Info darüber, dass die deutschsprachigen Sendungen um 16 und 20:20 Uhr auf Kanal 1 kommen, der automatisch auf der Startseite voreingestellt ist, und auf Kanal 4 um 18 Uhr.

Linktipp: Neues Medien-Angebot des Vatikan ist online

Die Plattform vaticannews.va bündelt die bisherigen Angebote des Kirchenstaats - von aktuellen Nachrichten über Podcasts bis zum täglichen Bulletin. Die Internetseite ist Teil einer großangelegten päpstlichen Reform.

Unter dem Reiter "Podcast" finden sich bislang kaum Inhalte, jedenfalls nicht einmal das Archiv der acht Sendungen, die seit dem Start der neuen Seite produziert wurden. Erst wenn man dort eine Sendung hört, kann man über einen Klick auf "RSS/Podcast" auf eine Liste zu den Nachrichten und den Magazinsendungen gelangen, was recht kompliziert ist. Dort reicht das Archiv einen Monat zurück.

Zu meiner Freude ist das Team der deutschsprachigen Journalisten unverändert geblieben, sodass die vertrauten Stimmen mir am Nachmittag vermitteln, was den Papst und die Kirche in der Welt an diesem Tag interessierte. Unübersehbar erscheint der Hinweis "Beta Version" auf jeder Seite, der auf Nachbesserungen hoffen lässt. Wenn das Audio-Angebot in den kommenden Tagen an die moderne Optik der restlichen Seite und an die Bedürfnisse von Internetnutzern angepasst wird, dann kann Weihnachten mit dem Papst kommen.

Von Agathe Lukassek