Urlauberpfarrer Johannes Johne bietet Wanderungen in der Sächsischen Schweiz an

Gott immer nah

Aktualisiert am 31.07.2013  –  Lesedauer: 
Bild: © Privat
Seelsorge

Bonn ‐ Es ist nicht leicht, Pfarrer Johannes Johne in den Sommermonaten ans Telefon zu bekommen. "Sie können mich in den Bergen über Handy erreichen", sagt der 57-Jährige, "aber da habe ich meist tschechisches Netz, das wird teuer." In den Bergen, damit meint Johne das Zittauer Gebirge und die Sächsische Schweiz, den südöstlichsten Zipfel von Sachsen.

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Als Urlauberpfarrer ist er zuständig für diese Region, in der er geboren wurde und die er wie seine Westentasche kennt. Seit 1999 ist er verantwortlich für die Urlauberseelsorge, als erster und einziger Pfarrer im Bistum Dresden-Meißen.

Ungefähr halb-halb teilt er sich die Arbeit ein als Gemeindepfarrer vor Ort in Bad Schandau und unterwegs in der Natur. Den Urlaubern bietet er neben Berggottesdiensten auch "gereimte Ortsführungen" und Wanderungen in der Natur an. Mal kommen fünf, mal nur einer, manchmal auch gar keiner. "Aber ich muss auf alle Fälle da sein", sagt Johne. "Präsenz zeigen ist wichtig." Katholische Präsenz in einer Region, wo es vorkommt, dass nicht einmal die Einheimischen wissen, dass es überhaupt eine katholische Kirche vor Ort gibt. "Deshalb gehe ich raus zu den Menschen", erzählt Johne.

"Gott lauert hinter der Ecke"

Bei den Wanderungen werde über Politik gesprochen, aber manchmal eben auch über den lieben Gott. "Na, wenn wir so durch das Zittauer Gebirge wandern, da ist die Schönheit der Natur gegenwärtig und da ist Gott eben auch nicht weit", sagt Johne und lacht. "Wenn die Touristen Worte wie 'wunderbar' oder 'herrlich' ausrufen, da lauert doch Gott schon hinter der Ecke". Durch die Schönheit der Schöpfung entstünden in den Menschen Gefühle wie Freude und Dankbarkeit – und das Ganze koste nichts.

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Berggottesdienst auf dem Gamrig-Felsen in der Sächsischen Schweiz.

Ein religiöses Gespräch möchte der Urlauberpfarrer niemandem aufzwingen. Aber oftmals kommen seine Weggefährten mit dem Thema und stellen Fragen wie "Was heißt denn eigentlich Gott Zebaoth?". Er sei dann für sie so etwas wie "ein wandelndes Kirchenlexikon". Die Touristen seien religiösen Themen gegenüber sehr aufgeschlossen. "Freilich, was dann daraus wird, weiß ich nicht", gesteht Johne ein. Er könne nur aussäen, "und das kräftig". Aber er hat schon von einer Familie gehört, die sich hat taufen lassen, nachdem sie mit ihm gewandert ist. "Na, das hat sich doch schon gelohnt", sagt er dazu.

Johannes Johne hat in der Diasporaregion – gerade einmal rund 140.400 Katholiken leben im Bistum Dresden-Meißen – drei Gipfelkreuze aufgestellt, um die von ihm viel betonte kirchliche Präsenz zu zeigen. Im Zittauer Gebirge findet man seit 2000 das Versöhnungskreuz auf dem Hochwald, seit 2003 das Europakreuz auf dem Töpfer und seit 2006 das Gipfelkreuz auf dem Oybin. Die Berggottesdienste an diesen Orten sind ein "Publikumsmagnet", wie Johne sagt, der vor der Messe erst einmal mit einer großen Kuhglocke läutet.

Auch Bischof Koch macht sich für Touristenseelsorge stark

In den Bergen hatte der emeritierte Bischof Joachim Reinelt immer wieder die Messe gefeiert und auch bei seinem Nachfolger Heiner Koch kann sich Johne Hoffnungen machen: In seinem ersten großen Interview sagte Koch im März: "Auf dem Land gibt es aber auch einen stark aufbrechenden Tourismus, und so stellt sich für mich die Frage, ob wir dort nicht die Touristenseelsorge ausbauen müssten. Wenn Menschen in Urlaub sind, kann das eine große Chance für die Verkündigung sein." Solche Worte freuen den Urlauberpfarrer.

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Auch im Urlaub in Norddeutschland wandert Johne auf dem "Missionsweg".

Auch in seinem eigenen Urlaub lässt Johne die Faszination des Wanderns nicht los. "Seit 27 Jahren bin ich damit beschäftigt, in Etappen ein Kreuz auf Europas Landkarte zu laufen - so lange meine Füße mich tragen", berichtet er. In Rumänien war er schon, in Rom und Santiago de Compostela auch. Derzeit ist er unterwegs gen Norden – im August, wenn die Urlauber eher Schwimmen als Wandern gehen, läuft er einen großen Teil Dänemarks ab. Trondheim in Norwegen ist das letzte Ziel seiner "Kreuzwanderung".

Doch was fasziniert ihn derart am Wandern und Pilgern, dass er selbst seinen Urlaub damit verbringt? "Wandern ist eine gute Lebensschule. Schließlich ist das ganze Leben ist ein Weg", sagt Johne schlicht. Ob er Gott beim Pilgern vielleicht näher kommt? "Nee", antwortet er prompt und lacht. "Gott ist mir immer nah."

Von Nadine Ortmanns und Agathe Lukassek

Mehr zur Urlauberseelsorge

Das Programm von Pfarrer Johannes Johne kann man auf seiner Homepage nachlesen. Mehr zum Thema Tourismusseelsorge in ganz Deutschland erfahren Sie in der katholisch.de-Rubrik "Seelsorge von A bis Z".