Roger Moore spielt im Jahr 1981 die Agentenfigur "James Bond".
Ein satirischer Wochenrückblick von Thomas Jansen

Wer James Bond hat, braucht keinen Papst!

War's das? - Was ist das bloß für eine Welt, in der Messdiener vom BND ausspioniert werden und ein Panzer-Bundespräsident Hans Küng zum Philosophen macht? Ein satirischer Wochenrückblick von Thomas Jansen.

Von Thomas Jansen |  Bonn - 24.03.2018

Bevor sie diese Zeilen lesen, möchten wir eine eidesstaatliche Versicherung abgeben: Sie haben den kompletten Text vor sich, wir unterschlagen keinen einzigen Absatz. Dafür müssen sie allerdings auch damit leben, dass der Autor seinen Job nicht an den Nagel hängt! Wir sind ja hier schließlich nicht im Vatikan. Aber damit wollen wir es auch heute in Sachen Benedikt XVI. und Franziskus gut sein lassen. Denn es ist Fastenzeit, und wir haben uns vorgenommen, heute mal zur Abwechslung ganz auf die Päpste zu verzichten, Satire papstfrei. Glutenfrei schreiben kann ja schließlich jeder.

München ist ohnehin viel interessanter als Rom, sonst hätte sich der Bundesnachrichtendienst wohl kaum im Nordturm der Frauenkirche eingenistet, wie wir jetzt lesen konnten. Über das "Ausspähen unter Freunden" mag man geteilter Meinung sein. Aber das Abhören von Messdienern in der Sakristei, das wollten wir dem lieben BND dann doch mal mit den Worten unserer Bundeskanzlerin in aller Deutlichkeit sagen "das geht gar nicht".

Und auch bei der Vermutung eines Spionage-Fachmanns, der BND bespitzle mit der Anlage seine eigenen Leute, wurde uns ganz mulmig zumute. Denn wir wissen ja nur zu gut, wo James Bond in den meisten Fällen mit hübschen russischen Agentinnen landet: jedenfalls nicht in der Kirche. Und die Aufzeichnung der akustischen Signale solcher Kontaktaufnahmen ließen sich kaum mit dem "Zweck eines Gotteshauses" vereinbaren, wie es das Erzbistum München für den Verbleib der Anlage zur Bedingung gemacht hatte. Schade nur, dass der BND so ein Spielverderber ist. Wir wollten eigentlich gar nicht wissen, dass es sich nur um einen Funkverstärker gehandelt hat, der bereits seit 2011 außer Betrieb ist, wie die Geheimdienstler schließlich mitteilten. Glauben können wir es allerdings auch nicht.

Jedenfalls würde es sich für den BND auch mal lohnen, seine Lauscher Richtung Eichstätt zu richten, dann könnte er zumindest "Dem Geheimnis des erfahrbaren Atems näher kommen". Vermutlich wäre das der einzige Weg um hinter diese Geheimnis zu kommen. Denn bei dem gleichnamigen Seminar des Diözesanbildungswerks einen BND-Mann einzuschleusen, dürfte schwieriger sein, als einen Spitzel in Putins Arbeitszimmer zu platzieren. Schließlich richtet sich die Veranstaltung an Personen "die schon an einer Grundeinführung des 'Erfahrbaren Atems' nach der ganzheitlichen Atemlehre nach Prof. Ilse Middendorf teilgenommen haben", wie das Bistum Eichstätt mitteilte.

Wer lieber Professor Hans Küng liest, als mit Professor Ilse Middendorf atmet, dem dürfte die Würdigung des Tübinger Theologen zu dessen 90. Geburtstag durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einigermaßen verwundert haben. Da lobt das deutsche Staatsoberhaupt das Gesamtwerk eines großen katholischen Theologen mit den Worten, Küngs Name stehe symbolisch dafür, "wie Philosophie und Politik zueinander führen". Damit gab sich Steinmeier endgültig als Panzer-Bundespräsident zu erkennen. Denn der Vatikan hatte sich einst damit begnügt, Küng die kirchliche Lehrerlaubnis zu entziehen, Steinmeier aber sprach ihm nun das Theologe-Sein ab. Und dass Tragische daran: Die Unfehlbarkeit des deutschen Bundespräsidenten hat selbst Küng nie infrage gestellt.

Von Thomas Jansen