CDU-Generalsekretärin: Religion tut unserem Land gut
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Kramp-Karrenbauer plädiert für selbstbewussten Umgang mit Religion

CDU-Generalsekretärin: Religion tut unserem Land gut

Gesellschaft - Religiöse Symbole sollen nicht zu inhaltsleeren Abwehrzeichen degradiert werden, sagt Annegret Kramp-Karrenbauer. Gleichzeitig hat sie Forderungen an die muslimischen Gemeinschaften im Land.

Hamburg - 11.05.2018

Annegret Kramp-Karrenbauer (55), CDU-Generalsekretärin, plädiert für einen selbstbewussten und souveränen Umgang mit Religion, religiösen Wurzeln und religiösen Bekenntnissen. "Aber wir müssen darauf achten, dass wir die Symbole nicht zu inhaltsleeren Abwehrzeichen degradieren", so die ehemalige Ministerpräsidentin des Saarlandes in einem Gastbeitrag in der "Welt" (Freitag). Das stärke am Ende die, die ein laizistisches System anstrebten.

"Religion tut unserem Land gut"

Religionsfreiheit heißt laut der Politikerin, dass Religion nicht nur einen Platz in der Gesellschaft hat, sondern auch im öffentlichen Raum "- ob das das Gipfelkreuz in den Alpen, das Glockengeläut in der Osternacht, die Synagoge oder die Moschee ist." Die Debatte um den Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden sprach Kramp-Karrenbauer nicht direkt an. Jedoch fügte sie hinzu: "Religionsfreiheit heißt eben nicht, dass jemand das Recht hätte, von Religion im öffentlichen Raum unbehelligt zu bleiben."

Der Gottesbezug im Grundgesetz ist ihrer Sicht nach eine Absage an jegliche Form von Totalitarismus. "Religion tut unserem Land, tut dem gesellschaftlichen Zusammenhalt gut", schreibt Kramp-Karrenbauer, die auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist. Religion biete dem Einzelnen Orientierung und sei eine Stütze. Sie dürfe aber niemals die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen infrage stellen.

Papst Franziskus begruesst Annegret Kramp-Karrenbauer

Papst Franziskus empfängt Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die damalige Ministerpräsidentin des Saarlands, in einer Privataudienz im Vatikan.

Die CDU-Generalsekretärin plädierte in ihrem Beitrag dazu, die Würde des einzelnen Menschen zu achten und keine Etikettierung vorzunehmen. "Das heißt auch, dass wir uns der unbequemen Frage stellen müssen, ob ein verfassungstreuer Muslim nicht viel mehr zu unserem Land gehört als ein atheistischer, Steine werfender Krimineller auf einem G20-Gipfel oder ein getaufter Hetzer in den sozialen Medien", so Kramp-Karrenbauer.

Sie appellierte an die Gesellschaft, nicht von "dem" Islam zu sprechen. Vergleichbar mit den Konfessionen im Christentum, sollte es selbstverständlich für alle sein, dass es ganz unterschiedliche muslimische Ausprägungen, Realitäten und Gemeinschaften gibt. Zugleich sei dies aber auch die Begründung, warum nicht mit einer Stimme in allen Anerkennungsdebatten gesprochen werde.

Muslime müssen sich selbst Strukturen geben

Die Politikerin forderte die muslimischen Religionsgemeinschaften auf sich selbst entsprechende Strukturen zu geben, um ihr Bekenntnis und ihre Struktur zu definieren. Dies könne der Staat nicht abnehmen. Er könne nur unterstützen, diesen Weg im Einklang mit der Verfassung zu gehen. "Muslimisches Leben auf dem Boden unseres Grundgesetzes und unserer Werte wird schon heute millionenfach gelebt", schreibt Kramp-Karrenbauer.

Muslime seien zudem aufgefordert, Tendenzen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland innerhalb der eigenen Religionsgemeinschaft im Blick zu behalten. "Genauso wichtig finde ich, dass sich muslimische Gemeinschaften kritischer und wahrnehmbarer mit der Frage auseinandersetzen, wie es sein kann, dass die eigene Religion immer wieder als Rechtfertigung von Gewalt und Extremismus missbraucht wird", erklärte sie. (KNA)