Urteil: Amerika darf weiter auf Gott vertrauen
Satanist hatte gegen Wahlspruch "In God we trust" geklagt

Urteil: Amerika darf weiter auf Gott vertrauen

"In God we trust": Auf jeder Münze und jedem Geldschein der USA taucht dieses Motto auf. Ein Mann klagte dagegen. Doch das Gericht wies die Klage nun aus ganz bestimmten Gründen zurück.

Chicago - 06.06.2018

Laut einem Gerichtsbeschluss verstößt das Drucken des Wahlspruchs "In God we trust" auf die US-Währung nicht gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Wie die Onlinezeitung "The Huffington Post" am Montag berichtete, hatte ein Mann gegen die Verwendung des Spruchs geklagt, weil dieser das Recht auf Religionsfreiheit verletze. Das 7. US-Bezirksberufungsgericht in Chicago entschied nun, dass das Motto (deutsch: "Auf Gott vertrauen wir") keine Befürwortung einer bestimmten Religion sei, sondern eine Formulierung, die "lediglich einen Teil des Erbes unserer Nation anerkennt (wenn auch einen religiösen Teil)".

Die Platzierung des Wahlspruchs auf der Währung erfülle einen säkularen Zweck, nämlich "an die religiöse Komponente der Geschichte unseres Landes zu erinnern", schrieb die Vorsitzende Richterin Diane Wood in ihrem Urteil. Zudem beeinflusse die Verwendung "nicht die gegenwärtigen religiösen Praktiken" in den USA.

Abgrenzung vom atheistischen Kommunismus

Der Kläger Kenneth Mayle aus Chicago, der sich selbst als "nicht-theistischen Satanisten" bezeichnet, hatte argumentiert, das Motto zwinge ihn, eine religiöse Botschaft zu bekräftigen und zu verbreiten, die seinen religiösen Überzeugungen widerspreche. Mayle gab zudem an, dass der Spruch Anhänger von Religionen diskriminiere, die nicht monotheistisch seien. Ein Gericht hatte Mayles Klage im Oktober in erster Instanz zurückgewiesen; die Entscheidung wurde jetzt vom Berufungsgericht bestätigt.

Der Ausdruck "In God we trust" geht zurück auf eine Zeile der amerikanischen Nationalhymne und zierte bereits ab 1864 die Zwei-Cent-Münzen der USA. Ein politisches Interesse an dem Spruch kam verstärkt während des Kalten Krieges auf, als amerikanische Gesetzgeber Wege suchten, das religiöse Erbe der USA vom Atheismus der kommunistischen Länder abzugrenzen. Im Jahr 1956 bestimmte der US-Kongress "In God we trust" zum nationalen Motto der Vereinigten Staaten. Seit 1957 findet sich das Motto auf allen Münzen sowie dem Papiergeld der USA.

Der Wahlspruch wird in den Vereinigten Staaten immer wieder kontrovers diskutiert. Dabei berufen sich Kritiker auf den 1. Zusatzartikel zur US-Verfassung, der die Religionsfreiheit schützt. In ihren Augen stellt der Gottesbezug von "In God we trust" eine Verletzung des Rechtes auf sogenannte "negative Glaubensfreiheit" dar. Die Verwendung des Wahlspruchs war mehrfach Gegenstand von Gerichtsverfahren, bei denen die Klagen stets abgewiesen wurden. In einem Fall von 1977 entschied der Oberste Gerichtshof, dass die US-Währung kein religiöses Motto bewerben würde, weil Geld "im Allgemeinen in einer Geldbörse oder Tasche getragen wird und nicht der Öffentlichkeit gezeigt werden muss". (tmg)