Theologe: Kirche muss Herkunft von Fleisch beachten
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Tierethik sei mit der Umweltenzyklika "Laudato si" des Papstes hochaktuell

Theologe: Kirche muss Herkunft von Fleisch beachten

Das Fleisch in kirchlichen Einrichtungen solle ausschließlich aus tierethisch qualifizierten Bauernhöfen der jeweiligen Region stammen, fordert der Moraltheologe Martin Lintner. Dabei beruft er sich auf Papst und Bibel.

Wien - 03.07.2018

Die Kirche sollte nach den Worten des katholischen Moraltheologen Martin Lintner eine führende Rolle beim Tierschutz einnehmen. So wäre es ein "starkes, aber überfälliges Signal", wenn kirchliche Bildungshäuser, Klöster, Pfarrhöfe oder Pfarrgemeinden konsequent beginnen würden, auf die Herkunft von Fleisch, Eiern oder Milch zu achten, schreibt Lintner in der österreichischen Wochenzeitung "Die Furche". "Sie sollen ausschließlich von ökologisch und tierethisch qualifizierten Bauernhöfen und nach Möglichkeit aus der eigenen Region stammen, um Lebendtransporte von Tieren beziehungsweise weite Transportwege der Waren zu vermeiden", so der Moraltheologe. Dies sollte ebenso selbstverständlich werden wie etwa die Mülltrennung.

Fleischkonsum reduzieren

Tierethik sei hochaktuell und mit Papst Franziskus, der in der Umweltenzyklika "Laudato si" vom "Eigenwert" jedes Lebewesens spreche, auch Anliegen der Kirche geworden. Die christlich-abendländische Tradition hat aus Lintners Sicht eine verhängnisvolle und vordergründig philosophisch bedingte Tiervergessenheit geprägt. Sie habe zwischen den nicht vernunftbegabten Tieren und dem Menschen einen tiefen Graben aufgeworfen, der so in der Bibel nicht zu finden sei. Die Bibel beschreibe Tiere viel mehr als Bundespartner Gottes; auch Paulus spreche von einer Hoffnung auf Erlösung, die die gesamte außermenschliche Schöpfung mit einschließe.

Für unumgänglich hält Lintner eine "merkliche Reduzierung" des Fleischkonsums und ein Umdenken in der Gesellschaft. Er schlägt vor, vegetarische Gerichte als die "normalen" und jene mit Fleisch als "Sonderwunsch" zu kennzeichnen, um einen Bewusstseinswandel zu fördern. Bio-Produkte wertet er nicht als zu teuer, sondern Produkte aus der konventionellen Landwirtschaft seien zu billig. Bauern, die nach hohen ökologischen und tierethischen Kriterien wirtschaften, hätten ein Anrecht darauf, dass ihr Einsatz für das Tierwohl angemessen entlohnt werde. Tiere dürften nicht bloß auf ihren Nutz- oder ästhetischen Wert oder auf ihre ökologische Funktion reduziert werden. (KNA)

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