Woelki kritisiert "eiskalte Machtspielchen" in Asyldebatte
Bild: © KNA
Kölner Kardinal prangert Selbstverliebtheit von Politikern an

Woelki kritisiert "eiskalte Machtspielchen" in Asyldebatte

Politik - Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritisiert die Selbstverliebtheit der Politiker im Umgang mit Flüchtlingen. Aber auch an die "schweigende Merhrheit" der Deutschen hat er eine Botschaft.

Köln - 08.07.2018

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritisiert die Asyldebatte deutscher Politiker scharf und fordert, nicht länger wegzuschauen. Er sei traurig, dass wochenlang darüber gestritten worden sei, "wie Menschen möglichst effizient an unseren Grenzen abgeschoben oder zurückgewiesen werden können", sagte Woelki am Sonntag dem Kölner domradio.de. Dies täten "auch Politiker, die ihre Partei sozial und christlich nennen". Während allein in diesem Jahr schon mehr als 1.400 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken seien, spielten die Politiker "eiskalt und selbstverliebt ihre Machtspielchen".

Abschottung und Grenzanlagen statt Rettung

Dabei haben gerade die Deutschen nach Woelkis Worten aus historischen Gründen eine ganz besondere Verantwortung für Flüchtlinge. "Doch heute als reiches Land zahlen wir lieber viele Milliarden für Abschottung und Grenzschutzanlagen, statt Ertrinkende zu retten und Schutzsuchenden eine neue Heimat zu geben", sagte er. Er finde "erbärmlich", dass sich 28 europäische Staaten nur noch darauf einigen können, ihre Grenzmauern und Zäune höher zu ziehen, so Woelki zum Ende Juni beschlossenen EU-Asyl-Abkommen.

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

In Deutschland und Europa gingen derzeit nicht nur die christlichen Werte, sondern auch die grundlegen Menschenrechte immer mehr verloren. Dabei wolle die größte Mehrheit der Bevölkerung nicht, dass das Mittelmeer "zum größten Friedhof Europas" wird, sagte der Kardinal. Diese große Mehrheit habe kein "kaltes Herz der Angst" und wolle helfen. "Aber diese große breite Mehrheit darf jetzt nicht länger wegsehen und schweigen", fordert Woelki.

Einigung nach wochenlangem Streit

Anfang der Woche hatten sich die Unionparteien CDU und CSU nach einem wochenlangen Streit auf ein gemeinsames Vorgehen in der Asylpolitik geeinigt. Zuvor hatte Innenminister Horst Seehofer mit seinem Rücktritt gedroht. Nach weiteren Gesprächen mit dem Koalitionspartner SPD sollen nun nach dem Willen der Bundesregierung Flüchtlinge, die über die bayerische Grenze nach Deutschland kommen wollen und bereits in einem anderen EU-Staat einen Asylantrag gestellt haben, in einem sogenannten Transitverfahren innerhalb von 48 Stunden überprüft werden. (gho/KNA)

Linktipp: Das ist kein Tourismus. Das ist Flucht.

Verbale Entgleisungen bis in die Mitte der Gesellschaft: Pater Claus Pfuff, der neue Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes, beklagt in einem Beitrag für katholisch.de eine sprachliche Verrohung.