Behörden lösen Camp in italienischer Hauptstadt auf

Kirche kritisiert Räumung von Roma-Lager

Aktualisiert am 27.07.2018  –  Lesedauer: 
Italien

Rom ‐ Italienische Behörden gehen mit robusten Maßnahmen gegen illegale Roma-Lager vor. Das stößt auf teils scharfe Kritik. Nach der Räumung eines Camps in Rom meldete sich auch die Kirche zu Wort.

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Roms Weihbischof Paolo Lojudice hat der Stadtregierung Planlosigkeit im Umgang mit der Minderheit der Roma vorgeworfen. "Gewaltaktionen" wie die Räumung von Camps führten zu nichts, sagte der für Sozialfragen zuständige Geistliche dem bischöflichen italienischen Pressedienst SIR (Mittwoch). Bereits Anfang Juli hatte die Stadt Rom von ihr selbst bereitgestellte Wohncontainer für rund 450 Menschen teilweise zerstören lassen. Am Donnerstag sorgte schließlich die Räumung eines Roma-Lagers in der italienischen Hauptstadt für Empörung.

Bürgermeisterin Virginia Raggi begründete die Maßnahme mit Gesundheitsrisiken für die Bewohner der illegalen Barackensiedlung am Rande der Stadt. Es gebe Hygiene-Probleme, schrieb sie am Donnerstag auf Facebook. Den Bewohnern der "Camping River" genannten Siedlung seien alternative Unterkünfte und die freiwillige Rückkehr in ihre Heimatländer angeboten worden. Zuvor hatte der europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg am Dienstag die Räumung untersagt und die italienischen Behörden aufgefordert, zuerst die Frage der Unterbringung zu klären.  

Weihbischof macht Vorschlag zur Unterbringung

Lojudice sagte, falls die Stadtverwaltung unter Bürgermeisterin Virginia Raggi mit irhen Maßnahmen die Einschüchterung und Vertreibung der Roma zum Ziel habe, sei dies eine "verfehlte Lösung und Analyse". Mit ihrem Angebot von Geld für – nicht verfügbare – Mietwohnungen lasse die Stadt notwendige "Zwischenschritte" aus. Lojudice schlug stattdessen vor, jeweils zwei bis drei Familien eine Parzelle für die Errichtung einer dauerhaften Behausung bereitzustellen. Für ein solches Modell gebe es erfolgreiche Beispiele, allerdings lasse sich das "nicht improvisieren".

Auch die Menschen aus der geräumten Siedlung äußerten scharfe Kritik an der Behandlung durch die Stadt. "Sie haben uns genommen und auf die Straße geworfen, wie Hunde", klagte ein Bewohner im Fernsehsender Rai. Auch die Associazione 21 Luglio, die sich für die Rechte der Roma einsetzt, kritisierte das Vorgehen. Nach ihren Angaben ist nur einer "kleinen Minderheit" der Roma-Familien eine neue Bleibe angeboten worden. Etwa 100 Bewohner seien außerhalb des Camps gestrandet. Der Organisation zufolge leben zwischen 120.000 und 180.000 Roma in Italien. Schätzungsweise 26.000 von ihnen leben in Siedlungen wie "Camping River". Sie gelten als vom Verbrechen kontrollierte No-Go-Areas. (kim/KNA/dpa)