Kardinal Marx: "Ich werde nicht schweigen!"
Bild: © Markus Nowak
DBK-Vorsitzender über Wucherpfennig und Jugendsynode

Kardinal Marx: "Ich werde nicht schweigen!"

Auch die kritischen Themen müssten in der Kirche endlich offen angesprochen werden, findet Kardinal Reinhard Marx. Er selbst tue das, so der DBK-Vorsitzende, und ging in dem Zusammenhang auf die Causa Wucherpfennig, das Thema Jugend und Frauen in Führungspositionen ein.

Vatikanstadt - 19.10.2018

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wirbt für eine offene Gesprächsatmosphäre in der katholischen Kirche. "Daran können wir noch arbeiten", sagte Marx am Donnerstag dem Portal Vatican News. Zugleich betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, er selbst spreche mit den Verantwortlichen im Vatikan auch über kritische Themen. "Ich schweige nicht - das ist ja bekannt."

Der Erzbischof von München und Freising verwies vor diesem Hintergrund auf die Debatte um den Frankfurter Hochschulrektor Ansgar Wucherpfennig. Dieser war bereits im Februar für eine dritte Amtszeit als Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen wiedergewählt worden. Der Vatikan erteilte ihm bislang jedoch noch nicht die erforderliche Unbedenklichkeitserklärung ("Nihil obstat"). Wucherpfennig hatte sich in Interviews kritisch zum Umgang der Kirche mit Homosexuellen geäußert.

"Letztlich eine Männerkirche"

Mit Blick auf die laufende Jugendsynode im Vatikan sagte Marx: "Jetzt geht es doch in eine entscheidende Phase." Er wünsche sich von dem Bischofstreffen, das am 28. Oktober endet, konkrete Ergebnisse und nicht nur einen Appell, "dass die Kirche offen sein soll für die Jugend". Im Zentrum, so der Kardinal, müsse die Frage stehen: "Wie können wir so leben, dass die Jugendlichen uns als authentische Gesprächspartner annehmen können?"

Als ein Thema nannte Marx die Rolle von Frauen in der Kirche. Der Ruf nach einer stärkeren Beteiligung sei nicht nur im Westen, sondern weltweit zu hören. Speziell beim Thema Frauen in Leitungspositionen "müssen wir dringend etwas tun", so der Vorsitzende der Bischofskonferenz. "Auch hier im Vatikan."

Auf die Frauenthematik hatte Marx bereits in seinem Redebeitrag bei der Jugendsynode in der vergangenen Woche hingeweisen und eine deutlich stärkere Beteiligung von Frauen an Leitungsaufgaben in der Kirche gefordert. "Der Eindruck, dass die Kirche, wenn es um die Macht geht, letztlich eine Männerkirche ist, muss in der Weltkirche und auch hier im Vatikan überwunden werden", sagte der Kardinal. "Sonst werden die jungen Frauen bei uns keine wirkliche Gestaltungsmöglichkeit finden. Es ist höchste Zeit!" (tmg/KNA)