Das Vortragekreuz beim Eröffnungsgottesdienst des 101. Deutschen Katholikentags in Münster.
Bischof Fürst will Einladung Ende November aussprechen

Katholikentag 2022 soll in Stuttgart stattfinden

Seit Anfang September ist klar, dass der Katholikentag 2024 wohl nach Erfurt kommen wird. Wo jedoch das nächste Christentreffen im Jahr 2022 stattfindet, war bislang unbekannt. Jetzt scheint der Ort gefunden.

Von Michael Jacquemain (KNA) |  Bonn - 29.10.2018

Der nächste Katholikentag kommt voraussichtlich nach Stuttgart. Wie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) am Montag bestätigte, soll das Christentreffen 2022 vom 25. bis 29. Mai in der baden-württembergischen Landeshauptstadt stattfinden. Die entsprechende Einladung will der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst auf der ZdK-Vollversammlung am 23. und 24. November aussprechen. Es wäre nach 1925 und 1964 die dritte Veranstaltung dieser Art in der Schwabenmetropole.

In gewisser Weise ist die Ortswahl dem gastgebenden Bischof geschuldet. 16 Jahre war Fürst Geistlicher Assistent beim ZdK. In der Zeit holte er als Bindeglied zwischen der Bischofskonferenz und dem Repräsentationsorgan des Laienkatholizismus manche Kohlen für das ZdK aus dem Feuer und ließ den Gesprächsfaden auch in schwierigen Phasen nicht abreißen. Es wäre eine Art Dankeschön.

Letzte Möglichkeit für Bischof Fürst

Da Bischöfe vor ihrem 75. Geburtstag dem Papst den Rücktritt anbieten müssen, im Falle Fürst heißt das Spätherbst 2023, ist 2022 die letzte Möglichkeit, die Veranstaltung gemeinsam mit ihm zu machen. Andere sind 2022 indes nicht mehr in Amt und Würden: etwa ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper, auch der langjährige Chef der Arbeitsgruppe Katholikentage und Großveranstaltungen des ZdK, Thomas Großmann, und Theodor Bolzenius, seit Jahrzehnten Pressesprecher der Großveranstaltung, sind dann wohl nicht mehr an Bord.

Mit im Boot scheinen dagegen die politischen Mitspieler: Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (beide Grüne) unterstützen das Vorhaben. Das ist für das ZdK wichtig, denn ohne die bei solchen Veranstaltungen üblichen Zuschüsse von Stadt und Land könnte die Vertretung katholischer Laien das Treffen nicht stemmen. Zwar hat die Stadt nichts entschieden, aber der politische Wille dürfte nicht zuletzt aus Gleichbehandlungsgründen vorhanden sein. Vor drei Jahren wurde der Evangelische Kirchentag bezuschusst, der 2015 zum vierten Mal in Stuttgart stattfand.

Ein Blick über die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart.

Ersparen will man sich auf ZdK-Seite Diskussionen wie zuletzt beim Münsteraner Katholikentag, wo monatelange Proteste der Grünen-Ratsfraktion gegen die Unterstützung des Treffens für Ärger gesorgt hatten. Das ist angesichts der Konstellation Kuhn/Kretschmann unwahrscheinlich. Möglich sind dagegen Widerstände seitens der Stuttgarter AfD, zumal Fürst und der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes alles andere als glühende Freunde der Rechtspopulisten sind - aber damit könnten alle anderen leben.

Ungewöhnlich an der Veranstaltung ist, dass sie bereits ein Jahr nach dem für 2021 in Frankfurt geplanten dritten Ökumenischen Kirchentag stattfindet. Eine ähnliche Konstellation hatte es bereits 2004 gegeben. Damals war mit Ulm ebenfalls die württembergische Diözese Gastgeber, und ein Jahr zuvor, 2003, war der erste Ökumenische Kirchentag in Berlin.

Zahl der Christen in Stuttgart sinkt rapide

Inhaltlich ist indes Stuttgart ein interessantes Pflaster: Vorurteile über die protestantischste Stadt Deutschlands und den Stuttgarter Speckgürtel, der wegen des evangelikalen Umfelds spöttisch Pietkong genannt wird, stimmen so nicht mehr. Eine vor fünf Jahren veröffentlichte Studie für das Stuttgarter Stadtdekanat ergab, dass die Zahl der Christen rapide sinkt.

Bei den noch nicht Schulpflichtigen sind leicht vereinfacht von sieben Kindern gerade mal eines evangelisch und eines katholisch - fünf sind ungetauft. Durch Zuzüge aus katholisch geprägten Ländern hält sich die Zahl der Protestanten und Katholiken in Stuttgart inzwischen die Waage. Rund jeder zweite Einwohner gehört heute aber keiner der beiden großen Kirchen an.

Von Michael Jacquemain (KNA)