Religionsbeauftragter: Auch Muslime dürfen friedlich missionieren
Thema Religionsfreiheit wird immer wichtiger

Religionsbeauftragter: Auch Muslime dürfen friedlich missionieren

Der Wechsel der Religion gehöre zu den Menschenrechten, sagt der Religionsbeauftragte der Bundesregierung. Dazu zählt laut Markus Grübel auch, über die eigene Religion "werbend zu informieren" - zum Beispiel mit dem Koran.

Berlin - 19.12.2018

Der Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), macht sich für ein Recht auf friedliches Missionieren stark. Zu den Menschenrechten gehöre das Recht auf einen Wechsel der Religion, sagte er der "Welt" (Mittwoch). "Dazu gehört für mich auch, dass man über seine Religion werbend informieren darf." Das gelte auch, wenn Muslime auf der Straße friedlich den Koran verteilten: "Voraussetzung ist natürlich, dass die Gruppe, für die sie werben, auch friedlich ist".

Noch kein Asylantrag von Asia Bibi in Deutschland

Das Thema Religionsfreiheit sei in den vergangenen Jahren "immer wichtiger geworden", weil Glaubensfeindlichkeit zunehme, so Grübel weiter. In absoluten Zahlen seien Christen als die weltweit größte Religionsgemeinschaft die am stärksten bedrohte Gruppe; bezogen auf die Zahl der Anhänger seien Juden, Ahmadiyya und Zeugen Jehovas besonders stark von Einschränkungen und Verfolgung betroffen. Es gelte jedoch auch, darüber zu informieren, "dass die Religionsgemeinschaften mehr eint als trennt", so Grübel.

Zum Fall der in Pakistan verfolgte Christin Asia Bibi sagte Grübel, diese habe bislang noch kein Asyl in Deutschland beantragt. Es stehe Bibi aber frei, dies zu tun, sobald eine Ausreiseerlaubnis aus Pakistan vorliege.  

Asia Bibi war 2010 in Pakistan wegen Gotteslästerung zum Tod verurteilt und im Oktober überraschend vom Obersten Gerichtshof freigesprochen worden. Noch habe das dortige Gericht nicht entschieden, ob das Urteil revidiert wird, so Grübel. Bis dahin könne Asia Bibi das Land nicht verlassen. Die Bundesregierung stehe aber "in regelmäßigem Kontakt mit der pakistanischen Regierung".

"Jede Eskalation vermeiden"

Gleichzeitig gelte es, "jede Eskalation zu vermeiden. Es brauche behutsames Vorgehen, "um Fanatikern keinen Grund zu liefern, erneut zu Demonstrationen aufzurufen und Druck auf die Regierung auszuüben". Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs hatten pakistanische Islamisten mit gewaltsamen Protesten eine Vollstreckung der Todesstrafe verlangt. Die Regierung hatte zugesagt, Asia Bibi keine Ausreise zu genehmigen. (gho/KNA)