Schachfigur
Standpunkt

Auf die globale Verunsicherung reagieren wie der Papst

Für das erste Halbjahr 2019 hat Papst Franziskus mehrere politische und religionspolitische Reisen geplant. Gerade in Zeiten der Unruhe brauche es Verkünder und Diplomaten der Geschwisterlichkeit, kommentiert Christoph Strack.

Von Christoph Strack |  Bonn - 27.12.2018

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Die Welt in Unruhe. Im Gegensatz zu 2017 hat Bundespräsident Steinmeier in seiner Ansprache zum Weihnachtsfest auch auf andere Länder geschaut. Steinmeier nennt die "brennenden Barrikaden in Paris", "tiefe politische Gräben in den USA, Sorgen in Großbritannien vor dem Brexit, Zerreißproben für Europa in Ungarn, Italien und anderswo". "Was passiert, wenn Gesellschaften auseinanderdriften… - das sehen wir in der Welt um uns herum." Um so dringlicher klang sein Appell, stärker den Dialog zu wahren.

Am gleichen Tag erinnerte auch Papst Franziskus an das Leid in so vielen Regionen der Welt. Er nannte das Heilige Land und rief Israelis und Palästinenser zum Dialog auf. Er gedachte der leidenden Menschen in Syrien, im Jemen, an Millionen Vertriebene in Afrika, und sprach ausdrücklich die Lage auf der koreanischen Halbinsel, in Venezuela, Nicaragua, der Ukraine an.  Ein Aufruf zur Geschwisterlichkeit, zwischen allen Nationen und Kulturen, allen Religionen und allen Ideen. Die Welt in Unruhe… Und der Papst als Mahner.

Es sind bei Franziskus nicht nur gute Worte. Für das erste Halbjahr 2019 sind (neben der Teilnahme am Weltjugendtag in Panama im Januar) bereits mehrere Papstreisen terminiert. Anfang Februar nimmt Franziskus an einem interreligiösen Gebetstreffen in Abu Dhabi teil – erstmals überhaupt kommt ein Kirchenoberhaupt auf die arabische Halbinsel. Das ist epochal. Ende März ist er in Marokko, im Mai in Bulgarien und Mazedonien. Später im Jahr soll Japan folgen. Und der ein oder andere spekuliert über Nordkorea. Es sind jeweils auch politische und religionspolitische Reisen. Franziskus schaut gerade auf den Dialog mit Juden und Muslimen, auch mit Orthodoxen. Und übrigens ist derzeit die Nummer zwei des Vatikan, Kardinalstaatssekretär Parolin, im Irak unterwegs, besucht dort Gemeinden, führt aber auch politische Gespräche mit Regierungsvertretern.

Bei allem kirchlichen und medialen Augenmerk für den Missbrauch-Skandal und dessen so dringend notwendige Aufarbeitung… Es ist gut und wichtig, dass Franziskus und die Kirche in Zeiten der globalen Verunsicherung als Verkünder und Diplomaten der Geschwisterlichkeit und der Menschenrechte auftreten. Der Papst spricht da als Stimme des Ausgleichs, der Vernunft. In einer Welt der Unruhe.

Von Christoph Strack

Der Autor

Christoph Strack ist Leiter des Bereichs Religionen der Deutschen Welle.

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