Herz und Rosen
Beim Online-Dating kommt es auf die Einstellung an

So funktioniert die katholische Partnersuche im Internet

Wer über Dating-Apps und -Portale auf Partnersuche geht, gilt schnell als oberflächlich. Aber stimmt das auch? Immerhin nutzen die Angebote unzählige Menschen – auch Christen. Es gibt sogar dezidiert katholische Partnervermittlungen.

Von Christoph Paul Hartmann |  Bonn - 14.02.2019

Ein Foto, ein Name, ein Alter. Auf dieser Grundlage wird bei Tinder, der größten kommerziellen Dating-App der Welt, entschieden. Nach links wischen heißt nein, nach rechts wischen ja. Oft eine Entscheidung von Sekunden. Und ein Verfahren mit einem schlechten Ruf: Die Zeitschrift "Vanity Fair" sah im Jahr 2015 durch Tinder schon den Tod der Romantik gekommen und sprach von einer "Dating-Apokalypse", weil es jungen Menschen nur noch um oberflächliche Verbindungen gehe anstatt um echte Liebe.

So pauschal will es Raoul Rossmy nicht sehen. Der Pastoralassistent und Theologe aus München hat sich in einem Impuls für den Sankt Michaelsbund mit dem Thema Online-Dating beschäftigt. "Oft wird Partnersuche im Internet einfach nur dazu verwendet, sich den nächsten One-Night-Stand zu ertindern", findet er, "auf der anderen Seite ist jeder Fünfte in Deutschland mit seiner Partnerin oder seinem Partner nur deswegen zusammen, weil sie sich im Internet kennengelernt haben."

Für ihn hängt die Qualität von Begegnungen nicht von der Plattform ab, über die der Kontakt zustande kommt, sondern von der Einstellung des Einzelnen. Da müsse sich jeder selbst fragen, ob es wirklich um die Liebe zu einer anderen Person gehe oder nur um die eigene Lust. "Wenn es mir nicht um Liebe geht, sondern nur um die innere Triebbefriedigung, dann mache ich den anderen zum Objekt meiner Begierde", sagt Rossmy, "dann ist es auch egal, wo ich diese andere Person kennenlerne", ob durch Freunde, Hobbys, Freizeit, die Kirche oder das Internet.

Die katholische Autorin Mary Beth Bonacci stört beim Online-Dating aber die Schnelligkeit, mit der aus Menschen Objekte werden. "Der Schnellfeuer-Charakter von Tinders 'Scan und Wischen' macht es leicht, viele, viele Menschen innerhalb eines kurzen Zeitraums für Waren zu halten. Das ist für mich das Erschreckendste", sagte sie dem US-Pressedienst "Catholic News Agency". Wobei an gleicher Stelle eine junge Katholikin zu bedenken gibt, dass das Ansprechen in Bars auch nicht unbedingt tiefgründiger sei als das Wischen in einer App.

Wer möchte, kann es auch mit dezidiert katholischen Partnervermittlungen versuchen. Die wollen es besser machen als die herkömmlichen Angebote: So gibt es etwa auf "katholische-partnersuche.com" auch Bewertungen von potentiellen Partnerschaftskandidaten, aber anders. "Diese Kategorisierung ist keine Bewertung des Menschen", stellt das Portal fest, "sondern dient ausschließlich dazu, dass unsere automatische katholische Partnervermittlung feststellen kann, bei wem eine gegenseitige positive Kategorisierung stattgefunden hat."

Nicht nur kurzfristiges Vergnügen

Bei einer der bekanntesten katholischen Singlebörsen, "KathTreff.org", wird schon im Ansatz klar, dass es nicht um das kurzfristige Vergnügen geht: Zielgruppe sind laut Eigendarstellung "Menschen, die sich nach einem Partner fürs Leben sehnen", eine Familie gründen und darin katholische Werte leben möchten. Das lässt sich demnach leichter verwirklichen, wenn beide Partner katholisch sind: "Durch die spezifisch katholische Lehre über den Menschen, die Familie und die Welt ist ein starker gemeinsamer Nenner gegeben, der in vielen übrigen Fragen um so mehr Toleranz und Verständnis für den anderen ermöglicht." Über gemischt-konfessionelle Paare freue man sich aber auch, heißt es. Das Angebot gibt es seit einigen Jahren neben Deutschland auch unter anderem in Ungarn, der Slowakei, Tschechien, Portugal und Kolumbien.

Als gesamtchristliches Portal beschreibt sich "himmlisch-plaudern.de", das sich aber weniger als Partnervermittlung denn als christliche Gemeinschaft versteht. Laut eigenen Angaben verliebt sich dort von den über 50.000 Nutzern im Schnitt 2,2 Mal am Tag jemand. Die meisten Nutzer gehören einer Freikirche an, gefolgt von Katholiken und evangelische Christen. Gründer Tobias Zschöckner baute die Plattform im Jahr 2008 aus eigenem Interesse auf, denn er suchte selbst eine Frau. Mit Erfolg: Zschöckner ist seit sechs Jahren verheiratet, das Paar hat zwei Kinder.

Von Christoph Paul Hartmann