Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Pater Philipp König über das Sonntagsevangelium

Liebe ist...? Arbeit!

Große Liebesschwüre, sentimentale Schnulzen: Manchmal wird es Pater Philipp König zu viel. Der Blick auf Jesus im heutigen Evangelium zeigt: Von der Liebe zu sprechen, geht auch ohne Sentimentalitäten.

Von P. Philipp König OP |  Bonn - 05.05.2018

Impuls von Pater Philipp König

Von der Liebe ist überall die Rede: kaum ein Film, kaum ein Gespräch, das dieses Thema nicht wenigstens im Ansatz streift. Über die Liebe werden Gedichte und Lieder geschrieben, Ratgeber und Apps helfen dabei, den Partner fürs Leben zu finden, Gespräche kreisen um das Thema. Die Liste ließe sich beliebig erweitern. Liebe ist in aller Munde, sie war es wohl immer schon. Da verwundert es nicht, dass auch Jesus von der Liebe spricht, im heutigen Sonntagsevangelium gebraucht er das Wort sogar neunmal.

Ich muss gestehen: Manchmal wird es mir etwas zu viel, wenn bei uns von der Liebe die Rede ist. Zu dick aufgetragen erscheinen mir die Liebesschwüre, die in den Lovesongs im Radio erklingen, zu sentimental kommen mir manche Liebeserklärungen vor, die in Kinofilmen gemacht werden. In mir kommt dann die Frage hoch: Hält das alles auch dann noch stand, wenn der Alltag eingekehrt ist? Was ist, wenn die großen Gefühle einmal verflogen sind, und sich im Alltagstrott die ersten Beziehungskrisen anbahnen?

Wenn Jesus von der Liebe spricht, dann kommt er ohne Sentimentalitäten aus: "Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben." Er bricht hier nicht in Gefühlsbekundungen aus, ganz im Gegenteil: Jesus gibt Anweisungen, erlässt Gebote: "Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe." Und er fordert zum Bleiben auf, zur Beständigkeit. Das mag für viele von uns verstörend sein, bringen wir doch mit Liebe gemeinhin eher die großen Gefühlsbekundungen in Verbindung. Doch für Jesus ist Liebe offenbar etwas sehr Konkretes und Praktisches. Es geht um das Halten seiner Gebote, so wie er die Gebote des Vaters gehalten hat.

Liebe ist also nicht zuerst ein Gefühl, so schön Verliebtheit auch sein mag, sondern sie ist auf die Dauer eine Praxis, etwas, für das man ein Leben lang arbeiten und investieren muss. Der bekannte Komiker Hape Kerkeling bringt es in Gestalt einer seiner Kunstfiguren so humorvoll wie treffend auf den Punkt: "Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit".

Jesus hat es mit der Liebe sehr konkret genommen. Sie wurde für ihn so konkret, dass sie ihn schließlich ans Kreuz geführt hat, wo er ganz ernst gemacht hat mit der Liebe. Sein Tod am Kreuz ist die Liebestat schlechthin, fernab aller Überhöhung und Sentimentalität. Dadurch haben wir auch teil an seiner Auferstehung, die uns den Zugang eröffnet zu einer Freude, die vollkommen ist!

Von P. Philipp König OP

Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 15, 9-17)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!

Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.

Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.

Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.

Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

Der Autor

Pater Philipp König ist Dominikaner und arbeitet als Kaplan und Jugendseelsorger in Leipzig.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bieten wir jeden Sonntag den jeweiligen Evangelientext und einen kurzen Impuls an. Die Impulse stammen von Ordensleuten und Priestern.