Vier junge Mädchen sitzen an einem Holztisch Ordensfrauen gegenüber
Bild: © kabel eins
Neues Format auf Kabel eins startet

TV-Format über Partygirls im Kloster: "Es lagen Welten zwischen uns"

Das Prinzip von "Rosenkranz statt Randale": Vier junge Problem-Teenies werden für einige Tage ins Kloster gesteckt. Für beide Seiten eine übergroße Herausforderung, berichtet Schwester Michaela Bertsch von den Gengenbacher Franziskanerinnen, den Gastgeberinnen. Noch einmal würde sich der Orden auf ein solches Experiment nicht einlassen.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 28.03.2019

Sie hatten Spaß miteinander, aber es hat auch ordentlich gekracht zwischen den Gegenbacher Franziskanerinnen und den Teenies Emma, Vivien, Alessia und Emmy, die für einige Tage bei den Ordensfrauen mitlebten. Nur zwei der Jugendlichen haben es bis zum Ende im Kloster ausgehalten. Doch auch für den Orden war der Dreh eine riesige Herausforderung, erzählt Generaloberin Schwester Michaela Bertsch im Interview.

Frage: Schwester Michaela, warum haben Sie bei diesem Projekt mitgemacht?

Bertsch: Wir sind von der Produktionsfirma Imago TV in Berlin angerufen worden. Die machen problemorientierte Formate, also mit Jugendlichen, über Schulen, über Frauen im Gefängnis. Das hat sich dann recht spannend angehört. Es ging ja darum, dass vier junge Teenies zu uns kommen, die voll auf Äußerlichkeiten abfahren und bei uns mit einer ganz anderen Lebensweise konfrontiert sind. Wir haben da durchaus auch einen pädagogischen Ansatz gesehen. Ich selbst bin Sozialpädagogin und habe früher auch mit jungen Frauen in der Erziehungshilfe gearbeitet.

Frage: Hat die gemeinsame Woche mit den Teenis Ihre Erwartungen erfüllt?

Bertsch: Wir waren erschrocken über die Schwierigkeit der jungen Frauen. Damit haben wir so nicht gerechnet. Wir haben schon gedacht, dass wir mit sehr kritischen Fragen konfrontiert sind über den Glauben und die Kirche. Aber das war doch sehr extrem. Die Mädchen wussten gar nicht, wo sie hinwollen in ihrem Leben. Ein Mädchen war ganz auf Luxus getrimmt, die andere auf Party, die nächste hatte einen extremen Kleidungsstil, die vierte wollte unbedingt Model werden und durch diese Sendung ins Fernsehen kommen. Zwei Mädchen sind dann nach ein paar Tagen auch wieder gegangen, weil es ihnen zu schwierig war. Die anderen beiden sind aber geblieben. Die Schwestern, die ihnen als Patinnen zugeordnet waren, haben sich sehr um sie bemüht. Da bestehen auch heute noch Kontakte. Eine erzählt immer, wie es in der Familie läuft, was sie beruflich macht. Dass sie versucht, den Schulabschluss hinzubekommen. Um Weihnachten herum wollten die beiden uns sogar nochmal besuchen. Aber das hat dann von ihrer Seite aus doch irgendwie nicht geklappt.

Frage: Wie sind die Tage im Kloster bei Ihnen abgelaufen?

Bertsch: Die Mädchen sollten einfach sehen, wie wir unser Leben angehen, dass wir in einer bestimmten Tagesstruktur leben, mit einer bestimmten Werthaltung an die Dinge gehen. So gut sie konnten, haben die vier unseren Tagesablauf auch mitgemacht. Allerdings sind sie schnell an ihre Grenzen gekommen. Wir fangen um 6:30 Uhr an, da haben sie oft noch geschlafen. Zum Stundengebet hatten sie natürlich gar keinen Bezug. Für sie war es schon eine große Aufgabe, überhaupt einem Tages-Rhythmus zu folgen oder sich an Regeln zu halten. So sollten sie zum Beispiel mal die Smartphones abgeben. Das haben sie gerade 24 Stunden ausgehalten und dann ging es nicht mehr. Für junge Mädchen, die so einen freien Lebensstil haben, ist das hier einfach alles zu eng. Da ist ja dann nix los (lacht).

Eine Gruppe von Ordensfrauen
Bild: © kabel eins

Schwester Michaela Bertsch (dritte von links) und weitere Schwestern der Gengenbacher Franziskanerinnen.

Frage: Haben Sie mit den jungen Mädchen auch über Gott gesprochen?

Bertsch: Nein. Das Thema war von den Mädchen ganz weit weg.

Frage: Würden Sie als Kloster wieder bei so einer Fernsehproduktion mitmachen?

Bertsch: Nein, das würden wir nicht. Aber wir wollten es auch nicht abbrechen. Dann hätten wir uns auch nicht wohlgefühlt. Es waren einfach Welten zwischen uns und den Mädchen. Wir haben der Produktionsfirma immer gesagt, das passt nicht zusammen. Das ist eine zu große Herausforderung für beide Seiten. Da sind Konflikte vorprogrammiert und vielleicht sogar einkalkuliert. Und dafür wollten wir eigentlich keine Plattform bieten. Wir haben dann viel Energie in das Projekt gesteckt und uns auf ein großes Abenteuer eingelassen. Bei so einem Projekt, da ist man ja gläsern. Die Angst saß uns schon im Nacken: Was wird daraus gemacht, wie wird so ein Kloster dann in der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Frage: Hat der Orden denn auch etwas aus dem Projekt gezogen?

Bertsch: Für uns als Gemeinschaft war das eine gute Auseinandersetzung – mit dem Filmteam, den jungen Frauen. Wir haben uns intensiv mit unserem eigenen Dasein als Kloster in dieser Welt, aber auch mit den Nöten der Jugendlichen beschäftigt. Wir haben gesehen, wie weit sie manchmal vom Sinn des Lebens entfernt sind, wie schwer es ihnen fiel, Orientierung zu finden. Emmy zum Beispiel - ein hübsches Mädchen, sehr hübsch. Aber wo soll ihr Leben hingehen, wenn sich alles nur um das Äußere dreht? Die Jahre, wo man so hübsch und so schön ist, die sind ja irgendwann mal vorbei. Also, es hat mich schon beeindruckt, dieses Projekt. Aber es hat eben zwei Seiten. Es war ein Wechselbad der Gefühle in diesen Tagen.

Eine Ordensschwester und zwei Mädchen in einer großen Backstube.
Bild: © kabel eins

Vivien, Schwester Margaretha und Emma in der Backstube des Klosters Gegenbach im Rahmen des Formats "Ab ins Kloster" auf Kabel eins.

Frage: Hat es dann auch mal gekracht zwischen Ihnen und den Mädels?

Bertsch: Ja, es hat auch gekracht. Es hat von Seiten der Mädchen einfach Verhaltensweisen gegeben, da dachten wir, so kann es jetzt auch nicht gehen. Aber wir haben andererseits auch zusammen Spaß gehabt und sind uns schon näher gekommen. Es gibt sehr schöne Szenen, in denen die Mädels mit den alten Schwestern spielen, es gibt eine schöne Szene, die zeigt eine der vier bei einem Gebet für ihre Oma. Aber es gibt natürlich aus Szenen mit Konflikten und solche, bei denen wir Schwestern uns darüber unterhalten, worauf wir uns da eingelassen haben. Und letztlich haben wir gestaunt, welche große Traurigkeit die Mädchen manchmal in sich hatten.

Frage: Hatten Sie denn das Gefühl, dass Sie bei den jungen Frauen etwas angestoßen haben?

Bertsch: Man kann ja von einer Woche nicht viel erwarten. Dass da so eine Lebensumkehr oder so stattfindet. Ich denke, die Absicht des Senders ist sicher gewesen, dass Extreme aufeinanderstoßen. Es war ein Experiment: Wie gehen wir damit um, wie gehen die jungen Frauen damit um?

Frage: Schauen Sie sich die Ausstrahlung an?

Bertsch: Wir haben es schon vorab gesehen. Und ich habe den Eindruck, dass wir nicht schlecht dabei wegkommen. Man muss eben wissen, dass es für einen Privatsender gedreht ist und daher einen bestimmten Stil hat. Es muss schon ein bisschen reißerisch sein. Ich bin schon gespannt auf die Einschaltquote und welche Reaktionen es gibt. Aber ich bin auch schon im Vorhinein angerufen und auf das Format angesprochen worden.

Von Gabriele Höfling

"Ab ins Kloster! - Rosenkranz statt Randale"

Die erste Folge der "Real-Life-Doku" sendet Kabel 1 heute Abend um 20:15 Uhr. An drei weiteren Abenden folgen dann Geschichten von weiteren Drehorten, unter anderem aus der Benediktiner-Abtei Ottobeuren.