Ex-Chefin von Vatikan-Zeitschrift: Papst hat verengtes Frauenbild
Chauvinismusvorwürfe nach Rücktritt aller Redakteurinnen

Ex-Chefin von Vatikan-Zeitschrift: Papst hat verengtes Frauenbild

Nach dem Rüchtritt der gesamten Redaktion von "Donne Chiesa Mondo" plaudert die Ex-Schriftleiterin der Zeitschrift aus dem Nähkästchen: In der Medienabteilung des Vatikan habe man sie ausgelacht – und selbst der Papst zeige ein verengtes Frauenbild.

Vatikanstadt - 28.03.2019

Die im Eklat zurückgetretene Schriftleiterin der vatikanischen Frauenzeitschrift "Donne Chiesa Mondo" hat der katholischen Kirche tiefsitzenden Chauvinismus vorgeworfen. Ungeachtet der Ankündigung von Papst Franziskus, gegen Gewalt gegen Ordensfrauen vorzugehen, würden "Frauen und an erster Stelle Ordensfrauen als Mitglieder zweiter Klasse angesehen", sagte die römische Historikerin Lucetta Scaraffia der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" (Mittwoch).

Scaraffia: Ordensfrauen müssen gehorchen und schweigen

Ordensfrauen würden "nie gehört oder zu Rat gezogen", sondern hätten zu gehorchen und zu schweigen. Scaraffia sprach von einer "Bedingung, die viel mehr mit Sklaverei als mit Dienst zu tun hat". Auch hohe Amtsträger im Vatikan seien "überzeugt, dass Frauen nichts zählen".

Ihren Verzicht auf die Schriftleitung nach drei Jahren begründete sie gegenüber der Zeitung "Corriere della Sera" (Mittwoch) mit ständigem Gegenwind seit dem Führungswechsel in der vatikanischen Medienabteilung im Dezember. So habe der neue Chef der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" Einfluss auf die Redaktion des Frauenmagazins gesucht und schließlich eine "schleichende Delegitimierung" versucht, indem er im "Osservatore" ebenfalls von Frauen verfasste Beiträge zu den gleichen Themen, aber mit gegenläufiger Ausrichtung publiziere.

Der neue Medienchef des Vatikan, Paolo Ruffini, wolle die Vatikan-Kommunikation "kompakt und eindeutig" ausrichten, so Scaraffia. Ihre Forderung, an den Sitzungen der Medienabteilung teilzunehmen, habe er mit Gelächter quittiert.

Auch dem Papst warf die Historikerin ein verengtes Frauenbild vor. Wenn der Papst die Frau als Urbild der Kirche bezeichne, reduziere er sie auf eine Metapher. "Frauen sollten nicht als Metapher von irgendwas angehört werden, sondern als Menschen, die Respekt verdienen und etwas zu sagen haben", sagte Scaraffia der Zeitung "La Stampa" (Mittwoch). Die Kirche sei durchweg chauvinistisch, "als ob Frauen nicht existierten".

Zum Skandal um missbrauchte Ordensfrauen sagte Scaraffia, ihre Zeitschrift habe nicht als erste und auch nicht am umfassendsten über diese Vorfälle berichtet. "Aber es war grundlegend, dass jemand vom Inneren des Vatikan her den Mut hatte, das Schweigen zu brechen", so Scaraffia in "La Stampa".

Scaraffia: Vatikan geht Skandal nicht an

Zum gleichen Thema sagte sie dem "Corriere", Missbrauch von Ordensfrauen gebe es nicht nur in Lateinamerika, Afrika und Asien, sondern auch in Europa. Der Vatikan gehe den Skandal nicht an, weil er für die Kirche "noch komplizierter" sei als der Kindesmissbrauch: "Bischöfe und Priester haben Frauen, die sie missbraucht haben, zur Abtreibung gezwungen", sagte Scaraffia. (KNA)

Linktipp: Gesamte Redaktion von vatikanischer Frauenzeitschrift tritt zurück

Alle elf Mitarbeiterinnen der vatikanischen Frauenzeitschrift "Donne Chiesa Mondo" quittieren ihren Dienst. Grund seien geforderter Gehorsam und die Auswahl neuer Mitarbeiterinnen "von oben", heißt es.