Papst im Gebet versunken
Die letzte öffentliche Papstmesse von Benedikt XVI. im Petersdom

Ernste Liturgie - langer Applaus

Es war die letzte öffentliche Papstmesse von Benedikt XVI. im Petersdom. Zum letzten Mal zog er am Ende einer langen Prozession von Kardinälen und Bischöfen am Mittwochabend durch das Mittelschiff der Vatikan-Basilika zum Papstaltar über dem Petrusgrab.

Vatikanstadt - 14.02.2013

Der tiefe Ernst und die gesammelte Stimmung der Messe waren in erster Linie dem Aschermittwoch geschuldet, mit dem die katholische Kirche die 40-tägige Fastenzeit eröffnet - aber nicht nur. Kein festliches "Tu es Petrus", mit dem sonst fast alle Papstliturgien begannen. Stattdessen die Allerheiligen-Litanei zur Bußprozession und anschließend die Aschenweihe, bei der Kardinal Angelo Comastri dem Papst Asche aufs Haupt streute. Und erst am Ende der zweistündigen Liturgie gab es langen Applaus.

"Für mich ist das ein geeigneter Anlass, allen zu danken, vor allem den Gläubigen der Diözese Rom, während ich mich anschicke, meinen Petrusdienst zu beenden", sagte der Papst, der für den 28. Februar seinen Rückzug von Papstamt angekündigt hat. Er erbat "in diesem besonderen Moment die Fürsprache des Apostels Petrus für die Kirche" und bat die Gläubigen um ihr Gedenken im Gebet.

Schläge gegen die Einheit

In seiner Predigt unterstrich Benedikt XVI. die Bedeutung der Fastenzeit als eine Zeit der Umkehr zu Gott, eine Zeit für Gebet, Fasten und Almosengeben. Umkehr und Reue beträfen jeden Einzelnen, aber auch die Gemeinschaft. Denn auch das Antlitz der Kirche sei mitunter verunstaltet.

Der Papst wählte ähnliche Worte in seiner berühmten Karfreitags-Meditation von 2005, kurz vor seiner Papstwahl. Es gebe "Schläge gegen die Einheit der Kirche, auch Spaltungen im Leib der Kirche". Auch heute seien viele Menschen bereit, angesichts von Skandalen und Ungerechtigkeiten zu protestieren - die andere begangen hätten. Aber wenige schienen bereit, selbst zu bereuen und umzukehren. Stattdessen müsse man sich täglich neu bemühen, Egoismus und Selbstverschlossenheit zu überwinden und Raum für Gott zu öffnen.

In einem bewegenden Grußwort dankte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone dem Papst zum Abschluss der Messe: Nicht nur die Kirche, sondern die ganze Welt habe mit großer Bewegung und tiefem Respekt die Entscheidung des Papstes zum Amtsverzicht zur Kenntnis genommen.

Schleier der Traurigkeit

"Das hat einen Schleier der Traurigkeit auf unsere Herzen gelegt", so der engste Mitarbeiter von Benedikt XVI. Denn sein Lehramt sei ein "offenes Fenster zur Kirche und zur Welt" gewesen, das die "Strahlen der Wahrheit und Liebe Gottes" auf den Weg der Kirche geleitet habe, vor allem in schwierigen Momenten.

Bertone würdigte den festen und fordernden Glauben des Papstes, seine Demut und Güte und seinen großen Mut, die sein Leben und seinen Lehramt geprägt hätten. Aus tiefem Herzen wolle die Kirche ihm mit Bewunderung, Bewegung und Zuneigung für das "leuchtende Beispiel des einfachen und bescheidenen Arbeiters im Weinberg des Herrn" danken, betonte er. Damit zitierte Bertone die erste Ansprache von Benedikt XVI. nach seiner Papstwahl am 19. April 2005.

Erst an dieser Stelle gab es in der Vatikanbasilika Applaus - langen Applaus. Und in das tief ernste und gesammelte Gesicht des Papstes flog wieder ein leichtes Lächeln. Und auch als er nach dem "Ite missa est" zum letzten Mal unter dem anhaltenden Applaus der Gläubigen den Petersdom verließ, lächelte er - sichtlich gelöst. Zum Auszug erklang dann das festliche "Tu es Petrus" - Du bist Petrus.

Von Johannes Schidelko (KNA)

Linktipp: Papst Benedikt XVI.

Ganz Deutschland war sozusagen Papst: Von 2005 bis 2013 leitete Joseph Ratzinger als Benedikt XVI. die katholische Kirche. Seit seinem historischen Rücktritt lebt der emeritierte Papst weitgehend zurückgezogen im Vatikan. Seine seltenen Auftritte bündelt katholisch.de auf dieser Themenseite.