Kardinal Marx: Darum brauchen wir den synodalen Weg
"Kirche ist unterwegs und noch nicht am Ziel"

Kardinal Marx: Darum brauchen wir den synodalen Weg

Angesichts der derzeitigen Kirchenkrise haben die deutschen Bischöfe im März einen "synodalen Weg" beschlossen. Kardinal Reinhard Marx betont nun, wie sehr die Kirche diesen gemeinsamen Diskussionsprozess von Klerikern und Laien braucht – auch wenn das "Mühen und Herausforderungen" bedeute.

München - 18.04.2019

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat die Notwendigkeit eines gemeinsamen synodalen Weges aller Gläubigen betont. Zugleich forderte er in seiner Predigt zum Gründonnerstag im Münchner Liebfrauendom laut Redemanuskript, dass die Kirche lernen und sich weiterentwickeln müsse. "Die Kirche ist unterwegs. Sie ist noch nicht am Ziel!" Vor allem aber sei sie als Gemeinschaft unterwegs, denn nichts anders bedeute das Wort "Synode", gemeinsam auf dem Weg sein: "Die Mühen und Herausforderungen des Weges kann man sich nicht ersparen, wenn man ans Ziel kommen will."

Marx erinnerte daran, dass für das Volk Israel der Weg durch die Wüste "nicht nur ein notwendiges Übel, sondern eine wesentliche Lern- und Entwicklungsphase" gewesen sei. Vielmehr sei es darum gegangen, überhaupt erst zu begreifen, um was es im verheißenen Land gehe; aber auch was der Bund bedeute, den Gott mit ihnen schließen wolle.

Offener Diskussionsprozess von Klerikern und Laien

Auf der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, deren Vorsitzender der Kardinal ist, wurde im März ein "synodaler Weg" beschlossen. Angesichts der anhaltenden Krise der Kirche und der Diskussion um den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt wollen die Bischöfe so eine Erneuerung der Kirche herbeiführen. Der synodale Weg sei als gemeinsamer und offener Diskussionsprozess von Klerikern und Laien über die Zukunft der Kirche angelegt, heißt es. Nähere Informationen zum Ablauf und zur Struktur des Prozesses liegen bislang noch nicht vor.

Der Kristallisationspunkt des Unterwegsseins der Kirche sei die Feier der Heiligen Eucharistie, unterstrich Marx. Hier zeige sich am deutlichsten, wer und was die Kirche sei, was sie bedeute, "wozu wir gesandt sind". Alle Schwestern und Brüder seien am Tisch des Herrn versammelt und feierten den Tod und die Auferstehung Jesu Christi in ihrer Mitte. Der Priester leite die Feier und alle wirkten mit.

Bei dem Gottesdienst am Gründonnerstag wäscht der Kardinal in diesem Jahr zwölf Mitgliedern von Pfarrgemeinderäten, die aus dem gesamten Erzbistum stammen, die Füße. Die symbolische Handlung erinnert daran, dass Jesus Christus vor dem letzten Abendmahl in Jerusalem seinen Jüngern die Füße wusch. Die sechs Männer und sechs Frauen stünden stellvertretend für alle Ehrenamtlichen, die sich seit 50 Jahren in den Pfarrgemeinderäten und weiteren Laiengremien engagierten. (rom/KNA)