Hamburger Generalvikar: Geplante Schulschließungen sind eine Rettung
Nach aktuellem Stand sechs Einrichtungen betroffen

Hamburger Generalvikar: Geplante Schulschließungen sind eine Rettung

Der Aufschrei war groß, als das Erzbistum Hamburg Anfang 2018 ankündigte, einige seiner Schulen schließen zu wollen. Nun hat Generalvikar Ansgar Thim den Schritt erneut verteidigt: Die geplanten Schließungen würden das katholische Schulsystem retten.

Hamburg - 04.05.2019

Der Generalvikar des Erzbistums Hamburg, Ansgar Thim, hat die geplante Schließung von mindestens sechs katholischen Schulen in Hamburg verteidigt. "Diese Entscheidung war letztlich die Rettung des katholischen Schulsystems", sagte er am Freitag vor Journalisten in der Hansestadt. Auch eine Zahl von danach 13 bis 15 verbleibenden Schulen sei im Vergleich zu anderen Bistümern und zur evangelischen Kirche noch sehr hoch, so der kirchliche Verwaltungschef.

Das Erzbistum Hamburg hatte Anfang 2018 angekündigt, bis zu acht seiner 21 Schulen in der Hansestadt zu schließen und damit für viele Proteste gesorgt. Nach jetzigem Stand werden sechs Schulen geschlossen, für zwei weitere sucht die Diözese noch nach Sponsoren. Grund für die Schließungen ist die prekäre Wirtschaftslage: Laut eigenen Angaben ist das Erzbistum Hamburg hoch verschuldet.

Millionen-Investitionen in verbleibende Schulen

Letztlich gehe es nicht um Schulschließungen, sondern um eine Schulreform, ergänzte der Leiter der Abteilung Controlling im Erzbistum, Mathias von Waldenfels: "An den verbleibenden Schulen werden sehr viele Millionen Euro investiert", so der Finanzexperte. Außerdem werde ein neuer Schulentwicklungsplan auf den Weg gebracht. An sechs Standorten hätten Teams bereits die Arbeit daran aufgenommen.

Laut Thim muss sich die Kirche in Zukunft mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Dabei sei der Blick auf die Kostenseite unverzichtbar. "Die Schließung von sechs Schulen in Hamburg hat gezeigt, wie schmerzhaft und schwierig solche Entscheidungen sind." Aktuell stehe der Immobilienbestand im Erzbistum auf dem Prüfstand.

Themenseite: Diskussion um Hamburger Schulen

Das Erzbistum Hamburg will bis zu 8 seiner 21 katholischen Schulen schließen. Der Grund: die prekäre Wirtschaftslage des Erzbistums. Seitdem finden Gespräche zur Rettung der Schulen statt.

Die beiden Kirchenvertreter äußerten sich anlässlich der Präsentation der regionalen Zahlen aus einer bundesweiten Untersuchung des Forschungszentrums Generationenverträge (FZG) der Uni Freiburg. Demnach wird die Zahl der Katholiken im Erzbistum Hamburg bis 2060 um 40 Prozent auf gut 241.000 sinken. Um gegenzusteuern empfahlen die Macher der Studie den Kirchen, sich vor allem um die Altersgruppe der 25- bis 35-jährigen zu kümmern. In dieser Gruppe der Berufs- und Familieneinsteiger sei die Austrittshäufigkeit mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

Die bundesweiten Ergebnisse der Studie waren am Donnerstag veröffentlicht worden. Danach werden die Kirchen in Deutschland 2060 nur noch rund 22,7 Millionen Mitglieder haben und damit etwa halb so viele wie heute (44,8 Millionen). Auch ihre finanziellen Möglichkeiten werden sich laut der Prognose in diesem Zeitraum halbieren. (mal/KNA)