Papst Franziskus besucht am 15. November 2015 die deutschsprachige Evangelisch-Lutherische Gemeinde in der Christuskirche in Rom.
Mahnung an Bischöfe bei Vollversammlung

Papst Franziskus fordert Ehegerichte für alle Diözesen

Ehenichtigkeitsverfahren müssten schnell und kostenlos sein: Papst Franziskus hat Italiens Bischöfe gemahnt, in allen Diözesen Ehegerichte einzuführen. Außerdem blickt er kritisch auf das Verhältnis mancher Oberhirten zu ihren Priestern.

Vatikanstadt - 21.05.2019

Mit Mahnungen zur Kollegialität zwischen Bischöfen und deren Sorge um ihre Priester hat Papst Franziskus die Vollversammlung der Italienischen Bischofskonferenz eröffnet. Zudem forderte er die weitere Umsetzung seiner Reformen bei kirchlichen Ehegerichtsverfahren aus dem Jahr 2015 und die Einführung von Ehegerichten in allen Diözesen. Die kirchenrechtliche Verfahren zur Feststellung einer Ehenichtigkeit müssten schnell und kostenlos sein, sagte Franziskus am Montag in Rom. Die Gläubigen hätten ein Anrecht darauf.

Eindringlich rief der Papst die Bischöfe auf, gute und väterliche Beziehungen zu ihren Priestern zu pflegen. "Unsere Priester fühlen sich dauernd unter medialer Attacke und werden oft lächerlich gemacht oder verurteilt aufgrund einiger Fehler oder Verbrechen einiger ihrer Kollegen", sagte Franziskus laut "Vatican News" weiter. Manchen Bischöfen sei es leider nicht gegeben, annehmbare Beziehungen zu ihren Priestern aufzubauen. Doch müsse jeder Bischof seine Priester zum geistlichen und menschlichen Wachstum anregen, "in Momenten des Versagens ermuntern" und sie bei Fehlern liebevoll korrigieren.

Nachfolger Jesu müssen stets in Kontakt bleiben mit der Realität

Zu Überlegungen einer eigenen Synode der Kirche Italiens sagte der Papst, ein solches Vorhaben müsse auf jeden Fall die Bedürfnisse und Erfahrungen der Basis aufgreifen. Dabei erinnerte der Papst an den Nationalkonvent der italienischen Kirche 2015 in Florenz: Damals hatte er davor gewarnt, vor den Herausforderungen der Zeit die Weltflucht in konservative Gefilde oder gar in den Fundamentalismus anzutreten. Die Nachfolger Jesu müssten stets in Kontakt bleiben mit der Realität, wie sie die Menschen erlebten.

Die Idee einer italienischen Synode stammt von Antonio Spadaro, dem Direktor der Jesuitenzeitschrift "Civilta cattolica" und Vertrauten von Franziskus. Konkretere Überlegungen dazu sind bisher nicht bekannt geworden.

Bei den aktuellen Beratungen der Bischöfe geht es um die Arbeit von Missionaren, weshalb auch 15 Missionare an dem Treffen teilnehmen. Die Bischofskonferenz will zudem über die Reform ihrer Leitlinien zum Umgang mit Missbrauch abstimmen; Anfang Mai hatte der Papst dazu neue weltweite Richtlinien erlassen. Ein weiteres Thema der Vollversammlung ist eine Konferenz zu Frieden und Spiritualität im Mittelmeerraum, die für 2020 im apulischen Bari geplant ist, sowie Aufgaben der Seelsorge im Zeitraum 2020 bis 2025. (tmg/KNA)