Dogmatiker Hoping: Die Liturgie an sich überhöht den Priester nicht
Klerikalismus zeige sich bei Priestern, die Ritus eigenmächtig verändern

Dogmatiker Hoping: Die Liturgie an sich überhöht den Priester nicht

Liturgie sei "krisenfördernd": Der Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann ist der Meinung, dass die katholische Gottesdienstform verändert werden muss. Dogmatiker Helmut Hoping widerspricht nun.

Freiburg im Breisgau - 25.06.2019

Der Freiburger Dogmatiker Helmut Hoping sieht in der katholischen Liturgie an sich keine Quelle für Klerikalismus. Stattdessen könne die nachkonziliare Liturgie klerikal missbraucht werden, schreibt Hoping in einem Gastbeitrag in der Herder Korrespondenz (Juli-Ausgabe). "Dies hängt aber vom einzelnen Priester ab, ob er sich im Bewusstsein, mit der Gemeinde als Teil der einen Kirche vor Gott zu stehen, als Diener Christi, seiner Kirche und ihrer Liturgie versteht oder als moderierender Selbstdarsteller, wie dies heute leider häufig anzutreffen ist."

Hoping wandte sich damit gegen den Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann, der bei einem Vortrag im März einen Zusammenhang zwischen Liturgie, Klerikalismus und Missbrauch gezogen hatte. Dabei stellte sich Kranemann die Frage, inwieweit die hervorgehobene Position des Priesters in der Liturgie ein Amts- und Rollenverständnis präge, das möglicherweise dazu beitrage, "dass Menschen anderen gegenüber Machtfantasien entwickeln und sie auch ausleben, bis hin zur Beschädigung der körperlichen und seelischen Integrität". Um Klerikalismus und weiterem Missbrauch entgegenzuwirken, forderte er deshalb Veränderungen in der Liturgie.

Laut Hoping sei es jedoch unerheblich, "ob der Priester sich nun für die Messfeier in eine reich verzierte Kasel hüllt oder eine schmucklose Mantelalbe mit aufgesetzter Regenbogenstola überwirft". Nirgendwo zeige sich in der Liturgie mehr Klerikalismus "als bei Priestern, die an den Vorstehergebeten herumbasteln, vorgeschriebene Teile der Liturgie weglassen oder den festgelegten rituellen Ablauf der Liturgie verändern". In der Form des "Gegenüber zur Gemeinde", die zwar "niemals festgeschrieben worden ist, sich aber im Zuge der Liturgiereform durchgesetzt hat", sei der Priester nun "Anchorman", der der Gemeinde "face to face" gegenüberstünde. Darin und nicht in der lateinischen Messe, bei der der Priester zusammen mit der Gemeinde gen Osten betet, sehe er eine Gefahr für klerikale Selbstüberhöhung.

Bild: © privat

Helmut Hoping lehrt Dogmatik an der Universität Freiburg im Breisgau und ist Mitglied des Kuratoriums des Instituts Papst Benedikt XVI. in Regensburg.

Hoping wirft Kranemann weiter vor, die Missbrauchskrise für eine eigene Agenda zu instrumentalisieren. Was dem Liturgiewissenschaftler vorschwebe, sei ein Gemeindegottesdienst mit möglichst wenigen "Differenzmarkierungen zwischen Klerus und Laien". Das sei so nicht begründbar. Eine Weihe könne keine von der Gemeinschaft übertragene Rolle sein, weil "der geweihte Priester bei der Feier der Eucharistie in der Person Christi als des Hauptes handelt".

Unbenommen in welcher Form man Klerikalismus nun antreffe, könne er "für sich genommen so wenig ursächlich für sexuellen Missbrauch sein wie der Zölibat. Sexueller Missbrauch von Kindern und minderjährigen Jugendlichen durch Priester setzt eine sexuelle Unreife und/oder pathologische Formen sexueller Orientierung wie Pädophilie voraus". Klerikalismus zeige sich nicht im Missbrauch, sondern in dessen Vertuschung. Wo Bischöfe die Würde des Priesteramtes über das Leiden der Opfer stellten, offenbare sich "ein erschreckendes Maß an Klerikalismus". (cst)