Überraschung zum Hochfest Peter und Paul

Papst schenkt Patriarch von Konstantinopel Petrusreliquie

Aktualisiert am 02.07.2019  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Das Grab des Apostels Petrus ist das Zentrum der katholischen Christenheit. Jahr für Jahr zieht es Millionen Pilger an – auch aus der orthodoxen Kirche. Seit Sonntag ist die Reise aber nicht mehr so lang.

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Papst Franziskus hat dem Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., Reliquien des Apostels Petrus geschenkt. "Das ist für uns ein außergewöhnliches und unerwartetes Ereignis – damit konnte keiner rechnen", sagte Metropolit Job von Telmissos, der die Reliquie als Anführer der griechisch-orthodoxen Delegation zum Hochfest der Apostel Peter und Paul entgegennahm, gegenüber Vatican News am Montag. Der Überlieferung nach haben die sterblichen Überreste des Apostelfürsten Rom nie verlassen, das bisher alleiniges Zentrum katholischer wie orthodoxer Petrusverehrung war.

Er hätte ein Geschenk für seinen Bruder Bartholomaios, habe Franziskus dem Metropoliten von Telmissos nach der Messe zum Hochfest Peter und Paul gesagt. Dann sei er mit seinem erstaunten Gast in die päpstlichen Gemächer zur Privatkapelle Papst Paul VI. gegangen. Dort habe er ihm das Reliquiar mit den Gebeinen des Heiligen überreicht. Patriarch Bartholomaios soll mit großer Freude auf die Nachricht von diesem unerwarteten Geschenk reagiert haben. Er wird kommenden Sonntag, an dem die orthodoxe Kirche das Apostelfest begeht, Papst Franziskus während des Gottesdienstes in der Kirche des Phanar, seinem Amtssitz in Konstantinopel, danken. Metropolit Job bewertet das Geschenk des Papstes als einen "Riesenschritt hin zur konkreten Einheit".

Paul VI. war von der Echtheit der Reliquien überzeugt

In dem bronzenen Reliquiar befinden sich neun Knochenfragmente, die 1952 bei neuen Grabungen am Ort des Petrusgrabes gefunden worden waren. Eine sichere Zuordnung war zunächst nicht möglich. Eine Analyse ergab jedoch, dass es sich um Überreste eines Mannes handelte, der in hohem Alter verstorben war. Paul VI. verkündete im Juni 1968 bei einer Generalaudienz überraschend ihre Auffindung. Er war von der Echtheit der Knochenreste überzeugt. Deshalb ließ er für einige der Fragmente ein Reliquiar herstellen. Dieses übergab der Papst nun dem Metropoliten von Telmissos.

Die katholische Kirche gedenkt der Apostel Petrus und Paulus traditionell am 29. Juni. Weil sie Schutzpatrone der Ewigen Stadt sind, ist das Hochfest in Rom auch ein Feiertag. Seit mehr als 40 Jahren ist es Tradition, dass eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel an den Feierlichkeiten im Petersdom teilnimmt. Seinerseits entsendet der Vatikan am 30. November eine Delegation zum Andreasfest. Nachfolger des Apostels Andreas, der der ältere Bruder des Petrus war, ist Patriarch Bartholomaios. Deshalb sprechen Franziskus und Bartholomaios häufig voneinander als "Brüder". (cst)