Warum bleiben Katholiken in der Kirche?
Katholisch.de-Leser geben Antworten

Warum bleiben Katholiken in der Kirche?

Die aktuelle Kirchenstatistik zeigt es schwarz auf weiß: Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus. Aber es gibt auch viele Menschen, die bewusst und gerne Katholiken sind - und bleiben. Wir haben katholisch.de-Leser gefragt, was sie in der Kirche hält.

Von Meike Kohlhoff |  Bonn - 30.07.2019

Ich bin und bleibe in der katholischen Kirche. Der Geist Gottes und die Botschaft Jesu sind entscheidend, nicht die Fehler der Institution. Die Kirche wird von Menschen repräsentiert, die natürlicherweise Fehler machen dürfen und für die man im Vaterunser beten sollte: "Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern." Die aktuelle Situation ist herausfordernd, verweist uns Gläubige auf uns selbst und auf unseren Auftrag, Kirche an der Basis zu leben. Wir müssen gegenüber der Kirchenleitung klar artikulieren, dass sich die gesamte Kirche endlich der Situation stellen und darum kümmern muss, anstatt weiter um sich selbst zu kreisen. Schließlich bleibe ich in der Kirche, um weiterhin glaubwürdig mein Christsein nach außen leben zu können – nicht als esoterisches "Wellness-Chakachaka", sondern als klare Botschaft, die heute vermehrt aneckt, gerade weil sie nicht mehr jeder hören möchte.

Von Christian Zatryp

Mich verbindet mit der katholischen Kirche sehr viel. Ich bin im Osten Deutschlands aufgewachsen, das heißt ohne jeglichen Glauben. Ich war jedoch immer auf der Suche nach etwas, das mich vollkommen macht. An der weiterführenden Schule entschied ich mich, den katholischen Religionsunterricht zu besuchen und mehr über den Glauben zu erfahren. Immer wieder im Leben sprach ich zu Gott. Das fühlte sich anfangs befremdlich an und kam mir vor, als würde ich Selbstgespräche führen. Als ich meinen Mann kennenlernte und in ein sehr katholisches Dorf zog, fühlte ich mich in der Gemeinschaft sehr wohl. Unser Sohn wurde selbstverständlich getauft und kurz vor seiner Kommunion ließ ich mich ebenfalls, endlich, taufen. Ich ging auch zur Kommunion, besuchte regelmäßig den Gottesdienst und fühlte mich vollständig. Als mein jüngster Sohn zur Kommunion ging, traute ich mich, Katechetin zu werden. Eine wunderschöne Zeit! Die Kirche, der Glaube, die Liebe und die Gemeinde sind zu meinem Leben geworden. Und als i-Tüpfelchen wurde mir der Dienst als Mesnerin angeboten. Ich liebe meine Arbeit; die Kirche gibt mir die Ruhe, die mir im Alltag gefehlt hatte. Ich könnte mir mein Leben ohne den Glauben nicht mehr vorstellen. Dank sei Gott.

Von Stephanie Bürkle

Ein Austritt kommt für mich überhaupt nicht in Frage! Neben dem Glauben an sich und dem Mitgestalten vor Ort in der Gemeinde, gibt es noch ein weitere Gründe, die für einen Verbleib in der Kirche sprechen: Kirchen haben Pfarrer, die Seelsorger sind und den Menschen helfen, wenn sie das Leben nicht mehr aushalten. Kirchen finanzieren wichtige Einrichtungen, wie Sozialstationen, Kindergärten, Sorgentelefone und Beratungsdienste. Das alles ist nicht umsonst, dafür ist die Kirchensteuer da. Wenn die Kirchen keine Kindergärten und Krankenhäuser betreiben würden, bräche das Schul- und auch das Gesundheitssystem erstmal ein ganzes Stück weit zusammen. Das sind nur einige Dinge, wegen der man der Kirche treu bleiben sollte.

Von Sven Ebels

Ich fühle mich richtig wohl in katholischen Kirchen, vor allem bei der Eucharistiefeier. Das ist irgendwie, als wäre man beim "lieben Gott" im Wohnzimmer. Aber nicht alleine: Nette Geschwister im Glauben sind in den Kirchenbänken ringsum und der ganze Himmel ist mit dabei – mit allen, die uns schon vorausgegangen sind. Wie ein großes Familientreffen, eine geistige Party mit Freunden – und der Gastgeber Jesus gibt sich selbst voll mit hinein. Auch die Kommunion finde ich unglaublich schön, denn dann betritt Jesus unseren persönlichen Innenraum und wird ganz innig mit uns, berührt uns von innen her. Das ist schon großartig! Ich glaube, dieses ganz Besondere des katholischen Glaubens möchte ich nicht missen. Aber ab und zu andere christliche Glaubensmeinschaften zu besuchen und deren spezifische Glaubensschätze zu erleben, finde ich auch sehr bereichernd. Jesus ist der Weinstock und wir sind die verschiedenen Rebzweige.

Von Brigitte Pesch

Ich war Teil einer katholischen Kirchengemeinde bis zur Firmung. In dieser Zeit war das Pfarrgemeindehaus ein beliebter Treffpunkt, wo eine Betreuung durch sehr modern eingestellte Pfarrreferenten stattfand. Sie brachten uns die Geschichten der Bibel nahe, zeigten wie man mit Fremden teilt, lebten vor, wie man Behinderten und Christen mit anderer Hautfarbe Teilhabe gewährt. Für mich war deshalb die Nächstenliebe zu Menschen mit anderer Religion und Weltanschauung und zu Menschen, die aufgrund ihrer Sexualität, Herkunft und Aussehen diskriminiert werden, die naheliegende Konsequenz. Dass Frauen oder Homosexuelle in der Kirche nicht gleichwertig behandelt werden, macht mich traurig. Frauen sollten Priester sein, weil Jesus eigentlich nichts dagegen haben kann, außerdem sollte die Liebe zwischen Homosexuellen unter Gottes Segen stehen. Ich bin selbst nicht homosexuell, aber ich finde, dass diese Menschen in Gottes Augen genauso Liebende sind. Der Pastor, der meine Kommunion begleitet hat, verliebte sich in eine Frau. Ich habe viel geweint, weil ich es als ungerecht empfand, dass ein Mensch, der mich so von der Religion begeistert hat, keine Frau haben durfte. Er musste sein Priesteramt aufgeben. Das alles hat meine Einstellung zur Institution Kirche verändert. Ich empfand es wie Jesus der die Schriftgelehrten dafür kritisiert, dass sie das Gesetz bis aufs Jota erfüllen, während er die Liebe über das Gesetz stellt. Ich bin noch Teil der katholischen Kirche, weil ich nicht feige weglaufen will und hoffe, dass ich eine Umkehr bewirken kann.

Von Oliver Siegemund

Ich bin zwar katholisch getauft, habe meine Bindung zur Kirche aber erst ab dem Alter von 18 Jahren in Jerusalem entdeckt, wo ich eine Weile die benediktinische Lebensweise kennenlernen und mitleben durfte. Auch danach noch hat mich die monastische Lebensweise, besonders in der Tradition der Benediktiner, sehr geprägt. Vieles, was ich an der katholischen Kirche schätze, findet sich in besonderer Ausprägung in Klöstern: Feierlichkeit, Andacht und Traditionen. Diese Dinge sind mir wertvoll in der Kirche, weil sie ein Gegengewicht bilden zu dem Leben im aktuellen Zeitgeist, wo ich vor allem immer wieder Effizienz, Nutzen, Rationalität und Flexibilität beweisen muss. Auch wenn der Glaube für mich oft sehr persönlich ist und hin und wieder von den kirchlichen Lehren abweicht, finde ich Halt in der Kirche, wenn ich selbst schwanke – in den Messen, wie sie die katholische Liturgie vorsieht, im Rosenkranzgebet und auch in der Verehrung der Heiligen, besonders natürlich der Frauengestalten, die sich mir oft näher anfühlen als der dreifaltige Gott.

Von Karoline Köster

"Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit." – Die theologische Spitzenaussage aus der Konstitution "Lumen gentium" des Zweiten Vatikanums bildet für meinen Glauben ein tragendes Fundament und ist der wichtigste Grund, dass ich trotz aller (berechtigten) Zweifel in der Kirche bleibe. Gerade wegen ihrer Zeichenhaftigkeit und bleibenden Verwiesenheit auf Christus ist Kirche für meine christliche Existenz entscheidend. Sie ermöglicht mir eine wahrhaftige und tiefe Begegnung mit Christus. Ich kann meinen Glauben deshalb nur in und mit der Kirche glaubwürdig, fruchtbringend und lebensnah praktizieren. Die frohe Botschaft Christi in Wort und Tat zu verkünden, Liturgie zu feiern, den Blick auf meinen Nächsten zu werfen, Glaubenszeugnis zu geben... das alles kann ich nur in der Gemeinschaft der Gläubigen und das zeichnet Kirche für mich aus.

Von Benedikt Grotehans

Die katholische Kirche war von Anfang an meine spirituelle Heimat. Der sonntägliche Gottesdienstbesuch und das Ministrieren gehörten für mich – sogar in unserer kleinen Diaspora-Gemeinde – einfach dazu. Neben der Sinnenhaftigkeit der Liturgie waren es vor allem die vielfältigen, aufwühlenden, spannenden und herausfordernden Geschichten beider biblischen Testamente, die mich faszinierten. Aus Interesse und Tradition wurden Beruf, womit die katholische Kirche auch meine Zukunft ist. Dramatische Umbrüche in der Struktur und organisatorische Herausforderungen halte ich in Deutschland für unumgänglich. Es werden in Zukunft sicherlich weniger Menschen der Kirche verbunden sein. Doch diejenigen, die es dann noch sind, werden es aus guten Gründen sein und Kirche bewusst gestalten wollen. Darauf darf man sich als Christ freuen.

Von David Großmann

Was mich an die katholische Kirche bindet: Das Leben ist stressig, turbulent, krisenreich, chaotisch, schön, verrückt, freudig, traurig, lustig, herrlich... eine ewige Achterbahnfahrt! Meist viel zu viele Termine und wenig Zeit für Ruhe und Besinnung. Die Kirche und der Glaube an Gott hingegen schenken genau das, was uns allen im Leben so fehlt: eine Konstante. Etwas, was immer gleich bleibt und immer da ist, egal wie es einem gerade geht und mit was man gerade in die Kirche kommt. Die Bibelstellen und die Predigten sind immer ansprechend und passen in jede Lebenssituation. Sie ermutigen und geben Kraft die Herausforderungen des Lebens zu meistern und dabei stets das Wesentliche im Blick zu behalten. Die Eucharistie ist eine einzigartige Möglichkeit, Gott zu begegnen und ihm für einen Moment ganz nahe zu sein. Das Gefühl der Gemeinschaft, das sich manchmal in Gottesdiensten einstellt, etwa wenn alle Stimmen ein beliebtes Kirchenlied singen, ist so besonders und intensiv wie man es im Leben sonst selten erlebt. Die Traditionen der katholischen Kirche bieten Struktur und Verlässlichkeit, wie nichts anderes auf der Welt. Die Begegnungen untereinander und die Begegnung mit Gott haben mich schon immer fasziniert. So bin ich tatsächlich schon seit meinem 8. Lebensjahr mindestens einmal pro Woche in der Kirche, was definitiv häufig zu irritierten und ungläubigen Blicken anderer führt, die kaum verstehen können, wieso man sich freiwillig jeden Sonntag in die Kirche setzen kann. Dennoch bin ich überzeugt, dass mich diese Praxis positiv geprägt hat und weit in die Welt hineinwirkt. Die Krise der katholischen Kirche stimmt mich traurig. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Wege gefunden werden, die die Spiritualität der Menschen neu ansprechen und ihnen wieder einen besseren und neuen Zugang zum Glauben eröffnen können.

Von Sina Wolf

Auch unter unserem Posting auf Facebook haben viele Leser geschrieben, warum sie nicht austreten. Millis Satorius sagt, dass ihr die Liturgie Sicherheit gibt. Für Linda Barz ist die Kirche ein Stück Heimat und für Dorit Schneider ist ein Sonntag ohne Messe kein Sonntag. Stephan Nikolai kommentiert: "Die Hoffnung auf Erlangung des Seelenheils durch die von Christus eingesetzten Sakramente". Heike Schreiner ist es wichtig, kirchlich beerdigt zu werden. Außerdem wäre für sie "aus der Kirche austreten wie jemandem (Gott) in den Rücken zu fallen - ihn verleugnen. [...] Es wird soviel Geld für sinnloses Zeug aus dem Fenster geworfen, da sind die paar Prozent vom Gehalt, die der Kirche zu Gute kommen, doch 'Peanuts'". Hier finden Sie alle Kommentare.

Von Meike Kohlhoff