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Standpunkt

Bei all den Hiobsbotschaften: Warum will ich in der Kirche bleiben?

Missbrauch, Finanzskandale, Austritte: Die schlechten Nachrichten der Kirche wirken abschreckend, selbst auf Katholiken. Gibt es denn – außer der kirchlichen Hochzeit – noch Gründe weiter in diesem "Verein" zu bleiben? Ja, sagt Pia Dyckmans.

Von Pia Dyckmans |  Bonn - 01.08.2019

Wenn ich mir die aktuellen Austrittszahlen anschaue, wundert mich die Entwicklung eigentlich nicht wirklich. Ich habe mir mal den Spaß erlaubt, "katholische Kirche" zu googeln und mir die neuesten News anzuschauen. Mir zeigt der Algorithmus zum Glück zuerst an "Warum bleiben Katholiken in der Kirche?" (katholisch.de), danach wird es aber weniger erbaulich. "Kirche verschlankt sich", "Pfarrer legt aus Protest sein Amt nieder", "Katholische Kirche ist längst gespalten", "Schafe fliehen in Scharen", "Pater missbrauchte 22 Frauen"… Das ist nur ein kleiner Auszug an Schlagzeilen, die die Kirche nun wirklich in keinem guten Licht dastehen lassen. Wenn ich katholisch aber kirchenfern wäre, würden solche Schlagzeilen auf mich wirken, als wären wir wie ein verstrittener Verein, bei dem es sich sowieso nicht mehr lohnt, "Mitglied" zu sein.

Für viele lohnt es sich "nur noch", um kirchlich heiraten zu können. Hier hätte Kirche die Chance zu punkten mit Inhalt statt mit strukturellen Problemen. Doch so selbstverständlich scheint das nicht zu sein. In einer Facebook-Gruppe für Hochzeiten lese ich oft von den Problemen der Brautpaare, die sie mit der kirchlichen Trauung haben. Oft werden die banalsten Wünsche des Paares abgelehnt, weil der Pfarrer ein Lied nicht kennt oder weil es sich nicht gehört. Gerade diese Sakramente Hochzeit, Taufe und auch die Beerdigung können kirchenfernen Katholiken und Nicht-Katholiken zeigen, was es heißt, katholisch zu sein und diesen Glauben zu feiern. Wenn wir nach einer Hochzeit oder einer Taufe hören "wow, das war wirklich schön, das hätte ich nie gedacht", ist doch schon der erste Schritt gemacht.

Klar, die Bad-News müssen auch auf den Tisch, wir müssen Probleme struktureller und institutioneller Art ansprechen, denn nur so kann Wandel geschehen, aber wir dürfen das "Warum" nicht vergessen. Ich weiß, das auch so viel Anderes in der Kirche passiert, was beinahe keinen Platz mehr bekommt neben all den Bad-News. Deswegen will ich in meinen Sommerferien nicht nur über die Bad-News diskutieren, sondern auch darüber sprechen, was gut in der Kirche läuft. Dann wirkt die Kirche für mein säkulares Umfeld vielleicht auch wieder attraktiver und noch relevant.

Von Pia Dyckmans

Die Autorin

Pia Dyckmans ist Presse- und Öffentlichkeitsreferentin der Jesuiten in Deutschland und Schweden.

Hinweis

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