Eine anglikanische Diakonin wird in einer Kirche in Rom zur Priesterin ordiniert.
"Nicht für alle Zeit ausgeschlossen"

Dogmatiker: Priesterweihe von Frauen möglich, aber unwahrscheinlich

Wird es einmal Priesterinnen geben? Prinzipiell möglich ist das schon, bilanziert der Münchner Dogmatiker Gerhard Gäde. Dem theologisch Möglichen stünden jedoch andere Faktoren entgegen, die vor allem die Weltkirche beträfen.

München - 30.08.2019

Der Münchener Dogmatiker Gerhard Gäde hält eine Priesterweihe für Frauen prinzipiell für möglich, aber unwahrscheinlich. Papst Johannes Paul II. habe zwar in seinem Apostolischen Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" (1994) die Frauenweihe mit Verweis auf die ausschließlich männlichen Apostel ausgeschlossen, schreibt Gäde in einem Beitrag für die "Stimmen der Zeit" (Septemberausgabe). Allerdings sei diese Erklärung für viele nicht überzeugend, da Christus etwa nur Hebräer ausgewählt habe. Zudem müssten entsprechende Ausschlussklauseln demnach nur für Bischöfe gelten, da sie die Nachfolger der Apostel darstellten.

Gäde glaubt jedoch nicht, dass ein Frauenpriestertum auf längere Sicht in der Gesamtkirche konsensfähig ist. Viele Katholiken hätten noch ein "überliefertes Frauenbild" und hingen einer Rezeption der Paulusbriefe an, nach denen Frauen sich unterzuordnen hätten. Zudem habe die Einführung von Priesterinnen sowohl in der anglikanischen als auch in der altkatholischen Kirche zu "starken Zerwürfnissen wenn nicht sogar zu schismatischen Zuständen" geführt. Des Weiteren sei die Frauenweihe ein "ökumenisches Hindernis in Bezug auf die Kirchen des Ostens". Der Papst könnte sie also mit Blick auf die Einheit der Kirche vorerst nicht einführen, er "könnte aber transparent machen, dass die Priesterweihe der Frau aus dogmatischen Gründen nicht für alle Zeit ausgeschlossen sein muss", so Gäde.

Im Zusammenhang mit der Frauenweihe müsste die Kirche ihr Geschlechterbild überarbeiten und sich etwa die Frage stellen, ob der Unterschied zwischen Frau und Mann auch zu einer unterschiedlichen "sakramentalen Repräsentation" führe, so Gäde.

Diskussionspotential über Folgen der Frauenweihe

Er plädiert weiter für Diskussionen über die Diakonenweihe von Frauen. Die Frage zur Möglichkeit dazu sei bisher weder eindeutig positiv noch negativ beantwortet worden. Außerdem hätte sich das Ämterverständnis der Kirche über die Jahrhunderte stetig verändert. "Die Kirche wird wohl einen Spielraum haben, unter veränderten historischen Bedingungen ihre Ämter neu zu definieren und gegeneinander abzugrenzen." Er führt hier als Beispiel unter anderem an, dass vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nur die Priesterweihe, nicht aber die Bischofsweihe als Sakrament gegolten hätte. Erst das Konzil habe die Bischofsweihe endgültig als sakramental anerkannt. Insofern sei es möglich, über die Frauenordination nachzudenken. Großes Diskussionspotential sieht Gäbe allerdings in der Frage, was eine Zulassung zum Diakonat für ein mögliches Frauenpriestertum bedeuten könnte, da beide Ämter aufeinander bezogen seien.

In diesem Zusammenhang schlägt er ein Nachdenken über eine Neuinterpretation des Diakonenamtes vor. Statt es dem Priesterdienst unter-, könnte es ihm bei- oder nebengeordnet werden. Tatsächlich stelle erst das Bischofsamt die "Fülle der geistlichen Vollmacht in der Kirche" dar. "Diakonat und Presbyterat können deshalb als zwei nebeneinander stehende sakramentale Dienstämter verstanden werden, die beide auf jeweils verschiedene Weise am Ordo des Bischofs teilhaben." Sie würden zwei Facetten des Bischofsamts repräsentieren. "Denn die Hirtensorge des Bischofs bezieht sich nicht allein auf das ewige Heil seiner Herde, sondern auch auf deren irdisches und soziales. Doch diese beiden Heilsaspekte sind keineswegs auseinanderzudividieren, sondern hängen aufs engste miteinander zusammen." Diese Neubegrenzung der Ämter könnte beispielsweise orts- wie weltkirche Leitungsämter auch für Frauen öffnen, von Generalvikarinnen bis hin zu Kardinälinnen.

Gäde warnt jedoch vor Aktionismus: In vielen Teilen der Kirche müsse das Bewusstsein für weibliche Leitungsfiguren erst wachsen. Zudem solle sich der Westen davor hüten, seine eigene Ansicht zu verabsolutieren. Er regt jedoch eine lebendige Diskussion an. "Wichtig scheint mir nur, dass nichts a priori ausgeschlossen wird, sondern für Veränderung offen bleibt." (cph)