350 Jahre alte Zeitkapsel in Kemptener Basilika entdeckt
Sensationsfund im Allgäu

350 Jahre alte Zeitkapsel in Kemptener Basilika entdeckt

Dieser Fund ist eine kleine Sensation: In der Kemptener Basilika Sankt Lorenz wurde eine rund 350 Jahre alte Zeitkapsel aus den Jahren der Erbauung des Gotteshauses entdeckt – konservatorisch optimal gelagert. Das ist drin.

Augsburg/Kempten - 03.09.2019

Bei den Renovierungsarbeiten der Basilika Sankt Lorenz in Kempten ist eine über 300 Jahre alte Zeitkapsel aufgetaucht. Das mit Zinn überzogene Blechkästchen aus dem 17. Jahrhundert war von Restaurator Johannes Amann Ende Juni in der Kuppel des Chorturms entdeckt worden, wie die Bischöfliche Pressestelle am Montag in Augsburg mitteilte. Rund 350 Jahre lang hätten darin Dokumente und Gegenstände aus den Jahren der Erbauung des Gotteshauses unter konservatorisch optimalen Bedingungen gelagert.

Geborgen wurden unter anderem Schriftstücke der Fürstäbte Roman Giel von Gielsberg (1639-1673) und Rupert von Bodman (1678-1728), ein Rosenkranz mit Tonkugeln, ein Kupferstich mit der Büste des heiligen Donatus, eine Marienfigur und Reliquienbriefchen, wie es heißt. Die Entdeckung sei historisch wertvoller als jene Zeitkapsel, die bereits Anfang des Jahres gefunden worden sei und aus der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert stammte. Denn die Gegenstände aus der älteren Kapsel wurden in der Bauphase zwischen 1652 bis 1669 eingelegt, als der Graubündener Baumeister Giovanni Serro den Bau der ehemaligen Klosterkirche nach Plänen von Michael Beer zu Ende führte.

Urkunde, Knochensplitter und Heilige Drei Könige

Eine Urkunde von 1660, die sich fand, berichtet in lateinischer Sprache von der Fertigstellung der Kugel auf dem Chorturm und der Einbringung des Kästchens, wie es heißt. Außerdem liste sie die Namen der Konventsmitglieder und des Hofes von Fürstabt Roman Giel von Gielsberg auf. Auch eine detaillierte Kostenaufstellung der Handwerkerleistungen für die Herstellung der Kugel und des Kreuzes auf der Kuppel sei enthalten gewesen, genauso ein gedruckter Segenszettel mit Holzschnitt und Text zu den Heiligen Drei Königen in Köln und andere Devotionalien sowie Knochensplitter.

Die Fundstücke sollen laut Mitteilung allesamt eingescannt werden. Größere Gegenstände würden eventuell mit einem 3D-Drucker ausgedruckt, bevor sie wieder in die Zeitkapsel zurückkämen, so die Historikerin und Archäologin Birgit Kata vom Kemptener Stadtarchiv.

Die Basilika St. Lorenz befindet sich im Zentrum von Kempten. Das Gotteshaus war bis zur Säkularisation die Stiftskirche des Fürststifts Kempten, heute dient sie als Pfarrkirche in der Allgäu-Stadt. Die Kirche ist dem heiligen Laurentius von Rom geweiht, Nebenpatronate sind Mariä Himmelfahrt und die beiden Kemptener Schutzpatrone Epimach und Gordian. Noch während des Dreißigjährigen Krieges begann der damals 29-jährige Abt Roman Giel von Gielsberg die Vorbereitungen zum Kirchenbau. Die Kirche wurde einer der ersten großen Kirchenbauten nach dem Dreißigjährigen Krieg in Deutschland. Eine Besonderheit des Gotteshauses war die Teilung in Stifts- und Pfarrkirche. Der Chor unter der Kuppel war dem Konvent vorbehalten, davon mit einem Chorgitter abgetrennt war das Langhaus als Pfarrkirche für das einfache Volk bestimmt. 1969 verlieh Papst Paul VI. der Kirche den Ehrentitel Basilica minor. (tmg/KNA)