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Standpunkt

Warum ignoriert der Papst die Bischöfe von Paris, Mailand und Berlin?

Franziskus mache Bischöfe von den Peripherien zu Kardinälen. Das klingt schön. Aber stimmt es auch? Noch dazu, wenn dafür europäische Bistümer wie Paris, Mailand und Berlin übergangen werden? Pater Max Cappabianca analysiert die Kardinalskreierungen.

Von Pater Max Cappabianca |  Bonn - 06.09.2019

Der Papst ist bei Kardinalserhebungen an keinerlei Regeln gebunden. Er kann zu Kardinälen machen, wen immer er will. Jüngst hat der Papst von seinem Recht wieder Gebrauch gemacht und verkündet, 13 weitere Männer in das Kardinalskollegium aufnehmen zu wollen. Wie zuvor schon lobten die Kommentatoren, dass der Papst eigene Schwerpunkte setze und der Peripherie den Vorzug gebe. Diesmal habe er auch die Bedeutung des interreligiösen Dialogs unterstreichen wollen.

Aber stimmt das? Einige kritische Gedanken hierzu:

Es ist gut, dass der Papst den Leiter des Dialograts, Miguel Ayuso Guixot, zum Kardinal macht; und dazu seinen verdienten Vorgänger Michael Fitzgerald, der dieses Kurienamt allerdings vier Jahre lang ausüben konnte ohne Kardinal zu sein. Aber dann noch den Erzbischof von Rabat, Cristobal Lopez Romero, einen Spanier, der in Marokko 20.000 Katholiken vorsteht?

Mit P. Michael Czerny SJ hat er einen Mitbruder im Jesuitenorden zum Kardinal erhoben, der in der zweiten Reihe einer Kurienbehörde arbeitet, die in Peter Turkson schon längst einen eigenen Kardinal hat. Oder soll dem Thema "Migration", für das Czerny in Vertretung für den Papst zuständig ist, ein besonderes Gewicht gegeben werden? Aber warum wurde dann der Migrantenrat vom aktuellen Papst abgeschafft?

Warum macht der Papst Jose Tolentino Calaca de Mendonca, den vatikanischen Bibliothekar und Archivar, mit 53 Jahren zum Kardinal? Sein Vorgänger, Jean-Louis Bruguès, hat gezeigt, dass man das Amt sechs Jahre gut ausüben kann, ohne Kardinal zu sein, wie es eigentlich immer Tradition war. Werden da alte (Kurien-)Zöpfe wieder angenäht?

Warum ignoriert der Papst konsequent die Oberhirten wichtiger Bistümer wie Mailand, Berlin, Paris, Sydney… Sind sie ihm nicht genügend an der Peripherie? Vor Ort wird man das noch verschmerzen können. Für die Gesamtleitung der Kirche stellt dieses Ungleichgewicht ein Problem dar, denn damit fehlt die Stimme dieser Ortskirchen, vor allem bei der nächsten Papstwahl!

Insgesamt wirkt die Auswahl der Kandidaten über ein gesundes Maß hinaus willkürlich. Es bleibt zu wünschen, dass die derzeitigen Kardinäle den Mut aufbringen, diesen Missstand freimütig ("mit Mut und Parrhesia") dem Papst anzuzeigen.

Von Pater Max Cappabianca

Der Autor

Der Dominikaner Max Cappabianca ist Leiter der Katholischen Studierendengemeinde Hl. Edith Stein in Berlin.

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