Koch: Theologie muss sich Wissenschaftsdiskurs stellen
Berliner Erzbischof fordert Austausch über weltanschauliche Grenzen hinweg

Koch: Theologie muss sich Wissenschaftsdiskurs stellen

Gehörte die Theologie früher zum klassischen Fächerkanon, gibt es heute längst nicht mehr an jeder Hochschule ein theologisches Institut. Doch Erzbischof Heiner Koch ist überzeugt, dass die Theologie den Universitäten viel zu geben hat.

Berlin - 09.09.2019

Nach Ansicht des Berliner Erzbischofs Heiner Koch ist die Theologie im Wissenschaftsdiskurs unverzichtbar. "Ich bin überzeugt, dass die Universität, um wirklich universal zu sein, die Theologien braucht", schreibt Koch in einem Gastbeitrag für den Berliner "Tagesspiegel" (Montag) anlässlich des 250. Geburtstags von Alexander von Humboldt (1769-1859). "Und ich bin genauso überzeugt, dass sich die katholische Theologie, um wirklich katholisch zu sein, dem wissenschaftlichen Diskurs an den Universitäten stellen muss."

Er hoffe, dass sich das neu gegründete "Institut für Katholische Theologie der Humboldt-Universität zu einem Lehr- und Forschungszentrum für Theologische Anthropologie entwickelt, das sich im intensiven Austausch mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen der Frage nach dem Menschen widmet". Zum Wintersemester 2019/20 nimmt das Institut den Lehrbetrieb auf. Bislang soll es rund 400 Studienbewerber geben.

In einer Stadt "wie Berlin, die gleichermaßen von Religionslosigkeit wie von religiöser Pluralität geprägt ist, wird schnell deutlich, dass die Frage nach dem Menschen nur in einem diversitätsfähigen Diskurs über weltanschauliche Grenzen hinweg bearbeitet werden kann", so der Erzbischof weiter.

"An dieser Stelle können und müssen Theologie und Kirche anknüpfen. Sie greifen den Menschen als jenes Rätsel, als jene offene Frage auf, die über sich selbst hinaus verweist und im Glauben eine Antwort erhält." Damit bringe die Theologie "eine Perspektive auf den Menschen in Wissenschaft und Gesellschaft ein, die nach wie vor unverzichtbar ist", betonte Koch. (rom/KNA)