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Moraltheologe Scheule über "Master in Perimortalen Wissenschaften"

Uni Regensburg widmet dem Tod einen eigenen Studiengang

Tod, Sterben und Trauer als Einheit sehen - das ist das Anliegen eines neuen interdisziplinären Master-Studiengangs an der Universität Regensburg. Moraltheologe Rupert Scheule erklärt die Einzelheiten und verrät, wie er selbst gerne sterben würde.

Von Christoph Renzikowski (KNA) |  Regensburg - 01.11.2019

An der Universität Regensburg kann man ab nächstem Jahr das Sterben studieren. Mitinitiator des neuen Studiengangs ist der katholische Moraltheologe Rupert Scheule. Der Diakon und verheiratete Familienvater ist überzeugt, dass in diesem Bereich Theologie und Kirche nach wie vor hohe Kompetenz haben. Im Interview mit erläutert er, wie es zur Entwicklung des neuen Fachs kam.

Frage: Herr Professor Scheule, bei Ihnen in Regensburg kann man bald den Tod studieren. Was steckt hinter diesem neuen Angebot?

Scheule: Unsere eigentliche Geschäftsidee ist nicht die punktuelle Befassung mit dem Tode. Wir haben einen Kunstbegriff dafür gefunden: perimortaler Raum. Menschen erleben Sterben, Tod und Trauer als eine Einheit. Die sollten sie ab dem Wintersemester 2020/21 bei uns studieren können, interdisziplinär und ökumenisch.

Frage: Die Thanatologie, die Lehre vom Tod, haben weitgehend Bestatter für sich vereinnahmt. Worauf wollen Sie hinaus?

Scheule: Theologie und Kirche sind immer noch Kompetenzzentren für die Letzten Dinge. Bestatterexpertise allein schafft noch keinen guten Abschied. Ich glaube, dass wir aus unserer Tradition und Disziplin heraus Trostwissen mobilisieren können - und wir haben Ritenkompetenz. Das wollen wir akademisch bereitstellen. Übrigens auch für Bestatter. Die sind schon hochgradig neugierig.

Rupert Scheule ist Professor für Moraltheologie an der Universität Regensburg

Rupert Scheule ist Professor für Moraltheologie an der Universität Regensburg.

Frage: Bei der Geburt helfen Hebammen, die ja künftig auch studieren müssen, und beim Sterben?

Scheule: Da gibt es natürlich jetzt schon Menschen, die das gut ausgebildet und hochprofessionell tun: Palliativmediziner etwa, oder Hospizhelfer. Trotzdem ist das ein richtiger Hinweis: Wir glauben, dass wir Sterbe- und Trauerbegleitung akademisch neu aufschließen können, dass es Schätze in der Theologie und den Nachbarwissenschaften gibt, die für diese entscheidende Lebensphase rund um den Tod auch eine praktische Bedeutung haben.

Frage: Welchen akademischen Abschluss erwerben Ihre Studenten: Master of Death oder Dr. mort.?

Scheule (lacht): Wir haben tatsächlich über "Master Todeswissenschaften" nachgedacht. Das hätte ich gar nicht schlecht gefunden. Aber den Medizinern in unserem Team war der Titel "Master in Perimortalen Wissenschaften" doch lieber. Das klingt tatsächlich seriöser und sagt immerhin klar, worum es geht.

Frage: Was sollen Ihre Absolventen letzten Endes können?

Scheule: Sie brauchen zunächst eine Selbstkompetenz für die Frage: Wie stehe ich eigentlich zum Lebensthema meines bevorstehenden Todes? Sicher, das kann ich niemals abschließend klären, aber wenn ich nicht mal anfange damit, werde ich Sterbenden und Trauernden nie nahe sein. Dann brauchen sie Kompetenz in der Deutung des Todes. Es werden Kinder am Sterbebett stehen und fragen: Kriegt die Oma jetzt Flügel, wenn sie im Himmel ist? Da ist es nicht verkehrt, wenn Sie etwas von dem draufhaben, was die Kirche über die Letzten Dinge lehrt, und sagen können: Flügel eher nicht. Sie wird bei Gott und ganz bei sich sein und nicht zu einem anderen Wesen werden, einem Engel oder so. Es geht also auch um Bildung in dem Studiengang. Kurz: Etwas klassische philosophisch-theologische Bildung darf sein in einem Uni-Studiengang.

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Frage: Was noch?

Scheule: Das Sterben zu gestalten ist eine medizinische Aufgabe, eine spirituelle und organisatorische auch. Dabei darf die Zone nach dem Tod nicht außer Acht bleiben. Sie müssen ein bisschen etwas über die Rechtslage rund um den Leichnam wissen. Es ist ganz schlecht, wenn da eine Unsicherheit nach den Trauernden greift. Außerdem sollen unsere Absolventen rausgehen können in Kindergärten, Pfarreien, die Erwachsenenbildung und dort lebensnah über das Thema Tod-Sterben-Trauern sprechen, ohne billige Schock- oder Betroffenheitsnummern abzuziehen.

Frage: Wo sehen Sie den größten Bedarf für diese Qualifikation?

Scheule: Ich stelle mit Bewunderung fest, dass sich die palliativmedizinische Szene auch gut um Trauernde kümmert. Trotzdem können wir auch da noch als Theologen ein paar Skills dazulegen. Der Lebens- und Arbeitsraum Friedhof scheint mir dagegen wissenschaftlich wie seelsorglich klar unterbelichtet. Hier verspreche ich mir eine besondere Relevanz von unserem Angebot.

Frage: Eine persönliche Frage zum Schluss: Wie wollen Sie sterben?

Scheule: Das frage ich mich auch oft. Manchmal habe ich die Vorstellung: im Kreise meiner Lieben. Aber ich bin auch einer, der gern mal allein ist. Bei Sterbenden habe ich auch schon erlebt, dass - zumindest aus meiner Außensicht - das Alleinsein am Ende gut für sie war. Wie will ich sterben? Neugierig! Das wäre schön.

Von Christoph Renzikowski (KNA)