Forumsleiter Buttgereit: Wir müssen beim "synodalen Weg" liefern
Ergebnisse statt akademischer Diskussionen

Forumsleiter Buttgereit: Wir müssen beim "synodalen Weg" liefern

Beim "synodalen Weg" leitet Stephan Buttgereit mit Bischof Felix Genn das Priesterforum. Lange seien darüber akademische Debatten geführt worden. Damit soll jetzt Schluss sein, fordert er – und möchte die "normalen Christen" in den Blick nehmen.

Münster - 04.11.2019

Laut dem Priesterforums-Leiter Stephan Buttgereit muss der "synodale Weg" der Kirche in Deutschland konkrete Ergebnisse liefern. "Die Hütte brennt. Da kann man nicht mehr theoretisch über die Feuerwehr sprechen. Beim synodalen Weg müssen wir liefern und nichts auf die lange Bank schieben", sagte Buttgereit dem Münsteraner Bistumsportal "Kirche-und-Leben.de" am Samstag bezugnehmend auf die steigenden Kirchenaustritte sowie die sinkenden Zahlen an Priestern und Gottesdienstteilnehmern. Der Generalsekretär des SKM-Bundesverbandes des Katholischen Vereins für soziale Dienste leitet beim "synodalen Weg" gemeinsam mit Bischof Felix Genn das Forum "Priesterliche Existenz heute".

Seitdem das bekannt ist, erhält der 57-Jährige viele Zuschriften mit Vorschlägen zur Zukunft des Priestertums. Während sich die einen die Beibehaltung des Zölibats wünschten, forderten andere, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. "Und es gibt Stimmen, die die Priesterweihe für Frauen fordern", sagt Buttgereit.

Schluss mit akademischen Debatten

Sogar wissenschaftliche Ausarbeitungen seien ihm empfohlen worden. Doch diese wolle er für den "synodalen Weg" nicht nutzen: "Wir haben schon viel zu lange akademische Debatten geführt und dabei die normalen Christen aus dem Blick genommen. Wir haben Diskussionen geführt über Fragen, die keiner gestellt hat." Schließlich habe Jesus keine Schriftgelehrten, sondern Fischer und Handwerker berufen. "Also sollten wir beim synodalen Weg versuchen, den Diskurs in den Sitzungen über die Zukunft der Kirche zu erden", so Buttgereit.

Nach Veröffentlichung der Studie über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche – der sogenannten MHG-Studie – sei deutlich geworden, dass sich viele Katholiken Veränderungen in der Kirche wünschen: "Wir brauchen dabei die offene Debatte und die Fähigkeit, neue Positionen zu beziehen." Auch sei es ihm wichtig, die Rolle des Mannes in Kirche und Gesellschaft zu thematisieren, da "überdurchschnittlich viele Männer" die Kirche verließen. Das Männerbild habe sich zudem in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert: Früher habe Gewalt, insbesondere gegen Frauen und Kinder, "wie selbstverständlich" zur Männlichkeit dazugehört. Heute hingegen habe sie "nichts mehr in den Herzen und Hirnen von Männern" zu suchen.

Der "synodale Weg" wurde nach dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland bei der Frühjahrs-Vollversammlung 2019 in Lingen von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossen und bei der Herbst-Vollversammlung in Fulda bestärkt. Er thematisiert den Machtmissbrauch, die Sexualmoral, den Zölibat und die Rolle der Frau. Offiziell soll der "synodale Weg" am ersten Advent beginnen. Die Synodalversammlungen starten im Januar und September 2020. (mpl)