Den Engeln gleich
Christoph Kreitmeir über das Sonntagsevangelium

Den Engeln gleich

Eine "Auferstehung der Toten"? Selbst viele Christen tun sich zunehmend schwer damit – das erlebt auch Klinikseelsorger Christoph Kreitmeir immer wieder. Im heutigen Sonntagsevangelium aber verkündet Jesus keine naiven Jenseitsvorstellungen, sondern verheißt eine ganz neue Wirklichkeit.

Von Christoph Kreitmeir |  Ingolstadt - 09.11.2019

Impuls von Christoph Kreitmeir

Mit der Frage über die "Auferstehung der Toten" kannst du heute irgendwie keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken. So kommt es mir zumindest im Alltag vor. Kommt man – und das nicht nur im typischen Totenmonat November – auf die Frage, was denn nach dem Tod sein wird, dann erntet man Kopfschütteln, zweifelnde Blicke oder gar die Antwort, dass man da nichts Genaues weiß und sich deshalb darüber auch keinen Kopf zerbrechen sollte.

Die Einstellung "Ich glaube nichts und mir fehlt auch nichts" wächst wie ein Krebsgeschwür und greift sogar Christenseelen, deren A und O doch die Auferstehungshoffnung sein müsste, zunehmend an. Der Grund dieser Misere ist ein spiritueller, denn im Laufe der letzten 50 Jahre ging in den reichen Industrieländern – christlich hin oder her – die Ewigkeitsperspektive zunehmend verloren.

Im Vergleich zu früheren Generationen leben wir heute zwar länger, aber insgesamt doch kürzer. Denn früher lebten die Menschen 30, 40, 50 Jahre plus ewig, heute leben wir maximal 90 bis 100 Jahre und haben die Ewigkeit nicht mehr im Gepäck. Das hat Konsequenzen! Druck, Zeit ist Geld, Hektik, alles mitnehmen, was nur geht, Rücksichtslosigkeit, Egoismus... Alles wird ins Diesseits hineingepresst und so wird dieses ein gnadenloser Zustand.

Das Evangelium von heute könnte da als Heilmittel aufhorchen lassen, denn das von Jesus über die Auferstehung Gesagte ist nicht nur ein Trost für so manche schwere Biografie auf Erden, es ist viel mehr als das. Es ist ein Ausblick auf etwas ganz Anderes, als man bisher erlebt hatte.

Dabei schaut es nur auf dem ersten Blick so aus, als ob Jesus die Partei der Pharisäer gegen die Sadduzäer einnimmt. Nein, er nimmt letztere sehr ernst und sagt ihnen, dass diejenigen, welche meinen, dass es nach dem Tod so ähnlich weitergeht wie hier auf Erden, die Auferstehung gänzlich falsch verstehen. Es wird eben nicht so weitergehen, denn dann werden die Menschen "den Engeln gleich sein".

Was aber heißt denn das? Engel sind Boten Gottes, sie sind durch und durch durchdrungen von einer sie selbst übersteigenden Botschaft. Menschen sind in ihrem Leben mehr oder weniger immer auf sich selbst bezogen, ihr Ego schiebt sich immer wieder leicht nach vorne. Wenn ein Mensch aber lernt, immer mehr von sich selbst Abstand zu nehmen, zuerst sich für andere einzusetzen und dann auch noch von einer hoffnungsvollen und beseelenden Botschaft durchdrungen ist, dann sagen wir gerne: Er/Sie ist wie ein Engel!

Engel leben nicht für sich selbst, ihr Leben ist ein Zeugnis und ein Ausdruck der wunderbaren Kraft und Botschaft Gottes. Und diese will uns unsterblich machen.

Von Christoph Kreitmeir

Evangelium nach Lukas (Lk 16,1-13)

in jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.

Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.

Da sagte Jesus zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten. Die aber, die gewürdigt werden, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, heiraten nicht, noch lassen sie sich heiraten. Denn sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sind.

Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle.

Der Autor

Der Priester Christoph Kreitmeir arbeitet in der Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt und in der Erwachsenbildung.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.