Kirchenrechtler Thomas Schüller
Bild: © KNA/Lars Berg
Kirchenrechtler kritisiert Reformprozess als zu unverbindlich

Theologe Schüller: "Synodaler Weg" ist kirchenrechtlich ein "Nullum"

"Man spielt Synode, aber es ist keine Synode": Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht die Unverbindlichkeit des "synodalen Wegs" als gewaltiges Problem – und hat einen Ratschlag an die Verantwortlichen.

Münster/Frankfurt a.M. - 25.11.2019

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller hat den am 1. Advent beginnenden "synodalen Weg" in der katholischen Kirche als zu unverbindlich kritisiert. Vor allem gebe es zu wenig Mitspracherecht für die Laien, letztlich hätten wiederum die Bischöfe oder Rom das letzte Wort, sagte der Direktor des Instituts für Kanonisches Recht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster dem Evangelischen Pressedienst (epd). Themen des "synodalen Wegs" sind Macht und Gewaltenteilung, Sexualmoral, Pflichtzölibat sowie die Rolle der Frauen in der Kirche.

"Man spielt Synode, aber es ist keine Synode"

"Zunächst ist das kirchenrechtlich keine Synode. Es ist kirchenrechtlich, um es ganz deutlich zu sagen, ein Nullum", fügte der Professor für Kirchenrecht hinzu: "Man spielt Synode, aber es ist keine Synode. Das, was als Beratungs- und Beschlussergebnis am Ende steht, bleibt unverbindlich." Der Vatikan habe zudem schon signalisiert, bei umstrittenen Themen keine Zustimmung zu erteilen, etwa wenn es um die Segnung homosexueller Paare geht. Auch der Diakonat der Frau oder die gegenseitige Einladung zu Eucharistie und Abendmahl kann aus Sicht Roms kein einzelnes Land entscheiden.

"Ich habe einigen Verantwortlichen geraten, sie sollten es bitte wenigstens wieder wie in der Würzburger Synode machen, dass wenigstens das, was an Beschlüssen gefasst wird, verbindlich ist. Denn die Beschlüsse der Würzburger Synode waren bindend für die Bischöfe", unterstrich Schüller. Die Synode der westdeutschen Bistümer in Würzburg von 1971 bis 1975 gilt als wichtiges Symbol für Mitbestimmung in der katholischen Kirche. Einzigartig sei damals gewesen, dass man Papst Paul VI. davon überzeugen konnte, abweichend vom geltenden Kirchenrecht für eine Bischofssynode auf nationaler Ebene auch Laien Stimmrecht zu geben, so Schüller.

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat im Frühjahr im niedersächsischen Lingen beschlossen, sich gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) auf einen "synodalen Weg" zu begeben. Der Beratungsprozess ist eine Reaktion auf die vielen Fälle sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester. Für den "synodalen Weg" wird mit einer Laufzeit von zwei Jahren gerechnet. Die erste Plenarversammlung soll Ende Januar 2020 in Frankfurt am Main stattfinden. "Die Verbindlichkeit in der Umsetzung kommt je nach Materie dem Apostolischen Stuhl und/oder dem Ortsbischof zu", heißt es in den Informationen zum "synodalen Weg" der Bischofskonferenz. (epd)