Der "Lehrer des Papstes" ist gestorben
Befreiungstheologe Scannone wurde 88 Jahre alt

Der "Lehrer des Papstes" ist gestorben

Er war der Lehrer von Franziskus und verteidigte ihn nach seiner Papstwahl 2013 gegen Anschuldigungen von Fehlverhalten zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur: Jetzt ist der Jesuit Juan Carlos Scannone im Alter von 88 Jahren gestorben.

Buenos Aires - 28.11.2019

Juan Carlos Scannone, argentinischer Befreiungstheologe, Jesuit und Lehrer von Papst Franziskus, ist tot. Er starb am Mittwoch (Ortszeit) im Alter von 88 Jahren, wie die Jesuitenprovinz Argentinien und Uruguay bestätigte. Scannone galt als einer der Väter der "Theologie des Volkes", einem in Argentinien verbreiteten Zweig der Befreiungstheologie, der ebenfalls eine "Option für die Armen" einnimmt, sich dabei aber von marxistischen Zugängen distanziert. Der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM würdigte Scannone am Donnerstag als "hervorragenden lateinamerikanischen Philosophen und Theologen"; er hinterlasse der Kirche ein reiches Erbe.

Verteidigung von Papst Franziskus

Scannone verteidigte seinen jüngeren Ordensbruder Jorge Mario Bergoglio nach dessen Papstwahl 2013 gegen Anschuldigungen von Fehlverhalten zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983). Lateinamerikas arme Bevölkerung habe Ideen von Gemeinwohl, Frieden und Gerechtigkeit besser bewahrt als die Mittel- und Oberschicht, die meist nach Europa und die USA blickten, sagte Scannone 2013 in einem Interview der Presseagentur Kathpress. Auch sei Frömmigkeit beim einfachen Volk viel eher anzutreffen. Papst Franziskus sei von diesem Zugang wesentlich inspiriert.

Der 1931 geborene Scannone trat 1949 in den Jesuitenorden ein. Mit Bergoglio war Scannone seit 1957 bekannt, als er den damals 20-Jährigen in Altgriechisch und Literatur unterrichtete. Zehn Jahre lang lebte Scannone dann im Colegio Maximo von San Miguel Tür an Tür mit dem künftigen Papst, der damals dem Haus als Rektor vorstand.

Nach der Papstwahl 2013 wies Scannone Anwürfe entschieden zurück, wonach Bergoglio zwei vom Militärregime entführte Angehörige seines Ordens, Franz Jalics und Orlando Yorio, nicht ausreichend verteidigt habe. Vielmehr habe der damalige Jesuitenprovinzial für Argentinien alles Mögliche zu deren Wiederauffindung und letztlichen Befreiung unternommen. Dabei habe Bergoglio auch erhebliche Risiken auf sich genommen.

Ab 2014 bemühte sich Scannone als Redaktionsmitglied der italienischen Jesuitenzeitschrift "Civilta Cattolica" um eine theologische Reflexion des Lehramtes von Papst Franziskus in Lateinamerika. Auch im hohen Alter reiste er viel und beteiligte sich an Konferenzen und Kongressen. Zu Österreich und Deutschland pflegte Scannone lange Zeit rege Beziehungen, auch infolge seines Studiums in Innsbruck und München. (KNA)