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Standpunkt

Der Konsumterror als Perversion von Advent und Weihnachten

Kaufen, kaufen, kaufen – das scheint alljährlich die Devise der Vorweihnachtszeit zu sein. Sich davon frei zu machen, ist schwer, kommentiert Gudrun Lux. Vor allem aber sieht sie im Konsumterror eine Perversion von Weihnachten.

Von Gudrun Lux |  Bonn - 10.12.2019

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Alle Jahre wieder kommt der Konsumdruck. Für die Umwelt und das Klima eine Katastrophe, für viele Arbeitnehmer verheerend, sei es in der Produktion, sei es für Mitarbeiter von Lieferdiensten oder im Verkauf. Viele "Konsumenten" genannte Menschen sind davon genervt, gestresst, fühlen sich, als könnten sie gar nicht alles schaffen, gar nicht alles prüfen – und dann verpasst man eine so gute Gelegenheit! Oder? Wie schwer ist es, sich davon frei zu machen! Sich dem zu entziehen und nüchtern und ehrlich zu sagen: Brauchen wir das? Macht es uns froh? Das Nicht-Kaufen wird zum Kraftakt. Ist die Entscheidung aber einmal getroffen, macht sie unglaublich frei.

Auf Twitter hat jemand dazu aufgerufen, eigene Weihnachtswünsche zu posten und eigenes Überflüssiges. Da finden sich dann Menschen zusammen, weil sie mit Dingen, die die einen gar nicht (mehr) brauchen, anderen Herzenswünsche erfüllen. Auffallend viel Resonanz erfahren aber die Tweets, in denen es um mehr geht als um Materielles: Eine wünscht sich Weihnachtspost – von der eigenen Familie käme keine; eine wünscht sich Selbstgebackenes für ein Weihnachtsfest im Nachbarschaftstreff mit armen Kindern.

Ich bin keine Kulturpessimistin und finde es sauertöpfisch, den "echten Nikolaus" gegen sein zipfelmütziges Pendant auszuspielen. Ich liebe die Advents- und Weihnachtszeit nicht nur für ihre hymnischen Lieder und ihre religiöse Bedeutung, sondern auch für Glühwein- und Zimtduft, glitzernde Deko und schön verpackte Geschenke. Doch wenn daraus Konsumterror wird, der aus der angeblich besinnlichen doch vor allem eine hektische und stressige Zeit macht, dann ist das tatsächlich eine Perversion von Advent und Weihnacht. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich dem entziehen und sich auf das Wesentliche besinnen können.

Von Gudrun Lux

Die Autorin

Gudrun Lux ist Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und von diesem zur Synodalversammlung entsandt. Die Journalistin und Rettungssanitäterin lebt mit ihrer Familie in München.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.