Feuer in Krefelder Affenhaus wohl durch Himmelslaterne ausgelöst

Notfallseelsorger nach Zoo-Brand: Verarbeitung kann jetzt beginnen

Aktualisiert am 04.01.2020  –  Lesedauer: 

Krefeld ‐ Sie wollten das neue Jahr auf besondere Weise begrüßen - nun müssen sich drei Frauen mit dem Tod von über 30 Tieren auseinandersetzen. Von moralischer Schuld möchte der Krefelder Notfallseelsorger Frank Josef van de Rieth trotzdem nicht sprechen.

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Nach dem Brand im Krefelder Zoo zollt ein Feuerwehrseelsorger den mutmaßlichen Verursacherinnen Respekt für ihre Ehrlichkeit. Jetzt könne auch für die Frauen die persönliche Verarbeitung beginnen, sagte Frank Josef van de Rieth am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur. "Wenn ich weiß, ich habe eine indirekte, eine mittelbare Beteiligung am Geschehen, kann ich anfangen, mich damit auseinanderzusetzen."

Eine Mutter und ihre beiden erwachsenen Töchter aus Krefeld hatten sich nach dem Zoo-Brand freiwillig bei der Polizei gemeldet und angegeben, dass sie in der Silvesternacht mehrere von Hand beschriebene Himmelslaternen aufsteigen haben lassen. Die Ermittler gehen davon aus, dass eine dieser Laternen das Affenhaus entzündet hat. Mehr als 30 Tiere - darunter auch Menschenaffen - starben bei dem Brand.

Pfarrer van de Rieth möchte nach bisherigem Kenntnisstand nicht von einer moralischen Schuld der Frauen sprechen: "Da ist niemand, der frei und bewusst entschieden hat: Ich möchte jetzt das Affenhaus anzünden." Die Krefelderinnen würden sich sicherlich trotzdem schuldig fühlen. Viele Menschen rechneten es ihnen positiv an, dass sie sich bei der Polizei gemeldet hätten. Häufig falle in diesem Zusammenhang das Wort Anstand, sagte der Seelsorger, der auch Feuerwehrleute begleitet, die während der Brandnacht im Einsatz waren. "Dass das anerkannt wird hier in der Stadt, das finde ich toll", sagte van de Rieth.

Ein Team von Seelsorgern begleitet auch die Tierpfleger, denen es Notfallseelsorger Dietmar Krebbers zufolge nicht gut geht. "Die Menschen brauchen jetzt jemanden, der zuhört. Die Pfleger haben eine sehr starke emotionale Bindung zu den Tieren", erklärte der Koordinator der ökumenischen Notfallseelsorge Krefeld. Im Laufe des Freitages hätten mehrere Gespräche stattgefunden. Er und sein Team würden Zoo-Mitarbeiter weiter auf Zuruf begleiten. Krebbers war auch am Neujahrsmorgen am Brandort. "Die Tierpfleger haben einen ganz wesentlichen Bezugspunkt ihres Lebens verloren." (KNA)