Rekordsegen für die Bundeskanzlerin
Sternsinger besuchen Angela Merkel im Kanzleramt

Rekordsegen für die Bundeskanzlerin

Der Besuch der Sternsinger im Bundeskanzleramt ist bereits seit vielen Jahren Tradition. Für Angela Merkel war es diesmal jedoch ein besonderer Termin: Bereits zum 15. Mal konnte die Kanzlerin am Dienstag die kleinen Könige begrüßen – was einen Rekord bedeutet.

Von Steffen Zimmermann |  Berlin - 07.01.2020

Je länger Angela Merkel Bundeskanzlerin ist, desto mehr wird sie zu einer Kanzlerin der Rekorde. Kurz vor Weihnachten etwa holte die 65-Jährige den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ein. Mit genau 5.143 Tagen war Merkel am 22. Dezember genauso lange im Amt wie einst Konrad Adenauer.

An diesem Dienstagmittag erreichte die CDU-Politikerin nun bereits die nächste Bestmarke: Zum 15. Mal konnte sie zum Beginn eines neuen Jahres die Sternsinger im Bundeskanzleramt begrüßen. Damit zog Merkel mit dem bisherigen Rekordhalter Helmut Kohl gleich, der die Besuche von Caspar, Melchior und Balthasar im Amtssitz des Bundeskanzlers am Dreikönigstag 1984 begründet hatte und die kleinen Könige aus allen deutschen Bistümern ebenfalls 15 Mal willkommen geheißen hatte.

Sternsinger aus allen 27 deutschen Bistümern

Entsprechend der bisherigen Traditon nahmen an dem Empfang auch diesmal Sternsinger aus allen 27 deutschen Bistümern teil. Merkel begrüßte die bunt geschmückten Kinder und Jugendlichen allesamt mit Handschlag und guten Wünschen für das neue Jahr; ein Junge bekam von der Kanzlerin zudem ein Geschenk überreicht, denn er hatte just an diesem Tag Geburtstag.

Anschließend stellten die Sternsinger Eva (13), Oyana (13), Benedikt (14) und Tobias (13) aus der Gemeinde St. Johannes Baptist in Jena (Bistum Erfurt) der Bundeskanzlerin die Aktion Dreikönigsingen und das diesjährige Leitwort "Segen bringen, Segen sein – Frieden! Im Libanon und weltweit" vor. Dazu hatten die Jugendlichen – stellvertretend für 27 Staaten, in denen derzeit Kriege und Konflikte herrschen – 27 Tafeln mitgebracht, auf denen Kinder Bilder mit Wünschen für Frieden und eine bessere Welt gemalt hatten. Ebenso wie einen Tag zuvor bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte ein Sternsinger eindringlich an Merkel, sich weltweit für Frieden einzusetzen.

In ihrer anschließenden Rede dankte die Bundeskanzlerin den Sternsingern für ihren Segen für das Bundeskanzleramt und ihren Einsatz für andere Kinder. Sie sei sehr froh, dass sich die Sternsinger für ihre diesjährige Aktion den Frieden als Thema gewählt hätten. "Gerade zu Jahresbeginn mussten wir ja erkennen, dass wir uns weitere Sorgen um Frieden machen müssen", sagte Merkel mit Blick auf den Nahen Osten, wo die Kriegsgefahr nach der Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani durch die USA derzeit jeden Tag größer wird. Ihr Jahr, so die Kanzlerin, habe deshalb schon damit begonnen, für den Frieden zu arbeiten – "und das wird sicher das ganze Jahr so weitergehen".

"Ein kleines Licht, das Hoffnung in die Welt bringt"

Das Engagement der Sternsinger sei "ein kleines Licht, das Hoffnung in die Welt bringt", betonte Merkel. Und diese Hoffnung zahle sich aufgrund der gesammelten Spenden ganz handfest für Kinder in Not aus. Durch das Geld der Sternsinger bekämen viele Kinder gesundes Essen und medizinische Versorgung. Die Sternsinger transportierten bei ihren Besuchen in Städten und Dörfern zudem eine Botschaft der Nächstenliebe. Diese sei notwendig, damit die Welt friedlicher werde und mehr zusammenhalte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel überreichte den Sternsingern bei ihrem Besuch im Bundeskanzleramt eine Spende für eine Hilfsprojekt im Libanon.

Mit Blick auf den Libanon, das Beispielland der diesjährigen Aktion Dreikönigssingen, betonte Merkel das große Engagement des Landes für Flüchtlinge aus Syrien: "Im Augenblick ist es so, dass jeder vierte Einwohner des Libanon ein geflohener Syrer ist." Dies sei für das kleine Land am Mittelmeer eine große Herausforderung, so die Kanzlerin. Schließlich wisse man ja, wie schwierig die Diskussion um Flüchtlinge schon in Deutschland sei, obwohl man hierzulande prozentual deutlich weniger Menschen aufgenommen habe.

Es sei wichtig, dass es die Spenden sammelnden Kinder gebe, um das, was der Staat leiste, zu ergänzen, so Merkel, die nach ihrer Rede auch selbst einen Geldbetrag für ein Hilfsprojekt der Sternsinger im Libanon spendete. Den letztjährigen Spendenrekord der Aktion von 50,2 Millionen Euro bezeichnete sie dabei als "Wahnsinn". Sie drücke den Jungen und Mädchen die Daumen, dass sie in diesem Jahr ähnlich viel Geld zusammen bekämen. Deutschland sei ein reiches Land, und deshalb sei es gut, dass die Kinder an Menschen in Not dächten.

Merkel und Sternsinger singen "Gloria, es ist Sternsingerzeit"

Zum Abschluss des Empfangs schrieben die Sternsinger Johanna (10), Theresa (10), Armin (10) und Justus (10) aus der Gemeinde Zum Guten Hirten in Cottbus (Bistum Görlitz) die Segensformel "20*C+M+B+20" an eine Wand im Eingangsbereich des Kanzleramts. Die Abkürzung steht für "Christus Mansionem Benedicat" (Christus segne dieses Haus). Anschließend sang Merkel gemeinsam mit allen Sternsingern das Lied "Gloria, es ist Sternsingerzeit".

Die Aktion Dreikönigssingen, die vom Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) gemeinsam getragen wird, findet in diesem Jahr zum 62. Mal statt. Seit 1959 hat sich das Sternsingen zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Rund um den Dreikönigstagtag am 6. Januar gehen als Heilige Drei Könige verkleidete Kinder von Haus zu Haus und sammeln Spenden für Not leidende Kinder in Entwicklungsländern. Insgesamt wurden seit Beginn der Aktion rund 1,14 Milliarden Euro für etwa 74.400 Projekte in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa gesammelt.

Von Steffen Zimmermann